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The Splasher: Die Revolution frisst ihre Kinder

“Destroy the museums, in the streets and everywhere.” Das ist das Motto der New Yorker “Splasher. Seit Ende 2006 attackieren sie mit Farbbeuteln die Street Art-Werke von Banksy, Shepard Fairey, Swoon und anderen – aber erst jetzt ist klar, dass sie keine Neider oder naive Radikale sind. Denn vor einigen Wochen haben sie ein 16-seitiges Manifest veröffentlicht – könnt Ihr bei uns als PDF downloaden. Und das Manifest ist wirklich lesenswert und sehr intelligent geschrieben – die Verfasser sind eindeutig dem linksradikalen, anarchistischen & feministischen Spektrum zuzuordnen. Und: Ihre Thesen machen Sinn. Es geht ihnen nicht nur um Street Art, sondern um die Kunst im Allgemeinen. “Die Langeweile, die von den Museen ausgeschieden wird, gleicht zunehmend dem Gestank der Kirchen”. Und damit reihen sich ein, in eine lange Tradition der Kunstzerstörer à la Pierre Pinoncelli, Alexander Brener oder Yuan Cai & Jian Jun Xi. Viele ihrer Anmerkungen sind bei Guy Debord/SI entlehnt. Ihre Destruktion richtet sich gegen Street Art, weil Street Art nichts anderes als Werbung für eine hippe Künstlerkarriere sei, die Kunst verkomme zur Marke und das Stencil zum Logo. “So the idea was to poke a hole in the Picasso night before it goes to auction.” Ein weiterer Punkt ihrer Kritik ist der Effekt der Gentrifizierung: “Street art gives the green light to investors, becomes that repugnant drug of tourism, and speeds the process of gentrification. By making the ghetto “beautiful”, the street artists neatly wipes her hands of any responsibility to examine underlaying social or economic oppressions at play and instead revels in her own mystified vanguardism.” Über die Thesen kann (und sollte man) streiten, aber das Manifest ist auf jeden Fall spannend zu lesen und streut hingebungsvoll Salz in die offenen Wunden der Street Art-Community.

Das gesamte 16-seitige “Splasher”-Manifest als PDF zum Download: Seite 1, Seite 2, Seite 3, Seite 4, Seite 5, Seite 6, Seite 7, Seite 8, Seite 9, Seite 10, Seite 11, Seite 12, Seite 13, Seite 14, Seite 15, Seite 16.

Zwei Anmerkungen:

Seite 1: Der Titel des Manifest “if we did it, this is how it would’ve happened” ist eine Anspielung auf das geplante Buch von O.J. Simpson “If I Did It”, in dem er als “potentieller” Mörder agiert und erzählt, wie er den Mord ausgeführt hatte bzw. was er empfand // das Cover-Bild zeigt ein gesplashed Werk von Obey Giant aka. Shepard Fairey

Seite 15: “capital sucks from the teat of idols”: Die Montage über den Manga-Brüsten zeigt die Köpfe von Marc and Sara, den beiden Bloggern des Woostercollective.

Comments

12 Comments so far. Leave a comment below.
  1. maybetrue,

    klingt sehr interessant. nur eine kleine anmerkung: Seite 2 ist falsch verlinkt, aber an sich ja nicht so tragisch. mit ein weinig logischen verstand kann man sich die url ja denken

  2. *A,

    @maybetrue: Danke, haben Seite 2 neu verlinkt!

  3. el,

    schöner artikel und eine gute zusammenfassung, danke :)

  4. sum1,

    gibts das manifest irgendwo auch in leserlich?

  5. *A,

    @sum1: Dieses PDF ist die leserlichste Version, die ich gefunden habe… Am besten: Ausdrucken – dann geht´s schon… Und richtig leserlich gibt´s das Manifest an den Wänden von NY, neben Banksy&Obey&nem Farbkleks…

  6. uwe,

    Haben sich die “Splasher” auch darüber Gedanken gemacht, was ist, wenn man ihre Zerstörung/ ihren Schrei nach Aufmerksamkeit eines Tages als Kunst ansieht. Manch einer mag heute schon solch einen Blick auf die von ihnen mit Farbbeuteln zerstörte Straßenkunst haben. Ich weiß nicht, ob diese Form des Protests die Richtige ist.

  7. hz,

    seh ich auch so, andererseits – welche form des protests wäre die richtige? kann es heute irgend etwas geben, was nicht auch als kunst gesehen und damit entschärft werden kann?

  8. jym,

    so hats hitler auch gemacht..alles zerstören,was nicht seinem weltbild entspricht.man heilt serienmörder auch nicht,indem man alle menschen vor ihm umbringt.die typen haben wirklich nichts verstanden,vor allem nicht was kunst ist…

  9. Hier ein ausführlicher Artikel zu Splasher und der Bezug zur Situationistischen Internationale:
    http://unkultur.olifani.de/?p=107

  10. За статью спасибочки, все по делу, достаточно много кто это использует

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