

The Wa in Biarritz: “Revolution”, 2010.

PARASITES#1: Encastrable. Foto: Just

PARASITES#2: The Wa. Foto: Tim Holthöfer

PARASITES#3: Ondrej Brody & Kristofer Paetau. Foto: Christian Rinke
“What happened to the Happening?” – ein fantastischer Artikel von Maja Hoock bei Kunstaspekte über Aktionskunst, Happenings, Performances und das Ausstellungskonzept PARASITES:
“(…) „Das Happening kann doch gar nicht tot sein“, sagte einst Wolf Vostell. „Weil es mit dem Leben zusammenhängt.“ Tatsächlich existiert die Kunstform weiter, nur die Themen und Mittel der Künstler wurden in den letzten 40 Jahren andere: statt sich thematisch mit Atomkraft, Vietnamkrieg und Nazizeit zu befassen, kritisieren Situationskünstler heute Überwachungsstaat, Gentechnik, Gentrifizierung und Globalisierung. Auch ihnen geht es darum, in einer zunehmend geglätteten und gesäuberten Welt Kontrapunkte zu setzen. Parasites ist ein gutes Beispiel für solche Störversuche. Der Hamburger Kurator Tom Segler (Name von der Redaktion geändert) rief die Aktionsreihe 2009 ins Leben und inszeniert seitdem Aktionen mit verschiedenen Künstlern. Er findet Dokumentation und Aufbereitung in den Kunststätten zwar wichtig, will aber auch die aktuellen Situationskünstler genannt wissen: „Es ist schade, dass all die jungen Aktionen, die es heute ja auch zuhauf gibt, unbeachtet bleiben.“ Mit seiner Arbeit setzt Segler etwas gegen eine museale Verklärung von Aktionskunst. Die Liste der aktuellen Aktionen, auf die er mit seiner Internetseite rebelart.net aufmerksam macht, ist lang. Der Kunstjournalist beobachtet die Szene seit Jahren und hat sogar die Zunahme von künstlerischen Interventionen in Richtung Happening feststellen können: „Ich habe das Gefühl, dass ihre große Renaissance angebrochen ist. Auch weil es eine neue Sehnsucht nach dem echten Leben gibt. Man möchte dabei gewesen sein, statt nur passiv vor TV oder Internet zu sitzen.“ Vielleicht steht bei den heutigen Aktionen das gemeinsame intensive Erleben sogar noch mehr im Vordergrund, als in den politisch provokanten Happenings vor vierzig Jahren.
So stürmte das französische Künstler-Duo Encastrable vor einem Jahr einen Baumarkt in Hamburg, um live vor Ort Skulpturen aus Heimwerkerartikeln zu bauen. Diese Intervention im öffentlichen Raum fand vor hunderten Gästen statt, die ebenfalls kreativ wurden. Niemand war wirklich empört, sogar die Baumarktleitung gratulierte zur Aktion. Aber um das Gefühl, gemeinsam in diese durchstrukturierte Konsumwelt einzudringen und sie etwas durcheinanderzubringen, darum geht es. Auch bei der Parasites-Aktion des Künstlers The Wa war alles da, woraus ein gutes Happening gemacht ist: das mit dem Publikum erlebte Ereignis, das durch überzeichnete Kontraste ans Absurde grenzt. Vergangenen Winter inszenierte er eine Demonstration ohne erkennbares Anliegen auf einem der schicksten Plätze in Hamburg, hinterließ Schmutz und Plastikbierflaschen, um eine Stunde später Kanapees und Lachs in einem Obdachlosentreff servieren zu lassen. Was der Künstler anspricht ist hochaktuell: Stadtviertel, die immer teurer werden und Menschen, die sich dort die Miete nicht mehr leisten können. (…)” Hier der ganze Artikel – und nicht verpassen:
An diesem Samstag, 18. September findet in Hamburg (Sternschanze) die vorerst letzte PARASITES-Aktion statt: Der Berliner Künstler BRONCO präsentiert das Guerilla-Musical “Street Art”. Und es gibt auch noch ein paar der auf 100 Exemplare limitierten Reclaim-Hefte (10 Euro + 1,50 Versand) mit dem gesamten Stück! Der genaue Ort und die genaue Uhrzeit wird morgen bekanntgeben…

Ari Sariannidis und The Wa (vgl. auch PARASITES#2) stellen ab Freitag, 13. August (bis 11. September) ihre gemeinsamen Projekte in der Galerie Urban Art Info aus, u.a. ihre “U-Gallery”, ein illegaler Galerieraum im Berliner U-Bahnschacht. “Two Berlin artists, Ari Sariannidis and The Wa, began a year ago to work on “U-Gallery,” a room in an underground railway tunnel, that is accessible only first through an emergency exit hatch and then by walking along subway tracks and finally by ladder. In this triangular, white-walled room, the visitor would see only a guestbook. The visitor’s hazardous journey to the U-Gallery is an essential component to the work, an act which is punctuated by the opportunity to sign the guest book. This “underground gallery” was open for the first five months of 2010 and was then “transfered” to a street level art gallery.” Via: Mail


Neues Projekt von The Wa: Auch er hat letzte Woche mit falschen Schildchen experimentiert. Via: Mail, danke!



Der in Berlin lebende Künstler The Wa hat in Paris eine neue Intervention realisiert: Die Serie “Paris a place to stay” richtet sich gegen Stadtmöbel, die ein Sitzen/Liegen/Schlafen von Obdachlosen verhindern sollen. Gilles Paté und Stéphane Argillet haben 2003 zu diesem Thema übrigens auch eine schöne Dokumentation (“Le repos du fakir“) gedreht. The Wa hat diese destruktiven “Möbel” zweckentfremdet – um daraus wieder echte Möbel zu gestalten. Mehr zu The Wa auch hier, hier und hier. Via: Mail

Eine neue Sticker-Kampagne, um in Lyon kostenlos U-Bahn zu fahren: Partout, pour tous, il y a TCL. Idee und Design kommt von der Künstlerin Marilou, gedruckt hat die Sticker dann F.A. in seiner Tchikebe!-Werkstatt in Marseille, und geklebt wurden sie in Lyon zusammen mit The Wa und GG. Den Film zur Aktion hat Jerome Fino gedreht. Achja – und außerdem solltet Ihr die Augen auf halten: Die U-Gallery von The Wa und Ari Sariannidis hat bereits geöffnet – um die Galerie zu erreichen muss man bei einer Berliner U-Bahnstation auf die Gleise hüpfen. Deshalb: Vorsicht! Ist aber eine der besten Kunstaktionen seit langem! Das Duo wird dieses Projekt bestimmt auch bei ihrer Ausstellung in der Galerie Urban Art Info präsentieren – das Datum sollte man sich auch schon mal vormerken: 13. August bis 11. September. Via: Mail



The Wa – bekannt aus Film, Funk und Parasites#2 – hat jetzt eine Wabsite (mit vielen neuen Bildern und Projekten), yeah! Via: Mail, danke!


















Fotos: Tim Holthöfer, danke!









Fotos: Christian Rinke, danke!
Mail von Bob Baster: “Am Samstag, 13. Februar, 14 Uhr, fand die zweite PARASITES-Ausstellung mit dem Berliner Künstler The Wa in der Hamburger HafenCity statt. Der Künstler hatte im Vorfeld Dutzende Demoplakate akribisch abgemalt, “Berufsspanner abwählen” (Piratenpartei), “Wir sind China” (Zensurdebatte), “No pasarán” (dt. “Sie werden nicht durchkommen”; Schlachtruf der Spanischen Antifaschisten), “Deutsche Intifada” (Transparent der Autonomen Nationalisten), “Kein Kiez für Nazis” (Antifa-Slogan) oder “Break Out Of Control” (Antikapitalistischen Block), und diese dann in der HafenCity installiert. Die Kontextverschiebung war bemerkenswert: Überraschte Touristen versuchten die Botschaft der angeblichen Demonstranten zu entschlüsseln und auch die Polizei (die nach rund 15 Minuten eintraf) lief irritiert und hilflos von Plakat zu Plakat, notierte sich die Botschaften und saß danach beobachtend im Auto. Wie bei Demonstrationen wurde die Vernissage dann sofort einkesselt: Von der Hafenseite legte sich noch ein Polizeiboot auf die Lauer. Aber nichts geschah: Die rund 100 Besucher schauten sich friedlich, mit einem Bier in der Hand, eben wie in einer klassischen Ausstellungssituation, die gemalten Bilder an. Der Slogan-Remix wirkte in der monumentalen HafenCity-Kulisse wirklich absurd und paradox. Und die merkwürdigste Reaktion darauf war dann auch: Ein Bewohner eines Hochhauses vor dem Platz erschien auf seinem Balkon in einem Spiderman-Kostüm und wedelte mit der deutschen Fahne! Kurz nach dem Aufbau verschwand der Künstler dann in ein Obdachlosenzentrum auf St. Pauli und feierte dort mit den anwesenden Menschen die Eröffnung: Es gab ein kostenloses Edel-Catering (Schnittchen mit Räucherlachs, Krabben, Putebrust, Roastbeef, Seranoschinken) und feinste Kartoffelsuppe für alle – gesponsert vom Kochmagazin Effilee! Danke an alle Beteiligten für diese wunderbare Intervention!” Via: Mail, danke, Bob!


Pssst, weitersagen: Die spektakuläre PARASITES-Intervention von The Wa findet morgen, Samstag, Punkt 14 Uhr, in der Hamburger HafenCity statt – und zwar genau auf dem Vasco-da-Gama-Platz.
Der Künstler The Wa wird dort eine paradoxe Situation inszenieren – und zum ersten Mal in der Geschichte der HafenCity wird dort eine illegale Intervention stattfinden. Denn: Bitte liebe Punks, Autonome, Obdachlose, Kanacken, Terroristen, Drogendealer, Parasiten, Asylbetrüger, Hütchenspieler, Arbeitslose, Studenten, Taugenichtse, Tagelöhner, Anarchisten, Rumstreuner – bitte lasst die Yuppies nicht alleine! Die Stadt gehört allen! Deshalb feiert (friedlich!) mit The Wa in der HafenCity. Es gibt Vokü und Freibier für alle!
VERNISSAGE I:
Los geht’s um Punkt 14 Uhr auf dem Vasco-da-Gama-Platz (Am Dalmannkai) in der HafenCity – ca. 700 Meter von der Elbphilharmonie entfernt. Nächste U-Bahn: “Baumwall” (U3). Oder mit dem Bus Nr. 4 bis “Marco-Polo-Terrasse”. Es gibt Kunst, Suppe und Freibier für alle.
VERNISSAGE II:
Ab 16 Uhr findet dann ein intimes Edelbüffet mit Lachsschnittchen und Cocktails in einem Treffpunkt (St. Pauli) für arme, arbeits- und obdachlose Menschen statt. Deshalb heißt dieses Projekt übrigens auch “Switch Tense”: The Wa wird symbolisch zwei Orte miteinander vertauschen. Zu dieser zweiten Vernissage sind dann aber auch nur arbeits- und obdachlose Menschen eingeladen – und der Ort wird nicht offiziell bekannt geben.
AFTERPARTY
Ab 20 Uhr sind The Wa und seine Freunde dann im Frappant (Große Bergstr.174, 22767 Hamburg-Altona, Aufgang über die Rampen/Parkdecks an der Rückseite des Gebäudes – Lawaetzweg) – und präsentieren dort erste Bilder von der Aktion! The Wa wird auch seine DVD mit weiteren Interventionen vorstellen. Außerdem findet dort die letzte Ausstellung statt: “PASSAGE” mit Annett Hingott, Isabell Kamp, Sibylle Klein, Magda Krawcewicz, Stefan Moos, Mika Neu, Katharina Timner / Markus Losleben, Harald Torp, Katja Windau, Kay Wittke und Frank Woiwode. Aber warm anziehen, das SKAM warnt schon: “Bei -2 Grad Innentemperatur, ohne fließendes Wasser im gesamten Haus, aber bei Glühwein zeigen unter dem Titel “Passage” 11 Künstlerinnen und Künstler ihre Arbeiten: Gemälde, Zeichnungen, Fotos und Installationen. Eine der letzteren wird sich durch zehn Räume winden, erstellt in zweiwöchiger Arbeit, ebenfalls bei o. g. Temperaturen – da muss man schon wollen!” Aber kommt alle ein letztes Mal vorbei und lasst uns so richtig abgehen, dann wird uns schon warm werden…
Es gibt viel zu tun! Packen wir’s an! Alle Infos hier und bald mehr Bilder und Feedback über die Aktion bei rebel:art! Via: Mail, danke Peter!