
Die Leipziger EEG (essential existence gallery), Galerie für Interaktive Kunst und Neue Medien, startet (4. Juni bis 26. Juni) mit einer subversiven Gruppenausstellung ihr Jahresprogramm: “Mercedes Bunz schreibt in ihrem Text „Grenzgänge statt Import/Export“, dass „Kunst von Nicht-Kunst zu unterscheiden, das hat neulich auch Diedrich Diederichsen bemerkt, danach kräht kein Hahn mehr (…). Es scheint, als ob die Autonomie der Kunst zersplittert und diese Splitter quasi verteilt worden sind, denn die einzelnen Momente, die Kunst ausgemacht haben, haben sich in alle erdenklichen Bereiche zerstreut, “neue visuelle Routinen”, nennt Diedrich Diederichsen das, “… Mode, Starkultur, Graffiti, Werbung, die sich unabhängig von deren jeweils primären kommunikativen Zwecken entwickelt haben”. „Einer Macht, die eine Ordnung aufstellt, die ausschließt, konnte man noch etwas entgegenstellen, indem man diese Ordnung angegriffen und ihr eine Alternative entgegengestellt hat.
Die wichtigste Waffe war damit das “Gegen”, negative Kritik bedeutete hier noch per se, dass man ein stückweit der Ordnung entkommt, sich entzieht – doch genau das ist beim neuen Typus der Macht nicht mehr möglich. Nicht die Repression, sondern die Toleranz hat sich verschärft: Sie ist zu einer aufmunternden “produktiven Toleranz” mutiert – willkommen im Regime der Produktivität!“ (Bunz, 2006). Somit bleibt mir/uns jetzt zu fragen: Ob „Subversion“ das ist was anders ist, das ist was Konventionen der Gesellschaft, der Institutionen, des Denkens, des Schreibens, des Kämpfens, der Grenzen aufkündigt. Was passiert mit uns Menschen in einer Welt in der alle Konventionen systemimmanent aufgekündigt werden, die Toleranz der Repression weicht, die Individuen zu UnternehmerInnen ohne Business- und Lebensplan werden? In der die sicheren Grenzen zu unsicheren Möglichkeiten changieren? Absicherungen fehlen, aber überproportional kreative Produktivität und Flexibilität in einem prekären Status abverlangt wird? Wohin begeben wir uns als Menschen in solchen Zeiten? Wie schaffen wir es diesem unsystematischen Gefüge Werte und Gemeinschaftssinn abzuringen? Sind es die schönen neuen Waren, die Modestile, die unzähligen Computerspiele, Filme, Fernsehshows die uns Reibung und Identifikation vermitteln? Vielleicht muss ich, anstelle mich abzugrenzen also mit der Aneignung surfen, muss konstant die nächste Aneignung vorbereiten, um sich von ihr im gleichen Moment zu entfernen, mich immer schon wieder woanders befinden. Vielleicht sollte ich dafür den antiquierten Begriff des “Utopischen” wieder aus der Tasche ziehen, ihn den Gegebenheiten anpassen und damit das gefräßige Produktivitätsregime anfüttern.” Aus dem Pressetext, via Mail.