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Possible Books: “Die Jule mit den Pizzabrötchen”

Ich feiere hier ja selten Bücher ab. Und ganz selten bekommt ein Buch mal einen eigenen Blogpost. Aber dieses Buch, besser gesagt: dieses Büchlein mit seinen gerade einmal 152 Seiten im Reclam-Heft-Format, ist der absolute Wahnsinn und “Die Jule mit den Pizzabrötchen” (Possible Books) hat Eure volle Aufmerksamkeit wahrlich verdient. Ich habe es in einem Biß verschlungen – man beginnt zu lesen und möchte es nicht mehr aus der Hand legen. Ja, man wünscht sich sogar Fortsetzungen! Die Magie liegt wohl darin, dass dieses Buch mal keine übliche Szene/Popkultur bzw. junge Literatur ist, sondern eine authentische Geschichte mit einem authentischen Erzählton. Denn es handelt sich nicht um eine Fiktion, sondern um folgende Geschichte: “Am 20. April 2012 erwarb ich auf ebay ein Mobiltelefon. Eine Woche nach Kaufabschluss stellte die Post das Gerät zu. In eiliger Erwartung den neuen Kauf auf dessen Funktionstüchtigkeit zu testen, legte ich die SIM-Karte ein. Der Netzbetreiber sendete mir daraufhin die üblichen Konfigurationsinformationen. Beim Lesen der Nachricht bemerkte ich weitere Kurzmitteilungen. Insgesamt 900. Interessiert begann ich zu lesen und verhedderte mich in einem Netz von Beziehungen, Anschuldigungen und Liebesbeweisen. Die Veröffentlichung dieses akribisch dokumentarischen Bandes macht es nun auch Dritten möglich, bröckchenweise, jedoch keineswegs unzugänglich, Einsicht in das bewegte Leben der jugendlichen Telefonbesitzerin zu erhalten.” Es geht um Liebe, Hass, und wieder Liebe, um eine mögliche Schwangerschaft und sogar Selbstmord – episch, banal, bewegend, authentisch, grandios! Das Heft kostet nur 10 Euro – und ihr müsst schnell sein, denn es gibt nur 50 Exemplare. Es lohnt sich! Das ist wirklich das beste und ehrlichste Stück Literatur, dass ich seit langem gelesen habe! Und lieber Matthias, die Idee ist serienhitverdächtig: Bitte ersteigere weitere Mobiltelefone bei ebay – ich will Fortsetzungen lesen!

Und sonst so? : 19. 12. 2012


Ich wünsche Euch ein fröhliches Fest und nen guten Rutsch! Foto: Dresden-Blasewitz 2012

* Bücher zu Kunstwerken: Matthias Hübner hat seinen eignen Verlag an den Start gebracht: Possible Books! Los geht´s gleich mit drei Publikationen von Brad Downey (“11/09/01″, “The Rituals of Father and Son”, “Zen Pranks”) und eine Liebesgeschichte in 52 Akten (“Die Jule mit den Pizzabrötchen”). “Possible Books is a small publishing house founded on a love for books. We don’t see books strictly as a medium to deliver information, but rather as a vessel of sensual and subtle experiences. We consider ourselves as book makers rather than publishers. Our books will be produced industrially if necessary, but will always have a “human touch.” We appreciate collaborations and open dialogue, and Possible Books will be a platform for exactly that. As for the content of our books, we have our interests but are keen for new ideas and avenues.” Viel Erfolg!

* Aram Bartholl wird 40 – und schenkt Euch ne Party: “YOUR ART!! PARTY, 10pm, December 29, 2012 @ PANKE club, Gerichtstr. 23, Berlin Wedding, 5th backyard map!! FB event. Make your own YOUR ART!! GOLDEN NECKLACE at the YOUR ART!! PARTY. Show off all your works from your phone/tablet/etc wrapped as COOL necklace jewelry. You are the SHOW!”

* Pippi-Check-in: “Mark Your Territory” is a new system that lets individuals check-in to foursquare by physically urinating at the actual location. Via

* ILG mit neuen Folgen der Reihe “5 Min”: Diesmal mit JUST & in Mexiko-City.

* Eines meiner Lieblingszines (Sorry, Schicken Omi!) ist endlich wieder da: Junk Jet Fanzine N°6: “The global is but the local on world tour. On this tour the local is not preserving identity – be that cultural, political, or social, but it is (re-)inventing itself, as art, activism, or enterprise. The local even aims at becoming a global subject, without knowing what forces – be that swarm, viral, or whatever, this depends on. The local is more or less ignorant about the www processes, but it is ready to get itself into anything – be that souvenirs, ruins, folklorisms, vernaculars, clichés, promises, romanticisms, naturalisms, exotisms. Junk Jet N°6 is crazy about things of local time and place, in the form of objects, images, gifs, videos, sounds, architectures, or reflecting texts. Junk Jet comes with works from your localhost, or your local wifi kebab-shop.” 144 Seiten, 12 Euro.

* Und noch ein Buch-Tipp: “Jahrbuch Netzpolitik 2012″, als kostenloser PDF-Download hier. Via

* Das Kunstmagazin Glut spürt künstlerische Positionen von morgen auf. Mit frischem Blick gehen wir in die Kunstakademien und Ateliers und stellen die interessantesten jungen Künstler ausführlich und persönlich vor. Via

* Wer´s noch nicht kennt: “Watch The K Foundation Burn a Million Quid“, die KLF-Doku (1994): “Am 23. August 1994 nahmen Bill Drummond und Jimmy Cauty (aka The KLF) den Dokumentarfilm “Watch The K Foundation Burn a Million Quid” auf, in dem sie eine Million britische Pfund in 50-Pfund-Noten verbrannten.” Via

* Und: Plattform gegen die “Wir haben da keine Frau fürs Panel gefunden”-Ausrede