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Tag PARASITES

PARASITES #1 – heute bei 3sat

3sat (21.30 Uhr, “Bauerfeind”) zeigt heute einen Beitrag zu unserer ersten PARASITES-Ausstellung (das Video kann man sich aber auch schon hier vorab in der Mediathek anschauen & dank Alx auch bei Youtube): “Antoine Lejolivet und Paul Souviron hatten ein Problem: Wie sollten sie ihre Kunst an den Mann bekommen? Alain Bieber hatte die Lösung: Kunst muss in öffentliche Räume. Und so haben die beiden Künstler vor einem Jahr angefangen, in Frankreichs Baumärkten illegal temporäre Skulpturen aufzubauen. Denn: Es gibt kein Gesetz, dass einem verbietet, in einem Laden Kunst zu machen. Jetzt waren sie auch in einem Hamburger Handwerkerparadies.”

PARASITES #1: Encastrable / Update

Fotos: Just

Samstag, 19. September. Wir saßen rund eine Stunde in dem portugiesischem Café Carlos, schräg gegenüber von Max Bahr in Hamburg-Altona, tranken Galão, rauchten Kette und beobachteten intensiv den Baumarkt. Sah eigentlich alles ganz normal aus. Konnte es also wirklich sein, dass die nichts mitbekommen hatten? Über einen Monat lang hatte ich für mein neues Ausstellungskonzept PARASITES getrommelt, es lief durch alle Hamburger Kulturverteiler, über 100 Mitglieder gab es bei Facebook, rund 100 Mails hatte ich eingesammelt und etwa 50 Twitter-Followers. Aber im Baumarkt sah alles so konfus wie immer aus. Bereits zwei Tage zuvor hatten wir uns dort umgesehen – eigentlich fast sogar den ganzen Tag dort verbracht. Antoine Lejolivet und Paul Souviron, das französische Künstlerduo Encastrable, dass ich zur Debütausstellung eingeladen hatte, realisiert seit rund einem Jahr in Frankreich temporäre Skulpturen in Baumärkten. Aber bisher hatten sie vor Ort noch nie eine Vernissage gefeiert. Normalerweise gingen sie in Baumärkte, bauten mit den vorgefundenen Materialien ihre Skulpturen, dokumentierten diese und gingen dann wieder. Das war also diesmal eine neue Situation. Wir waren alle gespannt, zu welcher Eigendynamik es dabei kommen würde. Das Duo wollte sich auf jeden Fall vorab ein wenig im Baumarkt umschauen, Material begutachten, ein paar Tests machen, ein wenig basteln – wie gesagt, es wurden rund sechs Stunden und es fiel niemandem auf. Am nächsten Tag gab es dann noch einmal eine kurze, private Intervention, quasi ein letzter Test, im Bauhaus in Harburg. Aber innerhalb von zehn Minuten wurde hier ein Mitarbeiter auf das Duo aufmerksam. Und wir waren froh, dass wir uns für den Max Bahr in Altona entschieden hatten. Die Gründe waren vor allem: Wenig Überwachungskameras, verplante und faule Mitarbeiter, die nicht sofort aufräumen, eine zentrale Lage, große Ähnlichkeiten und Sympathie zwischen Publikum und normaler Kundschaft, und in netter Nachbarschaft, das Frappant, für eine kleine Afterparty.

Wir hatten also trainiert, die Lage gecheckt, aber waren trotzdem alle irgendwie nervös. Es war eine Stimmung, wie kurz vor einem Bankraub. Um 17 Uhr gingen Antoine und Paul dann in den Baumarkt und legten los, eine halbe Stunde später folgten mit versteckten Foto/Film-Kameras JUST und Nicolette und Maja, die für geplanten Katalog einen Text schreiben sollte. Um 17:30 wurden Anna, Steffi und Alexandra eingewiesen: Sie sollten an alle Baumarkt-Besucher einen Grundriss verteilen, auf dem die verschiedenen Installationen verzeichnet waren, als Orientierungshilfe/Guide. Dann ging auch ich in den Baumarkt. Schon jetzt war der Baumarkt voller als sonst. Und ich erkannte auch erste bekannte Gesichter. Alle verhielten sich diskret/konspirativ, schoben Einkaufswagen, hielten Produkte in der Hand, liefen zielstrebig und unauffällig umher. Und die ersten Skulpturen waren auch bereits aufgebaut. Innerhalb der nächsten halben Stunde füllte sich dann der Baumarkt wirklich rasend schnell. Und ich hätte gerne gewusst, was die Verkäufer in diesem Moment dachten. “Scheiße, gerade heute, zwei Stunden vor Feierabend noch so viele Kunden.” Irgendwann muss es wohl aufgefallen sein. Ich habe gehört, dass ein Besucher einen Verkäufer gefragt hat, ob Max Bahr jetzt häufiger Ausstellungen organisiert. Es folgte eine halbe Minute Schweigen und ein verwirrter Verkäufer. Dann hatte auch dieser Besucher verstanden, dass wir nichts vorab mit dem Baumarkt abgesprochen hatten. Irgendwann stürmte dann das 3Sat-Team (wird wohl in der nächsten “Bauerfeind”-Sendung laufen) in den Baumarkt und wollte den Marktleiter interviewen. Der reagierte aber extrem locker – und ließ sein Team einfach immer wieder die Abteilungen, mit den auffälligsten Skulpturen, aufräumen. Und: Die Skulpturen hatten sich sehr schnell vermehrt – das kreative Klima sorgte für zahlreiche Nachahmer, die plötzlich auch aus den Baumarkt-Materialien ihre Skulpturen formten bzw. die bestehenden Werke ergänzten.

In den zwei Stunden gab es über 250 zufällige und beabsichtigte Besucher (das wissen wir so genau, weil wir in nur einer Stunde 200 Grundrisse am Eingang verteilt haben). Und als dann die ersten Vernissage-Korken auf dem Parkplatz krachten, kam dann doch noch die Polizei. Doch auch sie wusste gar nichts von der Ausstellung – sie war eigentlich auf der Suche nach ein paar Hausbesetzern.

Echo:
“Ziel und Inhalt der Ausstellung war es, das unerschöpfliche Materiallager aus den Regalen des Baumarktes in spontane skulpturale Kunstobjekte zu transformieren und so den Baumarkt in eine Galerie zu verwandeln. Umgesetzt wurde das Konzept durch die zwei eingeladenen französischen Künstler Antoine Lejolivet, 35, und Paul Souviron, 29, welche unter dem Pseudonym Encastrable arbeiten. Die Aktion war ein voller Erfolg, zur Vernissage am Samstag, den 19.09.09 kamen über 100 Besucher, zusätzlich zu den nichts ahnenden Kunden und Angestellten. Für etwas mehrt als eine Stunde wurde der ansonsten dem reinen Konsum gewidmete Raum der Gewerbehalle zu einem neuen Ort. Die Aktion veränderte jedoch eigentlich weniger den Ort als die Wahrnehmung der Betrachter.” (Urbanshit)

“mir gefiel das unprätentiöse auftreten der installationen, draussen, auf dem parkplatz war die atmosphäre allerdings genauso prätentiös wie auf jeder anderen vernissage. wichtigtuer, angestrengt entspannt wirkende hippster, ein fernsehteam, blonde ischen, schlipsträger und kichernde, leicht überhebliche wenn-die-wüssten- oder sind-die-alle-ahnungslos-denker bevölkerten den parkplatz. fotografen fotografierten den parkplatz, die kasse und meine blauen müllsäcke.” (wirres)

Freue mich über Euer Feedback, Eure Kritik, Eure Verbesserungsvorschläge zur nächsten Ausstellung. Was habt Ihr erlebt, mitgehört, gedacht. Und sagt doch mal Bescheid, wenn Ihr auch noch Bilder bzw. Videos gemacht habt! Wir würden gerne in den kommenden Wochen/Monaten einen kleinen Katalog mit den Bildern und dem Video veröffentlichen. Und DANKE noch einmal an Just, Nicolette, Andreas, Jens, Patrick, Alexander, Alexandra, Anna, Steffi, Maja für den großartigen Support!

Save the date: PARASITES#2, die nächste subversive/illegale Ausstellung, kommt in drei/vier Monaten – einfach hier Mail eintragen – wir halten Euch auf dem Laufenden!

PARASITES #1: Encastrable – morgen!


Noch gibt es hier nicht viel zu sehen – das sieht morgen an genau diesen Stellen schon ganz anders aus…

Die Location für die erste Hamburger Guerilla-Ausstellung wurde gerade bekanntgegeben: “Es ist soweit: Die Vernissage mit dem französischen Duo Encastrable, Antoine Lejolivet und Paul Souviron, wird morgen,

SAMSTAG, 19. SEPTEMBER, AB 18 UHR IM BAUMARKT
MAX BAHR, JESSENSTRASSE 11, HAMBURG-ALTONA

stattfinden (hier eine Karte). Bitte seid pünktlich, wir wissen nicht, wie lange es dauern wird, bis wir wirklich rausfliegen. Und noch eine Bitte: Verhaltet Euch ganz normal und fotografiert diskret – wäre schade, wenn die Ausstellung frühzeitig abgebrochen werden muss. Am Eingang werden wir einen Plan mit den Standorten der Skulpturen verteilen und Euch natürlich herzlich begrüßen.

Und es gibt auch eine Afterparty! Das Frappant hat uns freundlicherweise Asyl angeboten! Zwei Gehminuten entfernt – einfach die Rampe auf der Rückseite benutzen – und nach der Vernissage in den 7. Stock kommen. Ab 20 Uhr gibt es die ersten Fotografien von der Aktion zu sehen, dazu Drinks, Musical Casse-Croute mit Slowme und eine Live-Performance von Tintin Patrone. Außerdem ist dort auch noch die Finissage der Ausstellung “Fufu Black” zu sehen.

ENCASTRABLE AFTERPARTY
SAMSTAG, 19. SEPTEMBER, AB 20 UHR
FRAPPANT, GROSSE BERGSTRASSE 174, HAMBURG-ALTONA

Bitte weiterleiten/weitersagen – wir freuen uns riesig auf Euch und sind gespannt auf die “Eigendynamik” der ersten Hamburger Guerilla-Ausstellung.” Via: Mail

PARASITES #1: Encastrable / Guerilla-Ausstellung in Hamburg

Gerade hat mich diese Pressemeldung zu einem neuen, subversiven Ausstellungsprojekt in Hamburg erreicht: PARASITES – illegal exhibitions.

Vernissage: Samstag, 19. September 2009, 18 Uhr (bis zum Rauswurf), in einem Hamburger Baumarkt – der genaue Ort wird 24 Stunden vorher via Mail, Twitter, SMS und Facebook bekannt gegeben.

Unendliche Rohstoffe und Möglichkeiten: Die französischen Künstler Antoine Lejolivet, 35, und Paul Souviron, 29, realisieren unter dem Pseudonym Encastrable (ich hatte übrigens hier auch schon mal über das Duo berichtet) temporäre Skulpturen illegal in Baumärkten. Zum Debüt der neuen Hamburger Ausstellungsreihe “PARASITES – illegal exhibitions” werden die beiden Bildhauer, ehemalige Studenten der Straßburger Kunsthochschule ESAD Straßburg, neue Installationen und Skulpturen in einem Hamburger Baumarkt präsentieren und zum ersten Mal eine Vernissage feiern (inklusive Schampus, Schnittchen und Führungen) – und das bis zum Rauswurf. Denn die Grundregel des Duos lautet: “Falls der Verkäufer eines Geschäfts uns eine offizielle Genehmigung erteilt, dann hören wir sofort damit auf.”

PARASITES präsentiert vier Mal im Jahr subversive Ausstellungen mit internationalen Künstlern in Hamburg. “Wir sind die Schweinegrippe der Kunstwelt”, erklärt der künstlerische Leiter Konrad Verwelkt. “Du kannst uns nicht entkommen, wir schleichen uns in das System, wir sind die Revolution auf Samtpfoten. Neue Räume für Off-Kultur schaffen? Wozu? Es gibt doch genug Räume – man muss sie sich nur nehmen! Street Art hat die Straße zur Galerie gemacht, wir machen die ganze Welt zu einer Ausstellung! Am 19. September sind wir in einem Baumarkt – aber morgen vielleicht schon in Deinem Wohnzimmer.”

“Die zeitgenössische Kunstszene langweilt uns: Der Off-Space ist zur Billigbier-und Partylocation verkommen, Galerien produzieren marktgerechte Flachware und Museen zeigen sowieso nur verstaubte Geschichte”, ergänzt Verwelkt. “Die Kunst hängt, liegt und steht – und der Betrachter schaut, gähnt und geht. Wo ist der Mut? Wo ist die Lust an Neuem, die Experimentierfreude, der Drang nach gesellschaftlicher Geltung und Veränderung? Wo sind bloß all die Utopien? Die Kunst muss endlich wieder raus! Aber wie soll sie denn wirken, hinter den Mauern, in den geschützen Biotopen und bewachten Tempeln, eingesperrt in Galerien und Museen? Die zeitgenössische Kunstszene gleicht einem elitärem und inzestiösem Gangbang unter Künstlern, Kuratoren und Kritikern.

PARASITES präsentiert dagegen kritische Kunst, Arbeitsbedingungen anprangert, sich gegen die Fetische der Kunstproduktion richtet, den Personenkult in der Kunst torpediert und elitäre Ausstellungspolitik kritisiert. Wir bringen die Kunst wieder unter das Volk, befreien sie aus ihrem bedeutungslosen Nischendasein, und infizieren und infiltieren dabei ungefragt und erbarmungslos alle privaten und öffentlichen Räume.” Am 19. September, um 18 Uhr, wird der nichtsahnende Baumarktkonsument also plötzlich mit Kunst konfrontiert. Wie wird er reagieren? Und wie werden die Mitarbeiter reagieren, wenn sie merken, dass ihr Baumarkt ohne ihr Einverständnis zu einer Kunstgalerie umfunktioniert wird? Überzeugen Sie sich selbst: Der genaue Ort wird 24 Stunden zuvor via Mail, SMS, Twitter und Facebook verbreitet. Anmeldung: info (at) para-sites.de

PARASITES ist ein radikales Experiment – und das Ergebnis ist offen. “Wir präsentieren vier Mal im Jahr subversive Kunst – und es geht dabei stets um Überraschungseffekte, Täuschungsmanöver und Desinformation, um Sabotage, Zweckentfremdung und Überidentifikation”, erklärt Konrad Verwelkt. “Und wir zeigen Kunst – bis wir vertrieben werden!”

Pressekontakt – mehr Bilder und Informationen:
Tim Kummer: info (at) para-sites.de

PARASITES wird unterstützt von: