
“Salt Pit“, 2010
Der US-Künstler und Geograf Trevor Paglen deckte Flugzeugentführungen von Terrorverdächtigen und eine komplette CIA-Infrastruktur voller Tarnfirmen, geheimen Operationen und gefälschten Identitäten auf, er fotografierte Spionagesatelliten und “Black Sites”, geheime Militärgefängnisse, die angeblich gar nicht existieren, und sammelte kryptische Aufnäher militärischer Sondereinheiten. 1974 in Maryland geboren, studierte Paglen zunächst Religionswissenschaft und Komposition in Berkeley, danach Kunst und Technologie in Chicago und promovierte 2008 in Geografie. Seitdem spürt er, von wissenschaftlichem Ehrgeiz getrieben, die letzten weißen Flecken auf Landkarten auf, hinterfragt den dokumentarischen Wert der Fotografie – und bekämpft dabei immer auch noch ein paar Mythen. Dieses Interview erschien erstmals im Oktober 2011 im Magazin “Opak“.
Alain Bieber: Es wäre schön, wenn nicht nur Prominente von Paparazzi verfolgt werden, sondern auch Regierungen, Politiker und das Militär, soll Julian Assange von Wikileaks gesagt haben. Sind Sie so eine Art CIA-Paparazzi?
Trevor Paglen: Paparazzi schaffen Bilder nur um der Bilder willen. Das interessiert mich nicht wirklich. Obwohl wir schon eine Gemeinsamkeit haben: Paparazzi gehen sehr weit, sie überschreiten Grenzen, um diese Bilder zu beschaffen. In diesem „Gonzo“-Stil ähneln wir uns vielleicht.
Was fasziniert Sie so an Geheimnissen und Mythen? Werden Sie von einem wissenschaftlichen Entdeckergeist in der Tradition von Alexander von Humbolt oder Galileo Galilei getrieben?
Meine Herangehensweise ist künstlerisch wie auch sozialwissenschaftlich. Mich interessieren vor allem zwei Fragestellungen: Wie funktionieren unterschiedliche Infrastrukturen von Geheimnissen? Ich möchte verstehen, wie geheime Infrastrukturen es schaffen, in der Welt zu existieren und was für Auswirkungen und auch Widersprüche für die Welt dabei entstehen. Das ist eher eine sozialwissenschaftliche Fragestellung. Und dann interessiert mich aber auch die Ästhetik von Geheimnissen. Das ist eher eine künstlerische Frage. Wie sehen Dinge eigentlich aus, von denen wir nichts wissen. Wie sehen die Grenzen unserer eigenen Wahrnehmung aus? Und wie entstehen diese Grenzen überhaupt? Das sind alles sehr alte, künstlerische Fragen, das geht zurück auf die antike Mythologie – und vielleicht sogar zurück bis zur Höhlenmalerei. Künstler haben immer versucht zu verstehen, was die Grenzen ihres eigenen Verstandes sind. Kunst gehörte immer schon zur Speerspitze, wenn es darum ging, solche Fragen zu stellen.
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