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EL SCHREIBT ÜBER GRAFFITI #6: “Graffiti als Soziales Medium”


Bild: Tags und Parole in Berlin

In unregelmässigen Abständen schreibt el für rebel:art eine Kolumne zum Thema Graffiti (#1: “Stylewriting und die globale soziale Plastik“; #2: “Alleine“, #3: “Mythos Writing“, #4: “An die Wände“, #5: “Gesichter und Buchstaben) – und hier folgt #6: “Graffiti als Soziales Medium”:

I. Urbanes Schreiben
Ein einzelnes Wort oder Name im Graffiti bildet Fragmente, die sich nicht zum Satz fügen, also mehr auf den Stil als auf die Bedeutung weisen, dies stellt teilweise einen Rückgriff auf die Buchstabenkunst vor der Drucktechnik dar. Parolen sind aber ebenfalls fragmentarisch als Elemente der politischen Debatte. Außerdem haben die Sätze selbst stilistische Elemente, und die Worte im Gegenzug auch eine Bedeutungsebene, auch wenn sie diffuser ist als der Slogan. In ihrem Abzielen auf Reaktion sind die Parolen weniger direkt als Styles. Sie fordern Aktivität, während die anderen versuchen Aktivität zu sein. Die Botschaften lassen die Annahme direkte Aktion zu sein hinter sich, die sich mit Graffiti noch als scheinbar ewige Inschrift, der Eingriff ins Eigentum, dem Adbusting oder generell gesagt der Intervention in den urbanen Kontext verbindet. Hinter dieser scheinbaren Unmittelbarkeit formt Style Writing eine Musik der Stadt, ihre abstrakte Sprache, und nicht auf etwas verweisend, sondern einer eigenen Systematik folgend.

Die Parolen im Gegenzug sind das Gedächtnis, sie archivieren, was jemand wollte. Wieder kann es vermischt und zusammengedacht werden: Styles sind das freiere und verspieltere Gedächtnis der Stadt. Wettbewerb und Abgrenzung werden betont, denn das zentrale Konzept neben Stil sind in Graffiti immer noch Namen und nicht zufällige Buchstaben. Und die Slogans, um es noch mal aus der anderen Richtung zu denken, werden selbst Poesie, sie fordern auch eine Musikalität ein, sie brauchen auch Stil um ihren Lesern Respekt entgegenzubringen. Grundsätzlich funktioniert Style Writing als eine Grenzüberschreitung von sozialen städtischen Regeln, Parolenschreiben als Agitation für politische Anliegen. Untergeordnet ihrer primären Funktionen ist Parolenschreiben wiederum Grenzüberschreibung und Style Writing auch Agitation: für freien künstlerischen Ausdruck. In dieser Gegenüberstellung von Gemeinsamkeiten, weder pure Propaganda noch vandalistische art pour l’art zu, sondern künstlerisches politisches Schreiben, dialoghafte und aufrührerische Buchstabenkunst,zu sein, stellen sich diese beiden Formen als soziale Medien dar.

II. Soziale Medienrevolte
Der Begriff der Sozialen Medien spielte eine große Rolle in der Zuschreibung an die Nordafrikanischen Aufstände, zentrale Triebkraft durch Onlineplattformen wie Twitter und Facebook erhalten zu haben. Das ist natürlich problematisch, weil das Anliegen des Protests sicher eher städtischer Aktivismus statt Internetaktivismus war, ganz richtig wurde die Zuschreibung also auch oft kritisiert. Doch andererseits waren Computer und Mobiltelefone wichtig für diese Proteste, so scheint die oberflächliche Identifikation mit den Werkzeugen, die ihnen ihre wirkungsvolle Kommunikation ermöglichte teilweise gerechtfertigt. Daneben wurden Graffiti und andere traditionelle Medien wie Flugblätter genutzt, um die zu erreichen, die an den online Versammlungen nicht teilnehmen konnten. Hier wurde auch wieder der künstlerische Stil der Botschaften sehr relevant, wie Graffitiaktivisten in Interviews betonten.

Wenn wir über soziale Medien in diesem Zusammenhang reden, sollte uns eher dieser Prozess interessieren: wie Mitteilungen sich in der Öffentlichkeit bewegen, den Protest antreiben und strukturieren. Auch um nicht den Umsturz auf Skandal und Wut, auf die anheizenden Themen, und spektakuläre Aktionen zu reduzieren, sondern den Blick auf das Kleine zu lenken, die neuen Formen des Miteinander-zu-tun-habens. Die Beispiele von der Nutzung sozialer Medien sind dann nicht Beweis für die Bedeutung von spezifischer Technologie, sondern eben Dokumente, die uns ein Verständnis der spezifischen Nutzung ermöglichen.

Die Erfahrungen dieser neuen Kommunikation und die beschriebenen Potentiale von Stil, fließen schon in neue Formen von Cybergraffiti, wo zu Denial of Service Attacken und der Einschleusung von Parolen mehr und mehr Aktionen mit einem Fokus auf künstlerischem Ausdruck treten. Daniel Feral hat hierfür den Begriff des Tackers eingeführt, und ein Beispiel wäre die Initiative fbresistance.com, die eben nicht die Seite Facebook lahm legen will, sondern Techniken verbreitet, sie sich künstlerisch zu eigen zu machen. Graffiti kann also nicht nur als passend in das Konzept des sozialen Mediums beschreiben werden, sondern es ist auch ein Rückwirken in das digitale Äquivalent von Graffiti zu beobachten, innerhalb einer engeren Definition von Sozialen Medien als Technologien digitaler Kommunikation.

Trainwriting + fire extinguisher graffiti + nudity = A.activites: “Love and Security”

Eine U-Bahn, mit Farbe gefüllte Feuerlöscher und ein paar nackte Körper – und fertig ist diese großartige, erotische Graffiti-Performance! A.activites mit “Love and Security”. EPIC! Via: Mail

Backjumps-Blockfestival: “Rock the Block” – 2/3. Oktober, Kreuzberg!

Yeah, Mr. Backjumps höchstpersönlich, Adrian Nabi, lädt ein zum Blockfestival “Rock the Block” (2/3.10, Kreuzberg) – das Line-Up sieht nach “Event des Jahres” aus”. Wäre gerne dabei – rockt den Block, mesdames et messieurs! “Unter dem Titel „Rock the Block“ veranstaltet Backjumps ein interdisziplinäres Blockfestival im Zentrum Kreuzbergs. Im Häuserblock Skalitzer-, Adalbert-, Oranien und Mariannenstraße präsentieren sich am 2. und 3. Oktober zahlreiche Berliner KünstlerInnen an verschiedenen Orten und bei Veranstaltungen im Innen- und Außenraum. Das zweitägige Festival wird im Straßenblock einen Parkour voller Ereignisse schaffen. Die eingebundenen Ateliers, Innenhöfe, Hauswände, Bars und Galerien bilden ein Programm aus Performances, Ausstellungen sowie Musik und Tanz. Weiterhin beinhaltet das Angebot Workshops für Kinder und Jugendliche, eine Rollschuhdisko, Schachbox, Ghettowrestling-Showkämpfe und einen Flohmarkt. Mit dem zweitägigen Festival versucht Backjumps den Block als lebendigen und vielfältigen urbanen Organismus erlebbar zu machen. Der Kurator Adrian Nabi (Berlin, 1970), der diesen Kiez seit zwölf Jahren sein zu Hause nennt, betrieb bereits 1994 das Graffiti Magazin Backjumps und formte es von hier aus in enger Zusammenarbeit mit dem Kunstraum Kreuzberg/Bethanien in eine europaweit führende Ausstellung für Straßenkunst. Backjumps – The Live Issue prägte 2003 direkt mit der ersten Ausgabe den internationalen Ruf Kreuzbergs als kreatives Zentrum mit. Als eine der ersten in Kontinental-Europa zeigte die Ausstellung Positionen von heute tonangebenden Künstlern wie, Banksy, Shepard Fairey und Swoon im öffentlichen Raum und inspirierte dabei eine Generation von Straßenkünstlern. Mit „Rock the Block“ geht Nabi einen Schritt weiter und inszeniert den Block als stringent verknüpftes Happening.”

KünstlerInnen: 1UP, AKV Berlin, Amigo, Amok, Anna Szaflarski, Arunski & Poet, Aram Bartholl, Beatbox Battle Allstars, Brad Downey, Bronco, Chess Boxing Club Berlin e.V., Chris Sugrue, Christian Marien, Constanze Haas, D TAGNO, Daniel Wang, Dave the Chimp, Dejoe, Deko, Der tote General, Egoshooter, Emess, Evan Roth, Flavie Guerrand, Florian Goldmann, Frieder Klaris, Giò Di Sera, Gogoplata, Golan Levin, Graffitimuseum Berlin, Graffiti Research Lab Berlin, Inka, Jamie Wilkinson, Jazoo Yang, Jérome Fino, Kanta Kimura, DJ Kaos, KATSU, Marius Schmidt, Markus Butkereit, Matthias Wermke & Mischa Leinkauf, Max Stocklosa, Lena Brumby, Marc FM, M.Thorn, Migel, Mode2, Nomad, Peter Reiling, Phos4, Pierre Etienne Morelle, Partick Fabian Panette, Pauline Izumi Colin, Pigenius Cave, Pipslab, Quentin, Ritsche Koch, Rok, Rollers Inc., Sebastian Haslauesr, Superblast, The Wa, Theo Watson, Thomas Janitzky, Various & Gould, Velo Tramp, Ven, Zast, Zigan Aldi. Via: Mail

Graffiti-Spirograph: Narcelio Gruds “Spiral”

Der brasilianische Künstler Narcélio Grud hat weitere “Experience tools graffiti” entwickelt. Mehr auch hier & hier. Via: Mail, thx!

Und sonst so? : 09. 01. 12


Foto: e1000 ink. Via

* A tous mes amis français: lecture obligatoire! Le “Manuel de communication-guérilla” d´Autonome a.f.r.i.k.a. gruppe! En plus c´est gratuit

* “East Van Porn Collective“: “Eine Gruppe von Freund_innen aus Vancouver in Kanada wollte einen Dokumentarfilm über ihr anarcho-feministisches Pornokollektiv drehen. Sie hatten nur ein einziges Problem: Dieses Kollektiv gab es gar nicht. Es entstand erst aus der Idee, diesen Film zu drehen und entwickelte sich während der Dreharbeiten zu dem, was es am Ende sein wollte. Was ist aus diesem Film geworden? Ein Dokumentarfilm? Ein fiktionales Drama? Selbst die Beteiligten wissen das nicht mehr so genau.” Via

* Vernissage: 27. Januar, 19 – 21 Uhr: Eröffnung + Book-ReleaseAram Bartholl” in der DAM Galerie Berlin

* UVB-76 Live Stream: “Seit Jahrzehnten sendet eine Funkstation im tiefsten Russland mysteriöse Signale. Spionage? Raketentechnik? Aliens? Kein Mensch kann erklären, was sie bedeuten – aber mittlerweile hören Hunderttausende auf der ganzen Welt zu”. Via: SZ-Magazin

* Buchtipp: “Next Nature“. “Today, the human impact on our planet cannot be underestimated. Climate change, synthetic biology, mass urbanization – ‘We were here’ echoes all over. Although many people have tried to improve our relationship with nature, only few have asked the elementary question ‘what is nature?’” Via

* Buchtipp II: “Art & Activism in the Age of Globalization“. “In a time of globalization, populism, hypercapitalism, migration, War on Terror, and global warming, artistic engagement is vital. Art and Activism in the Age of Globalization takes the measure of contemporary activist art. What is the role of art and activism in the polarized, populist society of the spectacle? Art & Activism examines both the criticism of engagement as a mere pose and the need for cultural activism in today’s society.” Via

* SPAMM: Super Art Modern Museum – das neue Projekt des französischen Netzkünstlers Systaime. Mehr dazu auch hier (FR)… Via: Mail, merci Laurence!

* Graffiti-Propaganda: Artists 4 Israel. “As you may have read this week on Vandalog, the group Artists 4 Israel came to my school in Philadelphia last month and did some screwed up shit and tried to hide the true goals of their actions by painting a temporary mural.”

* Und “The Incredible Herrengedeck” mit ihrem Megahit “FDP” jetzt auch als Gangsta-Video. Via

* Filmtipp: The Noise of Cairo is an upcoming documentary about the Cairo art scene after the 2011 Egyptian revolution. Via

Just Taking Pictures


NYC 2010

Just hat sein Portfolio aktualisiert: “Bilder von 2007 – 2011. DAIM, BOXI, Armsrock, Faith47, Marc Jenkins, DOMA-Collective, BLU & JR, Victor ASH, TILT, Ben Eine und viele mehr”.

EL SCHREIBT ÜBER GRAFFITI #4: “An die Wände”


Bild: honest tag

In unregelmässigen Abständen schreibt el für rebel:art eine Kolumne zum Thema Graffiti (#1: “Stylewriting und die globale soziale Plastik“; #2: “Alleine“, #3: “Mythos Writing” und hier also #4: “An die Wände”:

Die Wände ummanteln kerkerhaft das, was sonstwo nicht ist, Freiheit in Sicherheit. Die Grenze zu allen anderen. Oder allgemeiner, es gibt eine Innenseite und eine Außenseite, und die Außenseite richtet sich immer an die Öffentlichkeit, ist Teil des öffentlichen Raums und schirmt ein funktionales Inneres ab. Von außen Andere, ganz leicht mit Farbe, schreiben den Namen frei hin, das symbolische Zeichen dessen was es nicht gibt, eines Alleinseins, das nicht gekerkert bleibt. Und im Stil der Buchstaben findet die Kunst am unerlaubten Ort statt. Werbeanlagen bis zu 0,50 Quadratmeter können vom Unternehmen ohne Genehmigung an der Fassade angebracht werden, solange sie nicht dem Straßenverkehrs-, Bau- und Wegerecht widersprechen. Die Fassaden sind nicht neutral, die Fassaden sind bunt und sprechen so viel. Stillos und respektlos stehen sie da und schreien uns an. Wird also das freie Beschriften einer Wand als gewalttätig verstanden, so kommt das daher, dass das Recht die Färbung der Wand mit der Zerstörung der Wand verbindet. Mit einer Kanonenkugel die Wand zum Privaten zu durchbrechen, gleicht dem Vorgang milimetertief Farbe in sie zu spritzen. Von drinnen sind die Färbungen nicht zu sehen, das eigentliche Private, das abgeschottete, ist in Frieden (ruhen) gelassen. Verwirrt ist nur der Markt der öffentlichen Aufmerksamkeit: Während die einen ihren Trieben folgen, und ihre Markierungen anbringen, kaufen die anderen Fläche und montieren von Hirnforschern und Psychologen optimierte – ihr habt die Wissenschaft verraten, euch gegen den Mensch gewandt – Texte und Bilder, die wiederum die Triebe ansprechen sollen, und eine Triebabfuhr im Massenkonsum, statt in der Einzelkreation bewirken sollen. Der Mensch soll sich nach Industrienorm reproduzieren, statt Künstler werden zu wollen.
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Akay: “Rainbow Warrior” aus der Serie “Instrument of mass destruction”

Nach dem “Robo Rainbow” hat Akay jetzt den “Rainbow Warrior” entwickelt – das neue “Instrument of mass destruction (complicated technical solution to aide in simple acts of vandalism)”. Mehr zu Akay auch hier. Via

Sebastian Haslauer: “do as much damage as you can”

#7: “do as much damage as you can” – die neue Performance von Sebastian Haslauer, aus der Serie “Ways to feel better“. Via

Update: Mobstr

Neue Arbeit von Mobstr: “67.324 million pounds of tax money is spent each year cleaning up graffiti. Painting on walls is bad and leads to harder crime.”