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Tag Graffiti

Katsu: “Drone Graffiti”

Noch in der Testphase, aber schon vielversprechend: “Drone Graffiti” von Katsu. “A lot of my work comes out of demonstrating and experimenting with different technologies for creative use. Basically, drones have lowered in cost enough that they are attainable, so I got my hands on some DJI Phantom 2s, and I have been experimenting with the idea of using drones to accomplish the same things that drones are beginning to be used for in broader society, but in this case for crime, vandalism, art. I really want to look into the way that a person and a drone could connect. I thought, I could go out into the city and spray paint using a drone wherever I wanted to, in basically unreachable spots and in unusable areas.” Mehr hier, via.

Fra Biancoshock: “Graffiti is a religion”


“Graffiti Puzzle”: “The wall shows a graffiti of one of the most historical Italian Crew: the VMD 70′S. The graffiti has been removed from the wall on which it was located and divided into so many pieces as a conceptual puzzle. “Graffiti Puzzle” is a tribute to the culture of the street and, at the same time, put the graffiti at the same level of Classic Art: one example are the typical paintings of Van Gogh often used for the puzzle.”


“Cornerstone, which is made ​​up of many small pieces of historical italian writers, wants to be the first symbolic stone of a subculture that is now so ingrained in the collective imagination to become a real Culture.”


“Someone”: “This work is realized with a portion of the collection of Graffiti that I’ve collected in 18 months on the streets of Italy. The communicative intent is to give importance to the artwork and not to its author. Although this is a provocation depriving Graffiti of the tag of the writers, the work is a tribute to the movement: this Culture is done by many people, and thanks to all that “someone” discovers his true nature.”


“Come to see my graffiti collection”: “More than 200 samples from some of pieces of Italian writers. The samples were taken from the walls already chipped. The culture of graffiti here is treated like any other theme in the history of humanity. The act of collecting samples makes this Culture immortal and precious.”

In seiner neuen Serie “Graffiti is a religion” hat sich der italienische Künstler Fra Biancoshock mit der Graffiti-Geschichte beschäftigt und thematisiert in seinen Arbeiten Archivierung, Dokumentation und den “Kult” selbst. Via: Mail, grazie!

Justin Bieber: der nächste Rooftop King?

Ich glaube bald ist Evan Roth seinen Titel als “Bad Ass Mother Fucker” los – denn jetzt kommt Justin Bieber! Und zwar ist Bieber jetzt auch Graffiti-Sprüher geworden bzw. scheint dies seine neue Freizeitbeschäftigung auf Tour zu sein, schon in Brasilien, Australien und Kolumbien hat Bieber die Hotelwände “verschönert”. Seine Lieblingsmotive sind scheinbar irgendwelche Tiere und Botschaften wie “RIP PAC” (sein verstorbener Hamster, nach Tupac Shakur benannt). Und wer hat´s verschuldet? Bestimmt rebel:art – Biebers daily dose of graffiti inspiration!

Und sonst so? : 13. 11. 2013


“Auf dem Holzweg sein” – die Redewendung in der Realität umgesetzt? Kunst, Photoshop oder “Versehen”? Scheinbar ein Schnappschuß aus Russland, aber es gibt auch eine historische Vorlage: Ein Gemälde von Max Liebermann.

* Pflichtlektüre: The F.A.T. Manual (Available online for free + Print on Demand Edition)

* Guter Essay: Art Criticism in the Age of Yelp

* Buchtipp I: “Top Secret: Images from the Stasi Archives” von Simon Menner

* Buchtipp II: “Street Art-Karrieren” von Heike Derwanz ist erschienen – hier eine erste Besprechung

* Virtuelle Botschaften an seine Stadt (bzw. Wunschstadt) hinterlassen: DearCity! Via

* How To create a Fake-Identity for Art in the Deep Web. Via

* “Border Check“, a software that lays out the physical and political realities behind the internet. Via

* Love it: Minigolf auf einem Parkplatz

* Rethinking the relationship between art and the new media: Post Digital Cultures, Symposium, 6-7.12., Lausanne

* Nicht verpassen: transmediale 2014 afterglow findet vom 29. Januar bis 2. Februar 2014 im Haus der Kulturen der Welt in Berlin statt

* Kostenlose Graffiti-App der Schirn (mit Video-Interviews von Herbert Baglione, Gais, Rimon Guimarães, Jana Joana &Vitché, Nunca, Onesto, Alexandre Orion, Speto, Fefe Talavera, Tinho, Zezão)

* Coming soon: Graffiti-Porträts von Norman Behrendt “Burning down the house“. Bald bei Seltmann & Söhne.

EL SCHREIBT ÜBER GRAFFITI #8: “Silberne Buchstaben in goldenem Licht”

In unregelmässigen Abständen schreibt el für rebel:art eine Kolumne zum Thema Graffiti (#1: “Stylewriting und die globale soziale Plastik”; #2: “Alleine“, #3: “Mythos Writing“, #4: “An die Wände“, #5: “Gesichter und Buchstaben, #6: “Graffiti als Soziales Medium”), #7: “Graffiti und Gentrifizierung” und hier folgt #8: “Silberne Buchstaben in goldenem Licht”:

Ich ertappe mich manchmal dabei, Kratzbuchstaben einfach toll zu finden, weil alle sie hassen. So ein beschützender Reflex. So ein ritterliches Dazwischengehen, während alle rufen “Auf den Scheiterhaufen mit den Scheibenkratzern”, trocken zu erwidern: “Lassen sie mich durch, ich bin Kunsthistoriker, ich habe hier einen Essay bei mir, der ihnen nahe legt diese Kratzbuchstaben nicht als die übelste, gemeinste, sich ins Bild drängende Frechheit, brutal, gemeingefährlich, nur übertroffen von Ätzbuchstaben die mit Flursäure gemacht wurden und die darauf warten dass sie jemand anfasst und sich diejenige Person dann verätzt, zu betrachten, sondern sie einlädt, sich ganz geruhsam zurückzulehnen in den dahingleitenden öffentlichen Verkersmitteln: Draußen rauscht der Dschungel der Stadt vorbei, der Blick oszilliert und zwischen ihnen und dem Gewirr des Betons und des Grüns, zum Glühen gebracht durch die Sonnenstrahlen, sehen sie Kratzbuchstaben im Glas, silberne Buchstaben in goldenem Licht.”

Sie sind zart und leicht wie Spinnweben, eine ganz eigene Form, abgegrenzt von den ausstaffierten Buchstaben in der ganzen Stadt und von den bonbonfarbenen aufgeplusterten Sprühbildern, die manchmal kaum noch den Buchstabenstil erkennen lassen, so sehr ist er in der Dekoration untergegangen. Sicher gibt es grandios tanzende Buchstabengruppen an den Wänden zu sehen, Schriftzüge die einen unwiderstehlichen Groove innehaben, doch sind auch solche zu sehen, die eben nicht funktionieren würden ohne das bunte Kleid und allerlei Schatten, überstrahlende Lichteffekte und Pfeile, Wolken und sonstiges Tragwerk. Es ist eine Herausforderung es ohne alle Dekoration hinzubekommen, zurück zu den Wurzeln, zur lebhaften Energie der Handschrift. So wie in den Tags. Die Kratzbuchstaben sind aber noch reduzierter als die geschriebenen Tags, die ihnen ja noch am ähnlichsten wären, denn sie haben keine Farbigkeit. Sie erinnern mich an grelle weiße Neonbuchstaben oder auch die wilden Lichtbilder von Picasso. Sie sind nur in das Glas gegeben, als Brechung der Oberfläche. Pur, eine Hand hat Linien gezogen, im Dunkeln vielleicht, und wir als Betrachter fangen die Lichtreflexe am Tag.

Die Kratzbuchstaben sind fragil und doch fest. Hinter ihnen zieht das in der Durchreise flüchtige Chaos der Stadt vorbei oder das Rauschen der Bäume. Sie sind im Fenster, und damit sind sie in einem Nichts, in einem leeren Zwischenraum. So wie Graffiti aus Flächen Bilder macht, hängen die Kratzbuchstaben sich in das Nichts und machen ein Bild im Nichts. Sie fallen aus der Zeit, sind wüste mikroskopische Verwurzelungen in der großen schnellen Bewegung des Nahverkehrs. Sie stören die Computergeneration wie Flecken auf dem Bildschirm. Ich frage mich manchmal wer sie wirklich liest. Da ich recht viel zu allen möglichen Zeiten Bahn fahre, merke ich schon, wie stark sie Teil des Bahnlebens sind. Ein älterer Herr in Berlin Neukölln klappt nachts sein Taschenmesser auf und kratzt versonnen etwas in die das Fensterglas schützende Folie. Ein Vorschulkind fragt seinen Papa wie die das machen mit diesen Buchstaben und er erzählt was von Schraubenziehern. Kann sogar sein, denn seit der Einführung dieser transparenten Folien in der S-Bahn und denen mit dem frech perspektivisch falschen Brandenburger Tor in der U-Bahn, ist es eh viel einfacher geworden die Oberfläche zu brechen, Plastik kratzt sich leichter als hartes Glas.

Die Technik fordert durch ihre Deutlichkeit und Klarheit die kalligrafischen Fähigkeiten eines Taggers heraus, eigentlich. Und doch werden sie vielfach viel gröber und das Schriftbild weniger elegant als die gesprühten Straßentags. Weil die Sprühdose nicht aufsetzt und mit mehr gestischer Leichtigkeit schreiben kann als jeder Pinsel, und die Kratzwerkzeuge nicht auf dem Glas gleiten wie ein Marker, sondern sich hineinfressen müssen. Die schleifenden Werkzeuge, zu erkennen an der Breite der Buchstaben, die teilweise eine plastische Wirkung hervorruft (wie unten als Beispiel in einem Ausschnitt eines KS Scratchings zu sehen), scheinen gegenüber den spitzen kratzenden Werkzeugen einen gestalterischen Vorteil zu bringen, einen leichteren Schreibfluss zu ermöglichen.

Jedenfalls dachte ich vor einigen Jahren, dass ich diese Buchstaben dokumentieren will, denn, wie gesagt, sie sind von einer bedrängenden Klarheit, einer filigranen Reduziertheit, einem kalligrafischen Glanz, der so losgelöst im Nichts schimmert. Sie sind nicht so einfach zu fotografieren, alles rumpelt und wackelt, und die Züge sind voll mit Publikum das vor den Schriftzügen sitzt und auf deren Gesichtern die Buchstaben als Schatten stehen. Und welches Bild könnte ihnen überhaupt gerecht werden, wie sie vor immer wechselnder sich bewegender Kulisse durch die Gegend fahren? Am Ende hab ich sie ganz unmittelbar aufgenommen, wie sie blind zu betasten, von der Umgebung zu abstrahieren, sie im Nichts des Glases zu erfassen. Ich habe sie mit einem Handscanner eingelesen, sie sind nun da im Schwarz des Tunnels oder der Nacht, springen einen ganz alleine an, so wie sie es leicht und unscheinbar im Alltag eigentlich nicht tun. Sie einzuscannen, oder zu fotografieren würdigt einen Aspekt an ihnen, den Aspekt der reduzierten dekorationslosen Graffitischrift, und streicht andere Aspekte, wie beispielsweise des Verhältnisses zum Trägermedium Glas, eher durch, dieses ist nur noch ein schwarzer Pixelbrei den die Kratbuchstaben durchpflügen. Es ist ein genaues Hinsehen auf die Buchstaben, es wirkt wie eine Vergrößerung – auch wenn die Schriftzüge wirklich meist in die Scannerbreite passen – es ist eine Isolierung, eine Stilstudie. Das wollte ich noch kurz zeigen:

Update: Mathieu Tremblin


“UPO (Unidentified Painted Object)”, 2013, Arles & Eindhoven


“Copying Van Gogh”, 2013, Brüssel


“Tremblin & Co”, 2013

Neue Arbeiten von Mathieu Tremblin.

EL SCHREIBT ÜBER GRAFFITI #7: “Graffiti und Gentrifizierung”


Bild: Hauseingang in Berlin Neukölln

In unregelmässigen Abständen schreibt el für rebel:art eine Kolumne zum Thema Graffiti (#1: “Stylewriting und die globale soziale Plastik“; #2: “Alleine“, #3: “Mythos Writing“, #4: “An die Wände“, #5: “Gesichter und Buchstaben, #6: “Graffiti als Soziales Medium”) – und hier folgt #7: “Graffiti und Gentrifizierung”:

In dem Prozess der Vermarktung von Vierteln wird Graffiti oft eine nützliche Rolle zugeschrieben. Grob gesagt, gefragtes Dekor zu sein, zur Steigerung der Attraktivität der Wohngegend für die Kreativbranche. Aber nur zu einem bestimmten Punkt, an dem dann selektiv überstrichen wird und einzelnes auf Leinwände gehoben wird. Bei der Frage von abgegrenzten Vierteln wären gleich am Anfang besprühte Züge interessant, da die Züge ja über die Viertelgrenzen hinweg fahren und damit Abschottungen und die genannten Auswahlprozesse was denn nun lokal willkommene Wandbilder sind unterwandern. Auch generell wandert Graffiti ja, die Spots werden bereist.

Aber allgemeiner. Wichtig für solche auf Oberflächlichkeit gründenden (Kapital-) Aufwertungsprozesse ist das Stadtbild. Im Speziellen wenn wir über Stadtveränderung sprechen: das Bild, das die Aufwertungsakteure von dem Prozess in dem sie sich befinden haben. Dabei machen sie sich auch ein Bild der im Stadtteil präsenten Subkultur. So kommt dann dieses Schema zustande, dass Graffiti als gleichzeitig Auf- und Abwertung verstanden wird: dekorativ die Hippness steigernd und auf der Ebene des Materials den Immobilienwert beschädigend.

Doch insgesamt ist das aber eher nur eine Behauptung, die getroffen wird durch die Aufwertungsregisseure (also Spekulationsfirmen und Stadtmarketingbüros), die sich halt erträumen die Oberfläche der Subkultur nutzbar machen zu können: also bunt-schmutzige Häuser billig kaufen und als angesagte Wohnungen teuer vermieten. Oberfläche heißt hier auch: eine existierende Bildlichkeit der Stadt wird zum oberflächlichen Stadtbild gemacht, statt die Buchstaben zu lesen und die Stile zu betrachten werden sie zum Dekor. Diese Vorstellung verbleibt bei einem rein marketingmäßigen Stadtbilds, in der Kultur und Subkultur nach ihrer wirtschaftlichen Nützlichkeit beurteilt wird.

Das Spannende, womit sich eben eine Kritik verbinden ließe, ist dass Graffiti selbst nicht in dieses Schema passt, sondern von seiner eigenen Form her einen Gegenentwurf darstellt: auf der einen Seite alternative Komponente einer jetzigen Stadt zu sein, also genau diese unhandliche Subkultur zu bleiben, die die Aufwertungsakteure versuchen nutzbar zu machen. Auf der anderen Seite aber Teil einer insgesamten Alternative zu sein, einer frei nutzbaren Stadt, eines unkontrollierten Schreibens.

Genau in der Mitte zwischen diesen zwei Tendenzen wird es interessant, wenn eben diese doppelte Alternative sich in das Stadtbild drängt, das die Aufwertungsakteure sich zurechtbasteln. Der Aufwertungsprozess will in eine Richtung fortschreiten (Wohneigentum das immer mehr wert wird) dafür kann er Graffiti teilweise brauchen, aber ziemlich schnell nicht mehr. Denn Graffiti stellt die Regie des Aufwertungsprozesses in Frage: Die Wände werden für freie Buchstaben genutzt, die Kontrolle über das Eigentum gerät aus den Händen des planmäßigen Aufwertungsprozesses, die zentrale Kontrolle der Besitzenden wird aufgeweicht, die Gegengeschichte wird sichtbar, zu der Graffiti (als kapitalwertlose und nutzlose und daher wirklich soziale Kunst) zu einem viel größeren Teil als zur Kapitalaufwertungsgeschichte gehört.

Grifters Code: Hamburg

“Grifters Code” – schöne Graffiti-Doku in Hamburg mit einem grandiosen “Tic Tac Toe”-Zug. Via/Via

Augmented Graffiti Reality: ZASD und PIPS:lab – “The Potator”

Noch in der Entwicklung, aber sicher schon bald auf der Straße: Ein Experiment im Bereich Augmented Reality von ZASD aka. Thomas Bratzke und Keez Duyves von PIPS:lab aus Amsterdam. Via: Mail, thx!

EL SCHREIBT ÜBER GRAFFITI #6: “Graffiti als Soziales Medium”


Bild: Tags und Parole in Berlin

In unregelmässigen Abständen schreibt el für rebel:art eine Kolumne zum Thema Graffiti (#1: “Stylewriting und die globale soziale Plastik“; #2: “Alleine“, #3: “Mythos Writing“, #4: “An die Wände“, #5: “Gesichter und Buchstaben) – und hier folgt #6: “Graffiti als Soziales Medium”:

I. Urbanes Schreiben
Ein einzelnes Wort oder Name im Graffiti bildet Fragmente, die sich nicht zum Satz fügen, also mehr auf den Stil als auf die Bedeutung weisen, dies stellt teilweise einen Rückgriff auf die Buchstabenkunst vor der Drucktechnik dar. Parolen sind aber ebenfalls fragmentarisch als Elemente der politischen Debatte. Außerdem haben die Sätze selbst stilistische Elemente, und die Worte im Gegenzug auch eine Bedeutungsebene, auch wenn sie diffuser ist als der Slogan. In ihrem Abzielen auf Reaktion sind die Parolen weniger direkt als Styles. Sie fordern Aktivität, während die anderen versuchen Aktivität zu sein. Die Botschaften lassen die Annahme direkte Aktion zu sein hinter sich, die sich mit Graffiti noch als scheinbar ewige Inschrift, der Eingriff ins Eigentum, dem Adbusting oder generell gesagt der Intervention in den urbanen Kontext verbindet. Hinter dieser scheinbaren Unmittelbarkeit formt Style Writing eine Musik der Stadt, ihre abstrakte Sprache, und nicht auf etwas verweisend, sondern einer eigenen Systematik folgend.

Die Parolen im Gegenzug sind das Gedächtnis, sie archivieren, was jemand wollte. Wieder kann es vermischt und zusammengedacht werden: Styles sind das freiere und verspieltere Gedächtnis der Stadt. Wettbewerb und Abgrenzung werden betont, denn das zentrale Konzept neben Stil sind in Graffiti immer noch Namen und nicht zufällige Buchstaben. Und die Slogans, um es noch mal aus der anderen Richtung zu denken, werden selbst Poesie, sie fordern auch eine Musikalität ein, sie brauchen auch Stil um ihren Lesern Respekt entgegenzubringen. Grundsätzlich funktioniert Style Writing als eine Grenzüberschreitung von sozialen städtischen Regeln, Parolenschreiben als Agitation für politische Anliegen. Untergeordnet ihrer primären Funktionen ist Parolenschreiben wiederum Grenzüberschreibung und Style Writing auch Agitation: für freien künstlerischen Ausdruck. In dieser Gegenüberstellung von Gemeinsamkeiten, weder pure Propaganda noch vandalistische art pour l’art zu, sondern künstlerisches politisches Schreiben, dialoghafte und aufrührerische Buchstabenkunst,zu sein, stellen sich diese beiden Formen als soziale Medien dar.

II. Soziale Medienrevolte
Der Begriff der Sozialen Medien spielte eine große Rolle in der Zuschreibung an die Nordafrikanischen Aufstände, zentrale Triebkraft durch Onlineplattformen wie Twitter und Facebook erhalten zu haben. Das ist natürlich problematisch, weil das Anliegen des Protests sicher eher städtischer Aktivismus statt Internetaktivismus war, ganz richtig wurde die Zuschreibung also auch oft kritisiert. Doch andererseits waren Computer und Mobiltelefone wichtig für diese Proteste, so scheint die oberflächliche Identifikation mit den Werkzeugen, die ihnen ihre wirkungsvolle Kommunikation ermöglichte teilweise gerechtfertigt. Daneben wurden Graffiti und andere traditionelle Medien wie Flugblätter genutzt, um die zu erreichen, die an den online Versammlungen nicht teilnehmen konnten. Hier wurde auch wieder der künstlerische Stil der Botschaften sehr relevant, wie Graffitiaktivisten in Interviews betonten.

Wenn wir über soziale Medien in diesem Zusammenhang reden, sollte uns eher dieser Prozess interessieren: wie Mitteilungen sich in der Öffentlichkeit bewegen, den Protest antreiben und strukturieren. Auch um nicht den Umsturz auf Skandal und Wut, auf die anheizenden Themen, und spektakuläre Aktionen zu reduzieren, sondern den Blick auf das Kleine zu lenken, die neuen Formen des Miteinander-zu-tun-habens. Die Beispiele von der Nutzung sozialer Medien sind dann nicht Beweis für die Bedeutung von spezifischer Technologie, sondern eben Dokumente, die uns ein Verständnis der spezifischen Nutzung ermöglichen.

Die Erfahrungen dieser neuen Kommunikation und die beschriebenen Potentiale von Stil, fließen schon in neue Formen von Cybergraffiti, wo zu Denial of Service Attacken und der Einschleusung von Parolen mehr und mehr Aktionen mit einem Fokus auf künstlerischem Ausdruck treten. Daniel Feral hat hierfür den Begriff des Tackers eingeführt, und ein Beispiel wäre die Initiative fbresistance.com, die eben nicht die Seite Facebook lahm legen will, sondern Techniken verbreitet, sie sich künstlerisch zu eigen zu machen. Graffiti kann also nicht nur als passend in das Konzept des sozialen Mediums beschreiben werden, sondern es ist auch ein Rückwirken in das digitale Äquivalent von Graffiti zu beobachten, innerhalb einer engeren Definition von Sozialen Medien als Technologien digitaler Kommunikation.