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PARASITES#4: BRONCO “Street Art: Das Musical” – erste Bilder / UPDATE


Musical-Darsteller Valentino Karl spielt den “Street Artist”. Die echte Journalistin Kathrin Schwiering spielt die Rolle der “Reporterin” – kennt zu diesem Zeitpunkt aber auch noch nicht die letzte Szene mit den (falschen) Zivilpolizisten. Alles Fotos: Just


Zur Crew des “Street Artist” gehört auch 1010 (gespielt von 1010) - der im Hintergrund, quasi als Bühnenbild, werkelt…


Maske ab – und der erste Song beginnt: “So ging ich auf die Straße, Nacht für Nacht, und hab Poster und Sticker und Stencils angebracht! Die ersten waren nicht so toll, andre wurden abgemacht! Man nahm mich, glaub ich, nicht für voll und da hab ich nachgedacht. Kunst kann eine Waffe sein, gemacht um euch zu formen. Sie kann euch Fragen stellen und sprengt diverse Normen. Ich riskier’ jetzt Menschenleben, um der Dummheit hier zu trotzen. Hätte ich dies’ Ventil nicht, müsste ich doch nonstop kotzen!”


Es folgt die zweite Szene: Ein “Trendscout/Werberin” (gespielt von Musical-Darstellerin Sonja Hurani) nähert sich dem Geschehen, gibt dem Künstler seine Visitenkarten und möchte mit ihm eine limitierte Turnschuh-Edition produzieren – und ihn “gaaaaanz groß raus bringen”…


“Du bist funky-interessant, zumindest im Moment, an der Zielgruppe dran und du hast Talent. / Und wenn du nicht mitmachst, wird’s für uns chilliger: wir kopieren deinen Style – ist eh viel billiger!”: Mit vollem Körpereinsatz versucht der Trendscout den Künstler zu bezirzen – und es funktioniert: Der Künstler erliegt dem Charisma (und Geld) der Werberin.


Den rund 150 Zuschauern scheint das Spektakel zu gefallen…


Doch als gerade der große Merchandising-Rummel beginnt – und der “Eismann” (gespielt von BRONCO) mit seinem Bauchladen Street-Art-Shirts, Street-Art-Getränke, Street-Art-Bücher und Street-Art-Graffitimarker verkauft – kommt die Polizei (gespielt von Schauspieler Samuel Enslin und Musical-Darstellerin Alisa Stolze) und unterbricht das Musical.


Der “Street Artist” wird durchsucht, der Trendscout befragt, die erstaunten Journalisten zeigen ihren Presseausweis – aber da die Polizei keinen politisch motivierten Strafbestand feststellen kann, gibt sie dem Künstler noch einen Tipp – und beginnt mit dem Abschlußsong (“Street Art” statt “Street Life”):


Polizist 1: “That´s how this game is played, a ten cent masquerade! You develop your style and find out who you are!” Polizist 2: “The artworld always smiles behind a silver spoon.”

Erste Bilder von der vorerst letzten Aktion der Ausstellungsreihe PARASITES: Am Samstag wurde in der Hamburger Sternschanze zum ersten Mal das Stück “Street Art: Das Musical” von BRONCO aufgeführt. Das Original-Script wurde auf drei Szenen reduziert: Eine “Reporterin” (Kathrin Schwiering) interviewt einen “Street Artist” (Valentino Karl) und seine Crew (1010) im hippen Stadtviertel (Sternschanze). Sie stellt die üblichen banalen Fragen à la “Kunst vs. Vandalismus” – daraufhin singt der Street Artist seine Lebensgeschichte. Ein hipper “Trendscout” (Sonja Hurani) kommt hinzu und möchte den Künstler für einen “costumized” Turnschuh und eine Marketing-Kampagne gewinnen. Das verführerische Werben gipfelt dann in einer großen Sellout-Performance, bei der ein “Eismann” (BRONCO) Street-Art-Shirts, Sprühdosen, Marker und Erfrischungen mit einem Bauchladen verkauft. Diese Szene wird von verwirrten Zivilpolizisten (Samuel Enslin und Alisa Stolze) unterbrochen, die einen Verantworlichen suchen, die Künstler durchsuchen und festnehmen wollen. Da die Polizei aber keinen politisch motivierten Strafbestand feststellen kann, gibt sie dem Künstler noch einen Tipp: das große Abschlusslied “Street Art” – bei dem dann auch der Street Artist und der Trendscout fröhlich mitsingen.

Noch einmal ein ganz herzliches Dankeschön an alle Beteiligten! An das wunderbare Ensemble: Valentino Karl, Sonja Hurani, Alisa Stolze, Samuel Enslin, 1010, BRONCO, Kathrin Schwiering, Ingo und Florian (Kameramann und Tontechniker). Die Choreografie hat sich Marisa Krieg ausgedacht, inszeniert haben Anna Bartel und Samuel Enslin (Reckless Factory). Und um die Dokumentation haben sich Moritz Herda (Video) und JUST (Fotografie) gekümmert. Danke auch an die Ausstatter für die Sell-Out-Performance: Spreadshirt, Montana Cans und Berliner Brandstifter. Wer sich die Reportage der “richtigen” Journalistin anschauen möchte – sie läuft schon morgen, Dienstag, 21. September, um 22.25 Uhr auf 3Sat (Foyer). Mehr Bilder und das Video folgen demnächst…

UPDATE 22.9: Mehr Bilder von urbanshit gibt’s hier! UPDATE 24.9: Der Mitschnitt aus der 3Sat-Sendung “Foyer” ist da, danke, Rudolf!

Comments

7 Comments so far. Leave a comment below.
  1. Ja, Kompliment! Bekomme bei den Bildern regelrecht Heimweh. Hätte Galao und Törtchen von dem kleinen Portugiesen neben der Brücke empfohlen. Gute Aktion jedenfalls.

  2. bitte,

    was soll dieser durchgeplante “radical chic”,
    mehr als der durchaus lyrische kommmmentar:
    “Ja, Kompliment! Bekomme bei den Bildern regelrecht Heimweh. Hätte Galao und Törtchen von dem kleinen Portugiesen neben der Brücke empfohlen. Gute Aktion jedenfalls.”
    verdient diese systemimmanente verabaldiarröh nicht.
    Wie lange dauert es eigentlich noch bis der macher dieses blogs die documenta kuratieren darf.

    “mein herz liegt sabbernd auf dem heck”

    ich kann beim besten willen nichts rebellisches, geschweige denn nachhaltiges künstlerisches erkennen. – puff, weg is es-
    sell out.
    gute nacht! aber erst nach dem beitrag auf drei sat.
    einfach mal zu den zwangsverhältnissen stehen in denen man agiert
    und daraus eine wunderbar zerstörerische energie entwickeln, die eines tages ausbricht und alles vergessen macht. (geht bitte doch gleich in die werbung oder, …)
    bronco ist schlimmer als eure 68′er eltern.

    wartend, bis ihr aus euren gemüseregalen aufwacht und mitgenommen werdet, grüsst in hoffung die revolution, …

  3. *A,

    @ die revolution: Ok, ok, wahrscheinlich ist das wirklich mehr Spektakel als Spektakel-Kritik; aber bitte mal konstruktiv: Welche Künstler/innen sollte ich denn Deiner Meinung nach für das Ausstellungsprojekt http://www.para-sites.de/ einladen, die wirklich radikal und revolutionär sind?

  4. Die Revolution beschwert sich hinterher doch immer! ;)

    Ich finde es jedenfalls super, daß Bronco und sein Team den Versuch gewagt haben, Subversion und Unterhaltung in dieser Form zu verschmelzen. Und ja, natürlich verschmalzen sie es dabei auch etwas, aber hey, es geht hier (zumindest vordergründig) um ein Musical! Da muß ganz selbstverständlich ne gehörige Portion Schmalz dabei sein, sonst funktioniert das am Ende nicht! Daß 3Sat das ganze dann dermaßen auf der Gentrifizierungs-Flamme hochkocht, ist natürlich sehr reißerisch und geht am Stück selbst völlig vorbei.

    Zur Frage des Rebellischen: Wer Broncos Arbeiten kennt, weiß, daß er sein angebliches Rebellentum ständig selber demontiert. Wenn er hier mit “radical chic” herumwerkelt, dann macht er das augenzwinkernd wie ein Clown und umgeht damit manch andere Posen und Klischees, in denen es sich viele “Radikale” gemütlich machen ohne es zu merken.

    Aber klar, als Clown macht er sich natürlich angreifbar. Ich bin jedenfalls gespannt, wie er weitermachen wird nach diesem ersten Versuch!

    Um es mit den Beastie Boys zu sagen:
    It takes a second to wreck it
    It takes time to build

    P.S. Was bitte schön ist Galao???

  5. elster,

    Esther Schweins moderiert einen Beitrag gegen die böse, böse Gentrifizierung. Oh the irony…

    http://de.indymedia.org/2005/02/106015.shtml

  6. peter,

    das ist entweder doppelte ironie oder sehr peinlich.

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