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PARASITES#2: The Wa, “Switch Tense”, 2010

Fotos: Tim Holthöfer, danke!

Fotos: Christian Rinke, danke!

Mail von Bob Baster: “Am Samstag, 13. Februar, 14 Uhr, fand die zweite PARASITES-Ausstellung mit dem Berliner K√ľnstler The Wa in der Hamburger HafenCity statt. Der K√ľnstler hatte im Vorfeld Dutzende Demoplakate akribisch abgemalt, “Berufsspanner abw√§hlen” (Piratenpartei), “Wir sind China” (Zensurdebatte), “No pasar√°n” (dt. “Sie werden nicht durchkommen”; Schlachtruf der Spanischen Antifaschisten), “Deutsche Intifada” (Transparent der Autonomen Nationalisten), “Kein Kiez f√ľr Nazis” (Antifa-Slogan) oder “Break Out Of Control” (Antikapitalistischen Block), und diese dann in der HafenCity installiert. Die Kontextverschiebung war bemerkenswert: √úberraschte Touristen versuchten die Botschaft der angeblichen Demonstranten zu entschl√ľsseln und auch die Polizei (die nach rund 15 Minuten eintraf) lief irritiert und hilflos von Plakat zu Plakat, notierte sich die Botschaften und sa√ü danach beobachtend im Auto. Wie bei Demonstrationen wurde die Vernissage dann sofort einkesselt: Von der Hafenseite legte sich noch ein Polizeiboot auf die Lauer. Aber nichts geschah: Die rund 100 Besucher schauten sich friedlich, mit einem Bier in der Hand, eben wie in einer klassischen Ausstellungssituation, die gemalten Bilder an. Der Slogan-Remix wirkte in der monumentalen HafenCity-Kulisse wirklich absurd und paradox. Und die merkw√ľrdigste Reaktion darauf war dann auch: Ein Bewohner eines Hochhauses vor dem Platz erschien auf seinem Balkon in einem Spiderman-Kost√ľm und wedelte mit der deutschen Fahne! Kurz nach dem Aufbau verschwand der K√ľnstler dann in ein Obdachlosenzentrum auf St. Pauli und feierte dort mit den anwesenden Menschen die Er√∂ffnung: Es gab ein kostenloses Edel-Catering (Schnittchen mit R√§ucherlachs, Krabben, Putebrust, Roastbeef, Seranoschinken) und feinste Kartoffelsuppe f√ľr alle ‚Ästgesponsert vom Kochmagazin Effilee! Danke an alle Beteiligten f√ľr diese wunderbare Intervention!” Via: Mail, danke, Bob!

Comments

9 Comments so far. Leave a comment below.
  1. Alice,

    ‚ÄúDeutsche Intifada‚ÄĚ (Transparent der Autonomen Nationalisten) ??????
    hallo ?

  2. hendryk,

    Also ehrlich gesagt war der erste (√∂ffentliche) Teil der “Intervention” eher kalt und (bis auf Spiderman ;) ziemlich langweilig. Und auf die Suppe haben wir auch eine Stunde vergeblich gewartet… Ich hatte mir mehr erhofft.
    mfg
    Hendryk

  3. Hansi B.,

    Naja: “Deutsche Intifada‚ÄĚ ‚Äď gerade die Kombination mit solchen Slogans f√ľhren ja zu dem absurden Slogan-Babel und der fast schon komischen Kontextverschiebung… Und auch ich habe mir den Arsch abgefroren und irgendwann gedacht: Wahrscheinlich bin ich dem Streich auf dem Leim gegangen. Wir stehen in der K√§lte und es gibt billiges Lidl-Bier und der K√ľnstler feiert im Warmen mit den Obdachlosen und den Edel-H√§ppchen… Wahrscheinlich war das auch “part of the project”… Und ehrlich gesagt: Mehr passiert auf “normalen” Venissagen ja auch nicht…

  4. Steffen,

    Das sch√∂nste an diesen “subversiven” Ausstellungen/Projekten ist und bleibt ja die Reaktion der zuf√§llig anwesenden Passanten… Die offenen M√ľnder auf dem einen Bild sind gro√üartig!

  5. Congratulations, this is great! Reading the commentary above, i ask my self, what did some expect to happen? I mean, putting this important Messages in the public sphere is important in it self.

    There is no need to have animators to show people what to do, if they did not have a clue them selves.

    I am sorry i could not be there. Id like to meet Spiderman. Next time.

  6. hendryk,

    Also so besondere Reaktionen von den Passanten konnte ich jetzt nicht feststellen. Die meisten haben sich glaube ich so verhalten, wie sie es bei einer “normalen” Vernissage auch tun w√ľrden: kurz stehen bleiben, gucken, weitergehen und das ganze wieder vergessen…
    Und da in der Beschreibung von eine “spektakul√§ren Intervention” die Rede war, h√§tte ich schon erwartet, dass sich das ganze Projekt etwas vom Kunstalltag abhebt (bzw. diesen unterwandert). Parasites #1, zum Beispiel, erschien mir von der Bildern her um einiges frecher und auch spannender.

  7. inselfreundin,

    deutsche initifada? bonzen das auto anz√ľnden und “yuppies raus” rufen! so sieht es aus wenn die deutsche linke sich zusammenschlie√üt um “freir√§ume” zu schaffen.

    die hoffnung, dass k√ľnstler es besser wissen k√∂nnten, muss wohl aufgegeben werden, wenn ein solches transparent – dass man auch √ľbrigens bei jedem npd/freie kameradschaften/autonome nationalisten aufmarsch sehen k√∂nnte – so unwidersprochen stehen bleibt. da kann auch keine “kontextverschiebung” die anwesenheit des transpis rechtfertigen, sowenig es rechtfertigt das die anwesenden nichts dagegen unternommen haben.

  8. *A,

    @¬†inselfreundin: Ja, das muss kommentiert werden und da muss auch eine Reaktion erfolgen. Aber ich bin mir nicht sicher, ob das die Rolle des K√ľnstlers sein sollte, der ja vor allem eine Situation geschaffen hat. Au√üerdem ist der K√ľnstler ja auch kein Aktivist und “links”, sondern hat nur ein “linkes Setup” geschaffen…

    Eigentlich m√ľsste die Rolle des m√ľndigen Betrachters es ja dann sein, darauf zu reagieren. Jeder h√§tte Transparente nehmen k√∂nnen und zerschlagen, bemalen, interagieren o.√§. … Das w√§re bestimmt auch im Sinne des K√ľnstlers gewesen… Und gute Kunst provoziert eigentlich auch solche Reaktionen…

    Gar keine Reaktion zu zeigen, sich am Freibier zu laben und sich wie bei einer “normalen” Vernissage zu benehmen, ist nat√ľrlich schade, aber nicht die Schuld des K√ľnstlers… Ich glaube sogar, man ist dem inszenierten Schauplatz dabei dann eher auf den Leim gegangen… Aber immerhin hat ja ein Yuppie reagiert und sein Spidermankost√ľm angezogen und die deutsche Fahne gewedelt. Auch das eine interessante Reaktion…

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