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“Ist da Wer”: Kunstverein Wolfenbüttel


Lotte Lindner & Till Steinbrenner: “51°”. Das Künstlerduo wird die Bestuhlung in der barocken Trinitatiskirche in Wolfenbüttel um 51° südöstlich drehen, sodass die Gläubigen in Richtung Mekka schauen.

Vom 18. Juni bis 27. Juli findet ein großes Performance-Festival im Kunstverein Wolfenbüttel statt, u.a. mit a7.außeneinsatz / Mathieu Bohet / Léa Le Bricomte / Wanda Dubrau / Helene Hellmich & Veronica Wüst / Lotte Lindner & Till Steinbrenner / Lucie Mercadal / Marcel Sparmann / Stefanie Trojan / Mickaël Valet / Elizabeth Wurst. “Es kann ein Ruf sein, eine Vermutung. Ist da wer? Werde ich beobachtet? Was geschieht? Was erwartet mich? Performance operiert, spielt vielfach mit Erwartungen, mit sozialer Interaktion. Was passiert, wenn ungefragt einem Fremden mit den Händen ein Lächeln ins Gesicht geformt wird, wenn sich jemand auf einem Stuhl im öffentlichen Raum niederlässt und ein darunter liegender Körper ein reizendes Lied singt?

Das Performance-Projekt knüpft an die 2011 vom Kunstverein initiierte Reihe künstlerischer Interventionen im öffentlichen Raum der Stadt an. Das Projekt ist experimentell, setzt es doch, zumindest in Teilen, auf direkte Partizipation der Bewohner der Stadt. Ist da wer, der sich einlassen mag? Wahrnehmungen von Eingriffen und Reaktionen auf Eingriffe im öffentlichen Raum sind nicht in gleicher Weise planbar wie die Ausstellung mit Performancevideos. Die performativen Produktionen der jungen Künstler aus Deutschland, Frankreich, Chile und Peru, teilweise speziell für Wolfenbüttel entwickelt, nutzen unterschiedliche Bühnen: Bühnen des Alltags, d.h. öffentliche Räume wie Marktplatz oder Straßen, die Bühne des geschützten Kunstraums oder die Bühne des Lessingtheaters.” Via: Mail, thx, Frau Wurst.

Watchlist: Marlene Hausegger


“Igloo”, 2014: “Fünfundvierzig Außenkästen von Klimageräten der unterschiedlichsten Bauart zu einem mannshohen Iglu zusammengebaut, ergeben eine Skulptur, die auf diese architektonische Auffälligkeit im Belgrader Stadtbild reagiert. Die einzelnen Kühlkästen stehen als Mittler zwischen Außen- und Innenraum. Die Arbeit zieht Parallelen zwischen individuellem Bedarf an temperierter Luft, und kollektiver Verantwortung für saubere Luft; zwischen dem sorglos vorgenommenen Zubau im Eigeninteresse und dem Maß an Sensibilität für den gemeinsamen Stadtraum und das Stadtbild, das sich durch die massenhaften Fassadenanbauten ergibt; zwischen erhöhtem Energieverbrauch und Klimakollaps.”


“Smuggling over Madrisa”, 2014: “In March 2014 I smuggled three artworks on a historic smuggling-path (Gargellen/Schlappinerjoch) over the mountains to switzerland to avoid the customs at the swiss border.”


“o.T.”, 2013


“Balcony”, 2012


“Dessine moi un arbre”, 2007

Wir hatten uns kurz in Düsseldorf getroffen, ich wollte darauf sofort ein Posting bei rebel:art machen… Natürlich dann wieder vergessen, dann im üblichen Jubeltrubel untergegangen… Aber jetzt, endlich, herzlich willkommen bei REBEL:ART: I ♥ Marlene Hausegger. “Wenn an einer Kreuzung Zebrastreifen mit Kreide zu einem Riesenzebra umgezeichnet werden, ein überdimensionales Spiegelei spontan im New Yorker Centralpark landet oder vorbeifahrende Autos mit ihren Scheinwerfern einen Fahrradreflektoren-Blitz auf dem Dach des Wiener Fluc einschlagen lassen, dann könnte Marlene Hausegger dahinter stehen. (…) Schnell und scheinbar leichtfüßig entwickelt Hausegger ihre temporären Projekte, die oft nur für ein Foto oder kurzes Video entstehen, oder gar nur für einen Augenblick oder aus einer bestimmten Perspektive wahrnehmbar sind. Sie verknüpft vor Ort Vorgefundenes mit assoziativen Bildern, die den Ort neu kontextualisieren bzw. den Sinn des Ortes verschieben. Es sind räumliche Interventionen, die oft auch kunsthistorische Bezüge aufbauen. Dabei entsteht durch ihre – auch humorvolle – konzeptuelle Vorgangsweise ein Bruch, der sowohl den Ort neu kontextualisiert als auch kunsthistorische Manifeste hinterfragt. Und dies geschieht mit großer Sensibilität in beide Richtungen (Diskurs und Ort). Marlene Hauseggers Interventionen wirken wie lapidare Handlungen an spontan Vorgefundenem, sind vielmehr räumliche Eingriffe, die auf einer präzisen Analyse der referenzierten Kunst- oder Architekturikonen beruhen. Die Künstlerin verwendet dabei einfache, temporäre Mittel, die genau jene Spontanität vermitteln, die die Kraft ihrer Projekte ausmachen.” (*)

Und sonst so? : 11. 06. 14


Foto: DEPLUS XTND. Via, merci!

* Lohn-Liste: “Inspired by the Who Pays Writers? Tumblr, Kyle McDonald of F.A.T. Lab and a team of other developers have launched Who Pays Artists?, an open-submission site to let the world know who pays artists.” Via

* Furz-App: “Get smart from your fart. Learn about nutrition the rad way. Scan food bar codes to discover their fart power.” Via

* Webby for Person of the Year: Banksy.

* Schildkröten-Taxis: “The Turtle Taxi is a new kind of taxi service that has recently been launched in Yokohama. The cabs bring passengers from A to B like any other taxi service, but they don’t necessarily do it as quickly as possible.” Via

* Stadtraum-Petition: Petition des Verein für Freie Stadterfoschung: “Der frei nutzbare Stadtraum wird zunehmend eingegrenzt und sollte deshalb geschützt werden. Der öffentliche Raum ist als gemeinschaftlich genutzter Stadtraum, Möglichkeitsraum und Ort der Aneignung zu sehen. Er ist die Grundlage für lebenswerte und lebendige Städte, in denen sich jeder frei bewegen und seine Meinung äußern kann. Der Verein für Freie Stadterforschung fordert auf Bundesebene den öffentlichen Raum als räumliche Kategorie unter (Arten-) Schutz zu stellen (ähnlich einem Naturschutzgebiet), um seine Nutzungsvielfalt zu bewahren. Der öffentliche Stadtraum droht als lebenswerter Raum unter Anderem durch den motorisierten Verkehr, Überwachung und Privatisierung in seiner freien Nutzung eingegrenzt zu werden.”

* Buchtipp I: “Branding Terror. The Logotypes and Iconography of Insurgent Groups and Terrorist Organizations

* Buchtipp II: “Free OZ! Streetart zwischen Revolte, Repression und Kommerz“. In den Beiträgen des Buches werden die Strafverfahren gegen OZ als Exempel der Kriminalisierung von Streetart analysiert, der öffentliche Raum gegen seine zunehmende Privatisierung verteidigt, die Vereinnahmung von Urban Art durch Werbung und Kommerz kritisch untersucht. Das Buch würdigt das Schaffen von OZ aus künstlerischer Perspektive und geht der Frage nach, was den Menschen hinter dem legendären Kürzel bewegt. Assoziation A, März 2014, 18 Euro

* Buchtipp III: “Drohnenland“. “Alles wird überwacht. Alles ist sicher. Doch dann geschieht ein Mord, der alles infrage stellt.” Spannend, komisch, kritisch, absolut lesenswerter Krimi. Kiwi, 432 Seiten, 9,99 Euro

* Zimmerpflanzen-Befreiung: “Der PLF (Plants Liberation Forest) ist ein Umerziehungslager für Zimmerpflanzen, die in unseren klimatisierten Wohnungen gefoltert werden: es ist zu heiß, zu kalt, zu zugig, zu trocken, zu nass, zu dunkel, zu hell, zu wenig Platz, … Wir haben die Pflanzen vergessen lassen, dass sie von einem Baum abstammen, von einem gewaltigen Riesen aus dem Regenwald Amazoniens oder aus dem asiatischen Dschungel.”

* Mover & Shaker: Movers and makers: the most powerful people in the art world

Peng Collective: “Google Nest”

Google stellt auf der re:publica vier neue, absurd privatsphäre-feindliche Produkte vor. Politiker und Bürgerrechtler reagieren empört. Doch es war alles nur Show aka das Peng Collective. “Kurz danach erhielten die Pengs eine nette Mail von Google voller Markenrechts-Bullshit. Nun haben die Pengs die Copyright-Spezis der Electronic Frontier Foundation an Bord geholt und die antworten mit ziemlich einleuchtenden Fair Use-Argumenten“. Darum geht´s: “Drohnen, die auf Menschen aufpassen, Programme, die die Bedürfnisse der User erkennen. Google stellte am zweiten Nachmittag der re:publica seine neuen Produkte von Google Nest vor. „Google Trust“ soll bei Hacking informieren, „wir wollen das Vertrauen der Nutzer zurückgewinnen“, sagten die Moderatoren Paul von Ribbeck und Gloria Spindle. Die Funktion „Google Hug“ soll durch die Analyse der digitalen Kommunikation des Nutzers, seinen Bewegungen und dem Klang der Stimme, seine Stimmung erkennen und helfen. Und die Drohne „Google Bee“ soll nicht nur via Livestream auf die eigene Familie aufpassen können, sondern auch noch Müll aufsammeln. Glauben Sie nicht? Dann liegen Sie richtig. Hinter der Show steckt unter anderem Jean Peters, Berliner Aktionskünstler und früherer taz-Kolumnist.” Via

Pierre Terdjman & Benjamin Girette: “Dysturb”

Street Art trifft auf Fotojournalismus: “We are photojournalists who have taken onto the walls of your city to highlight stories undercovered by mainstream media. We believe in photography to express the words, distinguish the emotions and elevate the voice of people. We have chosen to print stories, to foster discussions and reactions. We wish to open eyes and inform about the world we live in. We are #Dysturb.” Terdjman: “Each time I finish a story, it’s the same struggle to get my images published magazines are rarely interested in showing what’s happening in Egypt, in Georgia, in Afghanistan. Sometimes they’ll publish one or two images, but that’s it. So, everything started from a very selfish idea. I wanted to show my photographs. I wanted to inform people, show them what I’d seen.” Via/Via

Führerbefehl: Unterstützen Sie das nationalste Buchprojekt aller Zeiten!

Front Deutscher Äpfel – Das Buch zur Bewegung: “Unser geliebter Führer hat ein Buch diktiert. Damit es in die Wirklichkeit treten kann, brauchen wir Geld. Der heilige Befehl des Führers lautet: Krautfinanzen! Werden Sie Teil der boskopistischsten Geldakquise aller Zeiten! Gehen Sie auf die unten aufgeführte Seite und leisten Sie Ihre Unterstützung durch eine Vorbestellung des Buches, den Erwerb eines wundervollen Gimmicks oder gar einem völlig frei gewählten Betrag!” Die 10 Jahre Apfelfrontgeschichte werden in dem unterhaltsamen Kompendium durch Interviews, satirische Beiträge und Photographien näher beleuchtet. Hinzu kommen Beiträge, welche die “Nationale Initiative gegen die Überfremdung des deutschen Obstbestandes” theoretisch und praxisbezogen auswerten und historisch einordnen. Mit diesem Buch widmet sich die Apfelfront neben anverwandten künstlerischen Projekten aus den eigenen Reihen auch der sagenumwobenen Geschichte der Ungarischen Knoblauchfront.

Deborah de Robertis: “Mirror of Origin”

“Die Luxemburger Künstlerin Deborah de Robertis setzte sich Ende Mai in einer Performance ohne Vorwarnung auf den Boden vor das Gemälde, lüpfte ihr kurzes, goldenes Cocktailkleid und zeigte den Besuchern ihr Geschlechtsteil. Nach kurzer Verwirrung schickten Wärter applaudierende Museumsbesucher, die von der Künstlerin eingeladen waren, aus dem Raum. Schliesslich wurde de Robertis von der Polizei abgeführt, aber kurze Zeit später wieder freigelassen.” (*) Die Künstlerin in einem Interview über die Performance: “Wenn man den Kontext ignoriert, könnte man die Performance als einen Akt der Exhibitionismus konstruieren, was ich aber tat, war keine impulsive Handlung. Es gibt eine Lücke in der Kunstgeschichte, das ist der abwesende Blick des Objekts. [...] Ich zeige nicht meine Vagina, aber ich enthülle, was wir in dem Gemälde nicht sehen, das Auge der Vagina, dieses schwarze Loch, das dem Blick verborgen ist, der Abgrund, der sich jenseits des Fleisches in die Unendlichkeit auftut, den Ursprung des Ursprungs.” Via/Via

Watchlist: Karl Philips


“Genk-Blankenberge-Genk”, 2014: “The performer sits down in the luggage space of a railway carriage. Wearing a sweater knitted in a pattern resembling the seats of a regular NMBS train, he travels from the east of Belgium to the west and back for free. He pretends to pretend he’s a piece of luggage or furniture.”


“Colruyt”, 2014: “The seemingly circular relationship between customer and market gets an extra loop when the performer brings a food tray into a supermarket and attaches it to a shelf. He buys food in the store, comes back in and puts the food on the tray, free for people to take.”


“Wedge”, 2014: Opening up a bank by placing a wooden wedge under the door, the space evolves from semi-private to public. This intervention was performed by circa 20 people at the same time on different locations in Brussels.


“No Title”, 2013: “In No title, a street lantern is hacked. The structure is suspended by wooden wedges, supported by gravity and the weight of the installation. The wedges used in this piece gain a monumental aspect by offering a counterforce to the downward pull of gravity. Recalling a PA-tower as well as a prison watchtower, this structure is a pirates nest for its inhabitant, offering free wif and power.”

“7 Square Metres (Roskilde)”, 2013: As part of the bigger project 7 Square Metres, Karl Philips staged a performance at the Roskilde Festival 2013, hiding a caravan on the festival grounds and unveiling it right before the concert of Metallica. The organisation was not notified in advance. The resulting experimental documentary (expected for the end of 2014, in collaboartion with director Pascal Poissonnier) explores the question whether there is still such a thing as underground.


“Good / Bad / Ugly”, 2012: “Three mobile living units – The Good, the Bad, and the Ugly – adopt the language and shape of advertising to blend into and temporarily occupy the public space. The modules were inhabited by nomadic performers, who financed their living by the sale of the advertising space that literally encapsulates them.”


“Shed”, 2011: Extending the environment, a basic open living space with its own power supply was sculpted onto the back of an existing billboard. Everybody was free to take place in this brightly lit, social sculpture.


“Concierge”, 2010: A homeless shelter, made on size of a Clear Channel billboard. Mia lived there for four months and acted as a spokeswoman for the work.

WOW! Meine Neuentdeckung des Monats! I ♥ Karl Philips! “Karl Philips is an emerging young Belgian artist for whom a mild kind of activism is inextricably linked to his work. With his ‘performing art’, he explores the distinctions between public and non-public, common- and underground, ‘us’ and ‘them’. To capture and represent his actions, Philips uses various disciplinary methods, often assembled into one (unconventional) monumental installation, where he firts with the boundaries of what is possible or even legal. His work is the result of the interconnectedness of his practice and way of life – for Karl Philips, art is never non-committal.” Via

“Art & Arcade” @ MU, Eindhoven (bis 25. Mai)

Ein paar Bilder meiner Ausstellung “Art & Arcade” aus dem Haus für Elektronische Künste Basel, noch bis zum 25. Mai im MU in Eindhoven zu sehen & zu spielen: “If you are a gaming addict and an art freak, MU is THE place to be for you this April and May. Art & Arcade, a collection of ten gaming classics that have been given an artistic overhaul, is coming straight to Eindhoven from the Haus für Elektronische Künste in Basel where it premiered. Arcade video machines never go out of style. In the 1970s the first entertainment arcades appeared, the so-called Penny Arcades. As their name implies, they would spring to life after insertion of a coin. For decades these arcade games flourished, and classic games were developed and marketed for them, such as Pong, Space Invaders, Mario Bros, Tron Pac-Man and Donkey Kong. Having grown up with these games it was inevitable that these visual artists would start using the arcade games in their work. They are restructuring the video games, fitting them with new functions, creating fantasy worlds and experimenting with 8-bit aesthetics to transform the gaming culture into art. MU | Strijp S will be transformed into a gaming arcade where you can indulge yourself with games such as Painstation, Pentapong, The Machine, Radical ATM Service, Tesla Arcade, Cage was a n00b and Racer. Guest curator: Alain Bieber. Participating artists: fur art entertainment interfaces | Canedo, Maingardt & Hartmann | Hussein Chalayan | Djeff | Iván Kozenitzky, Federico Lazcano | JODI | MOBILESKINO | Evan Roth | Haas, Wellershoff & Winter | Andreas Ullrich / C.Rockefeller Art Investment Group.”

Katze & Krieg: “Die Abenteuer der Könige”

Mein liebstes Performance-Duo Katze und Krieg war in Marokko und wollte dort eine königliche Performance im öffentlichen Raum aufführen. Aber, aber – sie haben die Rechnung ohne den echten Wirt König gemacht… Via: Mail, thx!