Popular Tags

Manifest: “Occupy Museums”

Nach der Wall Street jetzt die Museen: Die Gruppe “Occupy Museums” richtet sich gegen Korruption und Ungerechtigkeit im Kunstbetrieb. “Occupy Museums ist ein auf Konsens setztendes Kollektiv. Ich (Noah Fischer) habe die erste Aktion von Occupy Museums im Oktober 2011 initiiert. Kurz darauf entstand unsere Gruppe. Jede Aktion und jeder offizielle Text hat uns alle als Urheber. Einen Sprecher gibt es bei uns nicht, sondern wir handeln solidarisch – ganz im Geist der Occupy-Wall-Street-Bewegung. Wir versuchen, den Drang zu Individualismus und Hierarchie, der so sehr Teil der kapitalistischen Herrschaft ist, hinter uns zu lassen. Wir glauben aber an die Autonomie des Einzelnen. Ich möchte also klar stellen, dass ich hier meine eigene Meinung zum Ausdruck bringe, ich kann nicht fĂŒr die ganze Gruppe sprechen.” (Das ganze Interview hier!) Und ein Manifest gibt es auch schon:

“WIR BESETZEN MUSEEN, UM RAUM FÜR EINE SINNVOLLE KULTUR DER 99%, ZURÜCKZUEROBERN. FÜR UNS SIND KUNST UND KULTUR DIE SEELE EINES GEMEINWESENS. KEINE LUXUSARTIKEL!

Am 17. September 2011 besetzten wir die Wall Street, weil die reichsten 1%, die die Banken und Großkonzerne kontrollieren, Treuebruch gegenĂŒber dem amerikanischen Volk begangen haben. Getrieben von Machtgier haben sie unsere Staatskasse geplĂŒndert, unsere Demokratie gekauft und unser Rechtssystem verhöhnt. Sie haben uns keine andere Wahl gelassen, als auf die Straße zu gehen, einander zu finden und mit dem Entwurf und Aufbau eines neuen Systems zu beginnen.

Wir sehen eine direkte Verbindung zwischen der Korruption der Hochfinanz und der der „Hochkultur”. Im Verwaltungsrat des MoMA sitzen zum Teil dieselben Leute wie im Aufsichtsrat von Sotheby’s, wo der Wert von Kunst eine Spekulationsangelegenheit ist. Das Auktionshaus sperrt jetzt das gewerkschaftlich organisierte technische Personal aus, weil es in einem Jahr der Rekordgewinne nicht fĂŒr seine Gesundheitsvorsorge aufkommen will. Als KulturarbeiterInnen erklĂ€ren wir uns mit ihrem Kampf solidarisch. Unsere Arbeit wird nur gewĂŒrdigt werden, wenn wir uns aus der AbhĂ€ngigkeit von dem obszönen Reichtum befreien, die heute die amerikanische wie internationale Kunstszene prĂ€gt. Darum begannen wir, Museen in New York City zu besetzen. Wir tanzten und sangen vor ihren Toren und hielten auf ihren Stufen offene Versammlungen ab, um einen Raum des angstfreien Dialogs fĂŒr die 99% zu schaffen. Dabei sind wir immer mehr geworden.

Museen mĂŒssen der Öffentlichkeit verantwortlich sein. Sie arbeiten an unseren historischen ErzĂ€hlungen und gemeinsamen Symbolen mit. Sie ĂŒben enormen Einfluss auf unsere Kultur und den gesamten Kunstmarkt aus. Wir besetzen Museen, weil sie uns im Stich gelassen haben. Sie haben sich wie die Regierung, die das Volk nicht mehr vertritt, an den Höchstbietenden verkauft.

Der Kampf wird nicht leicht werden. Wir schicken uns an, ein ungleiches, ausbeuterisches Kultursystem aufzudecken, das ĂŒber alte, tiefreichende Wurzeln verfĂŒgt. Aber wir wollen nicht auf kĂŒnftige Generationen warten, um diesen Kampf aufzunehmen. Wir wollen gemeinsam daran arbeiten, den Kapitalaustausch durch den Austausch schöpferischer Ideen fĂŒr und durch die 99% zu ersetzten. Auf unserer Suche nach horizontalen RĂ€umen des Dialogs und der Zusammenarbeit werden wir die Hohlheit des kapitalistischen Kunstmarkts allmĂ€hlich mit der WĂ€rme des Sinns und der Überzeugung fĂŒllen, dass Kunst eine Notwendigkeit und kein Luxusartikel ist.”

Comments

One Comment so far. Leave a comment below.
  1. Gordon Shumway,

    Passt mal auf ihr 99%-Volkskörper-IdeologInnen. Wenn eure Methode, den kapitalistischen Individualisierungszwang zu ĂŒberwinden, darin besteht, durch Autosuggestion von Harmonie eine politisch-kastrierte Nachplapper-Massenneurose zu verbreiten, dann könnt ihr mich mal gewaltig am Arsch lecken. Ich lege euch ganz dringend ans Herz, Marx und Postone zu lesen und dann mal wirklich ĂŒber die Bedeutung REVOLUTIONÄRER KUNST nachzudenken, ihr Flachzangen. Peace.

Add Your Comments

Disclaimer
Your email is never published nor shared.
Required
Required
Tips

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <ol> <ul> <li> <strong>

Ready?