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Kommentar: Sind die Arbeiten von Banksy nationales Kulturgut?

Der britische Jurist John Webster von der Universit├Ąt Bristol hat in seiner Doktorarbeit “Should the work of Banksy be listed?” gefordert, die Werke von Banksy unter Denkmalschutz zu stellen. Ich habe mir dazu ein paar Gedanken gemacht und ein Kommentar f├╝r artnet schrieben: “Wann wird ein Kunstwerk so bedeutend, dass es f├╝r die Nachwelt erhalten werden muss? Warum Banksy und nicht Oz oder Tox? Und wer m├Âchte es sich anma├čen, dies zu entscheiden? Verwaltungsbeamte, B├╝rger, Kuratoren? Graffiti und sp├Ąter Streetart, sind als politische und k├╝nstlerische Ausdrucksformen einer Subkultur entstanden, deren Reiz gerade in der Verg├Ąnglichkeit der Werke liegt und die sich den Museumstempeln erfolgreich verweigern. Sie w├╝rden durch den Denkmalschutz pl├Âtzlich eine absurde Form von Musealisierung im ├Âffentlichen Raum erleben. Und w├╝rde diese Form der teilweisen Legalisierung nicht sogar zum Ende der Kunstform beitragen?” Hier den ganzen Beitrag lesen… Ist auf jeden Fall eine spannende Debatte: Was denkt ihr? Sollte Graffiti wirklich legalisiert werden? Macht es Sinn einige ausgew├Ąhlte Werke unter Denkmalschutz zu stellen?

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  1. Na, also gegen eine Legalisierung von Graffiti h├Ątte ich erstmal nichts einzuwenden. Lieber bunte St├Ądte als graue. Pieces, die nicht nachts und unter Zeitdruck entstehen, sind ja meist auch wesentlich besser weil man einfach mehr Zeit reinstecken kann. Fragt sich nat├╝rlich, wie sowas geregelt werden soll. Darf dann jeder an jede Wand pinseln? Das w├╝rde wahrscheinlich nicht wirklich gut gehen.

    Im Museum hat Graffiti meiner Meinung nach nichts verloren, da wirkt es einfach v├Âllig deplaziert. Ich habe so eine Ausstellung mal besucht und fand’s eigentlich nur doof. Ich freu mich lieber ├╝ber die ├ťberraschung, ein Masterpiece pl├Âtzlich irgendwo an einer S-Bahn oder sonstwo zu entdecken.

    Mit Street-Art geht das schon eher, ich denke da nur an die Street-Art Ausstellung vor ein paar Jahren in Berlin, die war schon ganz cool. Trotzdem sollte sich auch hier der Gro├čteil bitte weiter auf der Stra├če abspielen, denn genau da geh├Ârt das Zeugs doch hin. Unzensiert und frei zug├Ąnglich f├╝r alle, nicht versteckt in irgendwelchen Galerien und Museen, in die der Gro├čteil der Menschheit nie einen Fu├č setzen wird.

  2. ich w├╝rde eine zwischenl├Âsung bevorzugen. am einfachsten liesse sie sich (zu beginn) an ├Âffentlichen geb├Ąuden umsetzen. es g├Ąbe eine art jury (zusammensetzung?;), die z.b. allj├Ąhrlich neu besetzt w├╝rde (ganz wichtig! kein kanon…;). je nach aktivit├Ąt der streetartists g├Ąbe es rund einmal monatlich eine begehung und vor ort w├╝rde entschieden, welche ┬źwerke┬╗┬áumgehend ├╝bermalt werden sollen und bei denen, die nicht ├╝bermalt w├╝rden, w├╝rde entschieden, wann wieder ├╝ber deren relevanz diskutiert w├╝rde (z.b. nach 6 monaten, nach 1 jahr, nach 3 jahren)

    dieser vorschlag ist je nach stadtgr├Âsse kaum umzusetzen. dieses vorgehen k├Ânnte jedoch eine (wohl sehr ausufernde;) diskussion ins rollen bringen. auch w├╝rden bestimmt die streetartists darauf reagieren…;)

  3. Vorhins,

    Was haben noch Roger Buergel und Ruth Noack zur letzten documenta den Medien als Kommentarwichsvorlage vor die F├╝├če geworfen: “In 20 Jahren werden die europ├Ąischen St├Ądte nichts weiter sein als Freilichtmuseen f├╝r chinesische Touristen”. Europ├Ąische St├Ądte sind zu einem au├čerordentlichen Ma├če musealisiert – ganze H├Ąuserzeilen, Ensembles, halbe Stadtviertel sind “gesch├╝tzt”. Es scheint folglich als konsequenter Schritt auch die Unterschutzstellung von StreetArt voranzutreiben.

    Von der Warte der wachsenden Geschichtsverwertungsindustrie – von Museen ├╝ber klassischen Kulturtourismus bis hin zu geotaging-Stadttouren – gesehen, schaffen musealisierte pieces vielleicht sogar neue M├Ąrkte, ja neue Arbeitspl├Ątze f├╝r die so gehypte und gleichzeitig durch Prekarit├Ąt so gebeutelte “kreative Klasse”. Eine liberale wirtschaftsorientierte Stadtpolitik wird also fr├╝her oder sp├Ąter auf den Trichter kommen, einige Street-Kunstwerke unter Schutz zu stellen.

    Mir macht dieser Gedanke mithin eher Angst. Und das liegt weniger an einer oberfl├Ąchlichen Neoliberalit├Ątskritik, die Angst um die Verwertung von als Protest geschaffenen Kunstwerken hat, als vielmehr an meinem ├Ąsthetischen Empfinden. Denn schlie├člich w├╝rde der Protestgedanke der StreetArt mit deren Musealisierung nicht wirklich angegriffen werden. StreetArt als Form an sich dr├╝ckt l├Ąngst kein Protest mehr aus. Protest wird nur noch ├╝ber Inhalte ebenjener artikulierbar. Die Musealisierung von StreetArt w├╝rde folglich viel eher f├╝r diese Form der k├╝nstlerischen ├äu├čerung weiteres Verst├Ąndnis schaffen und damit die Aufmerksamkeit der breiteren ├ľffentlichkeit auf die Inhalte lenken. Anders gesagt: Auch meine Tante w├╝rde mit offeneren Augen durch die Stadt laufen und diesen kleinen Installationen, die wir StreetArt nennen, nicht mehr mit Kopfsch├╝tteln sondern mit Interesse begegnen.

    Mein Problem aber ist eher ├Ąsthetischer Natur. Wie soll StreetArt denn gesch├╝tzt werden? Das einzige gesch├╝tzte piece (http://www.youtube.com/watch?v=caEgsHxs-5Y), was ich bisher gesehen habe – nat├╝rlich von Banksy – ist, nachdem eine plexiglasscheibe davor gehangen hat, die mittlerweile eher milchglas ├Ąhnelt, einfach nur ein Graus (http://tinyurl.com/3n7mv2r). Der Inhalt des Werkes ist dar├╝ber hinaus beim Sch├╝tzen auch gleich verlorgengegangen (wie man beim Vergleich der Links feststellen kann)…

  4. Banause,

    Dass ein (politisch korrekt gesagt) “Vandale”, der der Gelsellschaft und den Beh├Ârden metaphorisch den Mittelfinger zeigt pl├Âtzlich “legal” seiner “Verschmutzung” von Staats- oder Privateigentum nachgehen kann, weist nur ein weiters mal darauf hin, dass es in “Kunst”, oder was immer das jetzt auch sein mag, nie um content ging, sondern (nur noch) um sozial-kulturelle Spielchen. Das “getting your name up” des profanen grafiti-spr├╝hers ist in keinsterweise anders als der modus operandi des ber├╝hmtesten visuellen K├╝nstlers. Pr├Ąsenz im Self-Referential-System ist Alles. Es gen├╝gt f├╝r eine Kunstaustellung mit dem Namen eines bekannten K├╝nstlers zu werben und schon kommen die Leute zuhauf. Als funktionierende Mitglieder der Gesellschaft haben wir einen Instinkt daf├╝r, kulturelle Tendenzen, die hoch gewertet sind, wahrzunehmen und uns nach diesen zu orientieren. Was auch immer diesen Banksy also so popul├Ąr, so modisch aktuell macht, das erh├Ąllt kulturellen Wert, selbst wenn der angebliche “Inhalt”, sowie die Form sich an den Werten der Gesellschaft sto├čen sollte. Streetart ist eben kein heiliger Ausnahmebereich, sondern genauso eine kulturelle Nische, wie alle anderen Kulturaktivit├Ąten auch: sie alle beinhalten strukturellen Spielcharakter: wer den Habitus meistert, gewinnt kulturelles Kaptial (oder zumindest symbolisches). Banksy hat antscheinend so viel davon, dass ihm selbst solche, die nicht in der social-group “Streetart” operieren, die T├╝ren ├Âffnen. Well played Banksy, well played.

    Ob eine Auswahl von Streetart und Grafiti jetzt erhalten werden sollten, kann fast nur mit value judgements beantwortet werden; mit Ideologie. Dass diese erhalten werden, wird in irgendeiner Form zutreffen, wenn Streetart ihren modischen Klimax erreicht. Baudrillard dazu: “Die Mode ist eine blo├če Widerverwertung (recyclage) des Zyklus’ der Erscheinungen. Ein Beweis daf├╝r ist, da├č die Entwicklung der Mode parallel zu der des Museums verl├Ąuft. Paradoxerweise gibt es in unserer Kultur gleichzeitig den musealen Anspruch auf eine ewige Festschreibung der Formen und den Anspruch auf reine Aktualit├Ąt.”

    Da Kultur eh ├╝berbewertet ist, sollte man sich da├╝ber nicht allzuviele falsche Hoffnungen machen. Dass “Anti-Kultur”, wie Graffiti und Streetart sich manchmal sehen, unweigerlich irgendeinmal zu Kultur wird, ist unaufhaltsam. Man kann nur entt├Ąuscht werden. Der Feind, den man anfangs noch bespuckt, zudem wird man selbst.

  5. Sehr interessanter Artikel zu einem h├ÂchstaktuellenThema!

    Ich erlebe diese Debatte momentan am eigenen Leibe, da auch mir vorgeworfen wird, Sachbesch├Ądigung betrieben zu haben: Im Rahmen der Aktion “Stadt statt Parkplatz” in Darmstadt habe ich eine Parkplatzfl├Ąche in einer vielbefahrenen und -beparkten Stra├če bemalt und wurde nun dazu aufgefordert, 400 Euro f├╝r die Entfernung der Farbe vom Asphalt zu bezahlen.

    Die Antwort auf meinen Apell an den (frischgew├Ąhlten ersten gr├╝nen) B├╝rgermeister von Darmstadt, das Gem├Ąlde zu erhalten ( http://www.issuu.com/pampolinka/docs/f_r_den_erhalt_des_parkplatzportraits_in_der_grafe ), steht noch aus; ich habe jedoch schon ├╝ber die Grenzen meines nahen Umfelds hinaus durchweg positive Reaktionen auf meinen Standpunkt erfahren, die Farbe unangetastet zu lassen, z.B. diese hier: http://www.paulinastulin.de/b/?p=340

  6. Olmir,

    Was gibts hier zu diskutieren? Wenn mir ein Bild gef├Ąllt, ist es egal, WORAUF und wie das gemalt wurde…und ich meine, Graffiti-Typen stellen ihre Kunst obendrein noch kostenlos und ohne sch…Galeriegeschwafel f├╝r jederman zur Schau.Und einiges davon geh├Ârt auf jeden Fall irgendwohin archiviert.

  7. cnpgo.,

    Die Aufnahme von Banksy’s Werken in die Liste des nationalen Kulturerbes stellt nur einen weiteren Schritt neoliberaler Kunstverwertung dar. Den ersten begannen die StreetArtists wahrscheinlich selbst: sie wurden zu bekannt.
    Die massenmediale Pr├Ąsentation von Kunst trennt sich m.E.n. in zwei wesentliche Erscheinungsformen; zum einen als Massenkunst und zum anderen als Kennerkunst. Erstere ist funktional produzierte Ware, die auf Unterhaltung und Reize ausgelegt ist. Sie ist dem Geiste des “einfachen 21. Jahrhundertmenschen” angepasst: Handydesigns, Hollywood, und Groschenromane sind nur einige Beispiele. Kennerkunst unterscheidet sich von ihr durch ihren exklusiven Kreis von Konsumenten, hier werden andere Werte nachgefragt, ihre Definition, Produktion und Konsumtion setzt einen gewissen (├Âkonomischen) Stand voraus. Graffity und StreetArt waren im Versuch diesen massenmedialen Dualismus zu umgehen, indem sie die Kunsterfahrung ohne Umwege an den Betrachter brachten. Das Kunstwerk wird weder im Supermarkt, noch in exklusiven sozialen Kreisen vorgestellt, sondern ├╝berrascht den Betrachter im ├Âffentlichen Raum.
    Das konnte jedoch nicht immer so bleiben: StreetArt wurde bekannt und die Massenmedien nahmen es in ihre Berichterstattung auf. Banksy ├╝berrascht uns nicht mehr an der Stra├čenecke, sondern auf dem TFT-Display oder in Printmedien. Die direkte Vermittlung wird ├╝berbr├╝ckt und das ist die eigentliche Vernichtung allen kritischen Potentials: die Kunst wird wieder vereinnahmt, stellt sich unter die verewigten Gesetze des Marktes. Es ist der kleine Vorsprung, den man hat, bevor man vereinnahmt wird.

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