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Guy Debord: “Kriegsspiel”

Man lernt nie aus. Ich wusste bisher gar nicht, dass Guy Debord auch ein richtiges Brettspiel entwickelt hat – und zwar ein konzeptuelles Kriegsspiel. Netterweise hat mich nun der britische Politologe Richard Barbrook aufgeklärt und mir das BĂĽchlein zu “Class Wargames Presents Guy Debord’s The Game of War” geschickt. Er hat das Filmscript geschrieben und ist GrĂĽnder der Gruppe “Class Wargames“, die sich u.a. eben auch treffen um das “Kriegsspiel” zu spielen, sogar im Hamburg Kampnagel war die Gruppe schon: “Nicht nur Brot muss die Forderung lauten, sondern auch Spiele” schrieb Guy Debord 1954. Die beiden Politologen Richard Barbrook und Stefan Lutschinger greifen diese Forderung auf, mit der Debord bereits damals mutmaĂźte, dass das Problem des späten Kapitalismus in der Freizeitgestaltung und nicht in der Arbeit liegen wĂĽrde. FĂĽr Debord stand fest: Wenn das Ruder nicht von anderen, nämlich von unten in die Hand genommen wird, geht die Ausbeutung bald weniger von den Arbeitsverhältnissen aus, sondern vom Zugewinn an Freizeit – von einer ganz und gar durch Manipulation und Gleichschaltung bestimmten gigantischen Freizeitindustrie, dem „Spektakel”. Sein 1977 entwickeltes „Kriegsspiel“ ist ein Brettspiel, das auf dem Markt zwar scheiterte, doch in Zeiten von Finanz- und Eurokrisen eine brisante Reaktualisierung verdient. DafĂĽr zeigen Lutschinger und Barbrook zunächst ihren Film “Class Wargames Presents Guy Debord’s The Game of War” und erläutern HintergrĂĽnde, bevor Bedeutung und Verständnis situationistischer Theorie und Praxis anhand des gemeinsamen Spielens von “The Game of War” erfahrbar wird. Das Spielen wird zur partizipatorischen Performance und ist ein kunstvoller RĂĽckgriff auf die kapitalistische Gesellschaft.” Wer nun Lust auf das Spiel bekommen hat: Alexander R. Galloway hat eine Online-Version des Spiels entwickelt. Thanks, Richard!

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