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EL SCHREIBT ÜBER GRAFFITI #3: “Mythos Writing”


Foto: Gif-Animation via, nach diesem Video

In unregelmässigen Abständen schreibt el für rebel:art eine Kolumne zum Thema Graffiti (#1: “Stylewriting und die globale soziale Plastik“; #2: “Alleine“):

Das Wort und die Buchstaben. Beim Schreiben der Buchstaben ging es schon auch um die Wörter, die sie bildeten. Aber die Wörter waren nicht als Begriffe gemeint, sondern als Namen, als Zeichen. Und oft eben um ein Name, der präsent sein sollte, in einem Milieu, in einer Stadt, überall. Einen Namen in die Stadt, an die Züge schreiben: ein Zeichen geben. Bei den Buchstaben der Ausdruck eines Stils. Sobald die Buchstaben zum Wort verschmolzen und von der zweiten Outline umrahmt sind, sind sie mehr als der Ausdruck des Stils: ein identitäres Produkt, es zeigt der Welt, X war hier.

Die Fähigkeit alles in einem besonderen Stil schreiben zu können. Auch Wildstyle, so schreiben, dass es nur noch Spezialisten entziffern können. Dann wirken die Bilder oft schon wie abstrakte Gemälde und werden vielleicht dementsprechend geschätzt. Oft von Passanten zu hören, dass eine hohe Anzahl an Farben geschätzt wird, was ungefähr so tiefgängig ist, wie einen Farbfilm mit einem Schwarzweißfilm zu vergleichen und als einziges Merkmal die Farbigkeit anzuführen. Eine andere Tendenz war Antistyle. Sich zwar in die Konkurrenz des Namen Hochbringens zu begeben, aber die Regeln zu brechen, so zu malen wie Anfänger malen: Toystyle (stilistisch nicht technisch). Schwer zu sagen, ob es mehr oder weniger gemocht wird. Es entschärft den Kampf im Graffiti, aber sieht vielleicht mehr wie Schmutz aus als die bunteren Sachen. Allerdings sind sie auch selten aggressiv. Es ist ein hin und her, wie auch in den ersten Jahren des Streetart Hypes es dieses hin-und-her mit kleinen banalen Grafiken und dagegen aufwändige Collagen, aber auch Installationen aus einfachen Elementen der Stadt und Readymades gab.

Die Selbstgeschichtsschreibung des Writings hat oft so angesetzt, dass Leute in NY Namen schrieben, sich dann auf die Buchstaben konzentrierten, Styles entwickelten, diese auf Zügen und Wänden probten, dies sich popularisierte. Da das wohl für Masse und Einzelfall zutrifft, ist es die plausible Geschichte des Writings. Dann gäbe es aber gar nicht mehr viel über sie zu schreiben, die Protagonisten feststellen, Datieren, Styles ordnen. Wurde schon zu viel gemacht.

Warum sollte das Writing von Einzelpersonen nichts mit Gangzeichen zu tun haben, die es schon vorher gab, warum sollte die Rebellion der Jugendlichen durch Buchstaben in NY nichts mit einer Bewegung der Jugendrebellion in Buchstaben (Lettristen) 20 Jahre vorher in Paris zu tun haben. Ich will keine Geschichtslinien konstruieren, das ist vielmehr das, was mich überhaupt gestört hat. Ich will vielmehr das Netz der Geschichte auswerfen, und sehen wie sich die Überlieferungen in ihr verfangen.

Einen breiteren Horizont der Geschichte anzulegen, das stilvolle Beschriften auf Lettrismus und Kalligrafie und vieles mehr zurückzubinden, wurde auch schon gemacht, und hier soll angeschlossen werden. Die Geburt des Writings ist dann Pop, der Mythos eine Affirmation des Banalen. Soll heißen, die Populärkultur fand eine Darstellung für die konkrete Erfahrung der Protagonisten. Heutige Entwicklungen des Writings weisen nicht nur nach vorne (in die Zukunft) über den Gründungsmythos hinaus, sondern auch nach hinten. Darum wird es in den nächsten Texten gehen.

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