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Vladimír Turner & Mathieu Tremblin: “Public Jokes” /// C. Rockefeller Center, Dresden; Vernissage: 17. Oktober

Public Jokes

a duo show by
Vladimír Turner (CZ) &
Mathieu Tremblin (FR)
curated by Alain bieber (DE)

from 18 October to 1 November 2013
opening Thursday 17 October at 18:30

in C. Rockefeller
Center For The Contemporary Arts,
Dresden
(DE)

Nicht verpassen! Die erste gemeinsame Ausstellung von Mathieu Tremblin und Vladimir Turner in Dresden (C. Rockefeller Center), Vernissage & Eröffnungsperformance ist am 17. Oktober, ab 18.30 Uhr! Und danach geht es mit dem Duo nach Halle zum Werkleitz-Festival – am Freitag, 18. Oktober, 18 Uhr läuft mein Filmprogramm “Streetism!” mit Mathieu Tremblin & Vladimir Turner; und Filmen von Akay, Love & Security, Sebastian Haslauer, Nug & Pike, Ivan Argote, Brad Downey, Jaroslav Kysa, Vojtěch Fröhlich, Ondřej Mladý, Jan Šimánek, Messieurs Delmotte, Leopold Kessler, Francis Alÿs, The Cleaning Unit.

“It could have started like a childish joke “A Czech, a French and a German guy are in the same boat” but “Public Jokes” is more about the first duo show of Vladimír Turner (CZ) and Mathieu Tremblin (FR) curated by Alain Bieber (DE) since the three met in 2011 at the occasion of a workshop organised by Memefest (SI) in Nijmegen (NL). The title refers to the French expression “private jokes” – in-joke (for inside-joke) in English. And the show is mainly a focus on how artists urban intervention art is using humor to deal with cultural mistakes and similarities regarding globalization, politics and urbanism.

Exploring the relationship between spontaneous and autonomous actions and their restitution, Bieber, Tremblin and Turner are gathering various commentaries picked up from the streets to the Internet in order to tell the “story” behind each gesture trying not to losing its original energy and openness to interpretation. The show is interrogating the way of bringing individual desire (private) to common audience (public) until, as a kind of popular success, the action itself is brought into informal language, becoming a kind of rumor like a good story you tell to your friends or a urban legend. Because at the end, everyday life is the place where the art effects of urban intervention can be fully felt and assume greater significance.

As an example, the Pistachio video documentation is a sort of zero level illustration of how this humorous mechanic proceeds. The two artists are framing themselves in a private and boring situation sharing beer and pistachios until they do in the last few seconds some unexpected sophomoric DIY twist which bring sense to the situation and a lot of self-derision about the urban hacking culture people are usually relating them too.”

Und sonst so? : 07. 10. 2013


Foto: Spencer Keeton Cunningham

* “Reverse logos of competing brands“. Via

* “100 Urban Trends” (PDF) nach dem Berliner BMW Guggenheim Lab. Via

* “Speculations on Anonymous Materials” – die erste (Postinternet)-Ausstellung von Susanne Pfeffer im Fridericianum Kassel (bis 26. Januar), u.a. mit Pamela Rosenkranz, Kerstin Brätsch & Debo Eilers, Oliver Laric, Michele Abeles uva.

* Tagger-Historie als GIF: “Des histoires de taguers” von Mathieu Tremblin

* WAV macht einen Ausflug nach Berlin und es gibt ein Tagebuch

* “Das neue Graffitti-Gadget für eisige Tage: der erste Train der Traintapes-Reihe ist als Endlos-Papierklebeband fertig! Ihr könnt diese Bänder mit wasserbasierten Pigmentmarkern wie Edding 3000 oder Uni Posca bemalen und auf fast jede Oberfläche kleben, jeder Kleiderschrank wird damit zur Instant-Traingalerie. Wir werden nach dem Klassiker DB-Silberling nach und nach weitere Trainmodelle releasen, stay tuned. Wir arbeiten auch an einer Smartphone App, mit welcher ihr eure Trains fotografieren und die Pix direkt auf unsere Traintape Seite hochladen könnt.”

* “Letzte woche habe ich in berlin die erste mediale plastik installiert. das ist eine webseite die nur an einem ganz bestimmten ort geöffnet werden kann. einweihung war letzte woche. bilder findest du hier.”, schreibt mir Florian Kuhlmann.

* Das Stickermag Klebstoff #6 geht in Druck! Am besten gleich vorbestellen…

* Drei neue Werke in der Netzkunst-Galerie des Jeu de Paume, kuratiert von Alessandro Ludovico (“Neural”): “Random Shopper” von Darius Kazemi (How programming code can radically transform our consumer habits, avoiding any marketing-oriented “modus operandi”?), “The Art of Google Books” von Krissy Wilson (Wilson is questioning between the lines the digitalization as an industrial apparatus. So, she’s documenting the fragments of materiality lost in this gigantic digitalization process…), “a series of unfortunate events” von Michael Wolf (Michael Wolf uses his photographic skills to “shoot” pictures within the world of Google Street View, where city streets are viewable in a weird digital and photographic continuum.)

* Eine Mini-Ausstellung von Hans-Ulrich Obrist: “He’s organized exhibitions just about everywhere under the moon, and now he’s curating a tiny exhibition at the virtual gallery Water McBeer, a 300 square inch space run by artist Henry Gunderson that’s accessible only through the gallery’s website. For the upcoming exhibition, Obrist will revive a version of his Nano Museum, an exhibition space hosted on a 2 x 3 inch picture frame. That original museum went missing in the 1990s, lost in a bar by artist Douglas Gordon.”

* Buchtipp: “This Will Have Been: Art, Love, and Politics in the 1980s

Urban Hacking School #3: Köln


So sehen glückliche Diplomanden aus: Die Absolventen der Urban Hacking Academy in Köln. Foto: Rodrigo Mirando


Aus dem Workshop-Modul: “Spontaneous Sculptures” mit Brad Downey


Aus dem Workshop-Modul mit The Wa: Eat the City: Discovering, Containering, Cooking & Eating


Aus dem Workshop-Modul mit Katze & Krieg: “How to become a superheroganster

Eine kleine Auswahl der Diplomarbeiten:

Vom 4. bis 6. September fand im Rahmen des Kölner Cityleaks Festivals mein Workshop “Urban Hacking Academy” statt. Es waren zwei intensive und wunderbare Tage – mit extrem motivierten Teilnehmern, tollen Gastdozenten und großartigen Arbeiten, die in dieser Zeit realisiert wurden. Wie eine Teilnehmerin danach sagte: “Es hat mein Leben verändert!” Mehr kann man sich als Organisator nicht wünschen! Ein großes Danke an Allan Gretzki, Katze & Krieg, The Wa & Brad Downey für die wunderbare Unterstützung, Cityleaks für die Einladung und natürlich an alle Teilnehmer: Ihr seid einfach nur WOW gewesen! Und da es nach diesem Workshop auch nicht mehr besser werden kann, werde ich dieses Format, nach Strasbourg, Düsseldorf und Köln, auch nicht mehr fortsetzen. Ein “Hattrick” ist genug – es werden neue Ideen und Formate folgen!

Werkleitz Festival 2013: Utopien vermeiden!

Die Werkleitz Gesellschaft feiert ihren 20. Geburtstag mit einem Jubiläumsfestival: 12-27. Oktober 2013, Holtzplatz 1/Technikhalle, Halle (Saale). Und ich freue mich riesig darauf, weil ich zwei Filmprogramme und vier Künstler/innen einladen durfte! Meine Programme laufen am 18. Oktober im Festivalkino – kommt unbedingt vorbei!

“Werkleitz ist 1993 in einer Zeit großer Umbrüche gegründet worden. Durch den Fall der Mauer und den Zusammenbruch der Diktaturen in Osteuropa entstand eine euphorische Hinwendung zur Demokratie, die weit über Europa hinaus strahlte. Zur gleichen Zeit begann der Aufstieg des World Wide Web zur zentralen, zukunftsweisenden Technologie, die eine offene Kommunikation für alle Menschen zu versprechen schien. Diese Aufbruchstimmung spiegelt sich auch in der Gründung von Werkleitz als Kollektiv mit flachen Hierarchien, kollektivem kuratorischen Ansatz und europaweiten Kooperationen. Anfang der 1990er Jahre wurden aber auch die Finanzmärkte dereguliert. Der Nationalstaat als zentraler Souverän der Gesellschaft zieht sich seitdem durch verordnete Sparzwänge aus der gesellschaftlichen Gestaltung zurück. Ökonomischer Druck und die damit verbundenen Ängste führen in vielen Ländern Europas zu antidemokratischen Bewegungen, der Traum der europäischen Einigung ist verschwunden. Werkleitz nimmt sein 20-jähriges Bestehen zum Anlass, diese gegenläufigen Prozesse zu reflektieren. 20 Kuratoren sind eingeladen, jeweils eine neu entwickelte Arbeit in einem Ausstellungsparcours, in Film- und Performanceprogrammen sowie einem Symposion in Halle zu präsentieren und zu diskutieren. Der Titel Utopien vermeiden basiert auf der gleichnamigen Neonleuchtschrift Martin Conraths aus der ersten Werkleitz Ausstellung von 1993 und steht für die Ambivalenz dieser letzten 20 Jahre.”

Freitag, 18.Okt, Festivalkino, 18:00: Streetism!
Vor Ort: Mathieu Tremblin & Vladimir Turner. Und Filme von Akay, Love & Security, Sebastian Haslauer, Nug & Pike, Ivan Argote, Brad Downey, Jaroslav Kysa, Vojtěch Fröhlich, Ondřej Mladý, Jan Šimánek, Messieurs Delmotte, Leopold Kessler, Francis Alÿs, The Cleaning Unit.

Liebe Künstler, verbrennt die Manifeste! Liebe Kuratoren, hört endlich auf immer neue Fragen zu stellen, die doch nie jemand beantworten kann. Und liebe Besucher und Zuschauer, lasst uns Utopien und immer neue Versprechungen vermeiden und konkretes Handeln favorisieren. Das Filmprogramm „Steetism!“ stellt deshalb Künstler vor, die anpacken. Künstler, die raus auf die Straße gehen, dorthin wo das Leben tobt, und versuchen, die Welt im Kleinen zu verändern. Es werden 18 Dokumentationen aus ganz Europa von Performances, Interventionen und Skulpturen im öffentlichen Raum gezeigt, 18 individuelle Strategien, die mit viel Spaß und Spiel, eine künstlerische Formen des Widerstands darstellen. Denn Kultur entsteht durch Spiel – den Spaß daran und die daraus entstehende Spannung. „Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt“, schrieb Friedrich Schiller. Und der niederländische Kulturhistoriker Johan Huizinga prägte den Begriff „Homo ludens“, der spielende Mensch, der für die Streetart-Künstler so beschreibend ist. Die Stadt selbst wird dabei zum Kunstwerk, das frei gestaltet wird und quasi als Laboratorium für eine spielerische Revolutionierung des Alltags dient. Matthieu Tremblin, Vladimir Turner, Brad Downey, Messieurs Delmotte, Francis Alys, Rémi Gaillard und Ivan Argote dekorieren Überwachungskameras mit Früchten, köpfen Rosen, bemalen die U-Bahn mit ihrem nackten Körper, zweckentfrenden eine Werbefläche zu einem Kettenkarussel und barrikadieren mit Tauben die Einkaufsläden. Die Künstler spielen dabei nicht nur mit dem Stadtraum und den Bewohnern, sondern mit der gesamten Kunstgeschichte: Ein Schuss Spontaneität der Situationisten, ein paar choreografische Fluxus-Elemente, ein bisschen Land-Art, eine Dosis Dada-Absurdität, verquirlt mit Ready-Mades und Minimalismus – fertig ist das Street-art-Œuvre. Das Filmprogramm soll nicht nur Aktionen präsentieren, sondern auch den Zuschauer anstiften und aktivieren. Denn Kunst sollte nicht in Museen weggesperrt werden oder temporär auf Festival zu sehen sein, sondern zur Alltäglichkeit werden.

Freitag, 18.Okt, Festivalkino, 21:00: Gefangen im Paradies
Vor Ort & Filme von: Barbara Visser (“C.K.”), Alain della Negra (“How much is the rain”)

“Was mich fasziniert, ist die Tatsache, dass Freiheit im Grunde genommen eine Illusion ist. Und das gilt für Künstler, Buchhalter oder Kriminelle“, sagt die niederländische Künstlerin Barbara Visser. Und Alain della Negra, ein französischer Künstler, spürt in seinen Filmen stets manische Utopisten auf, von den obsessiven Schamanen, über Furry-Fans bis zur Regenbogen-Sekte. Das Filmprogramm „Gefangen im Paradies“ präsentiert zwei wahre Begebenheiten, dokumentiert von zwei Künstlern. Clemens K., langjähriger Buchhalter der niederländischen Kunst- und Kultustiftung, bucht 16 Millionen Euro auf sein eigenes Konto und verschwindet danach komplett von der Bildfläche. Visser verfolgt in ihrer spannenden und preisgekrönten Dokumentation den Betrüger bis nach Thailand, seinem selbstgewählten Zufluchtsort. Ihre akribische Recherche blickt mit künstlerischen Mitteln auf die Beweggründe und interviewt Freunde und Kollegen, die geschockt, verwirrt, beschämt und wütend zurück bleiben. Und della Negra hat für seinen neusten Film „How much rain“ die Regenbogen-Sekte nach Mexiko begleitet. Die Regenbogen-Krieger kleiden sich in einer einzigen Regenbogenfarbe, schlafen in einer solch monochromen Hütte und essen auch nur Nahrungsmittel in derselben Farbe. Sie wechseln die Farbe je nach Stimmung, manche jeden Monat, manche nur ein paar Mal im Jahr. Della Negra nimmt uns mit in eine Welt, deren vermeindliche Freiheit auch hier zu einem selbstgewählten Gefägnis wird.

Und sonst so? : 21. 09. 13


Foto: SpY ist in Köln beim CityLeaks-Festival. Danke, René!

* Save the date: The Influencers 2013 findet am 8 und 9. November in Barcelona statt, diesmal u.a. mit dabei ist Aram Bartholl

* Für alle Hamburger: Das Symposium “The Making of (Digital) Urban Interventions” sind vielversprechend, mit dabei sind Régine Debatty, Christopher Dell und Medienkünstler Chris Bruckmayr; Donnerstag, 26. September, Reeperbahn Festival

* Neue Street-Art-Webdoku bzw. virtuelle Museum aus Frankreich: Tour Paris 13. Merci, Laurence!

* Es gibt endlich eine neue Ausgabe meines Lieblings-Stadtmagazin: Der Wedding!

* OMG, it’s a double rainbow: Regenbogen-Stifte!

* Régine hat die Ausstellung “Disobedience Archive” besucht: “a video collection which explores four decades of social disobedience: from the uprising in Italy in 1977 to the anti-globalization protests and to the insurrections in the Middle East.”

* “Jetzt wollten wir Dir nur kurz Bescheid sagen, dass gerade das Video zur Prozession fertig geworden ist”, schreiben Various & Gould. “Wir hoffen, er gefällt Dir!” Ja: http://vimeo.com/74108078!

* Das neue Projekt von Friedrich von Borries: RLF – das richtige Leben im Falschen! Die Mission: Der Kapitalismus soll mit seinen eigenen Waffen geschlagen werden.

Florian Cramer: “Anti-Media. Ephemera on Speculative Arts”

Florian Cramer hat ein neues Buch geschrieben. Naja, eigentlich ist es kein neues Buch, sondern eher eine Sammlung diverser Texte, die zum Teil bereits veröffentlicht waren bzw. noch einmal aktualisiert wurden. Wer Florian Cramer nicht kennt, er ist: “programme director at the applied research center Creating 010 at Hogeschool Rotterdam, The Netherlands; dean of the Parallel University of WORM, Rotterdam’s Institute of Avant-gardistic Recreation.” Und: Er ist ein Nörgler, Besserwisser, Postneoist und radikaler Kritiker. Und das ist gut so. Denn solche radikalen Kritiker gibt es leider, leider nicht mehr allzu viele – in Cramers Aufsatzsammlung geht es um Nazis, Pornos, Aktivisten, Medienkunst, Postinternet, Internetliteratur, Popkultur, Hacking – und eigentlich bekommt alles ordentlich sein Fett ab. Das Buch beginnt mit einer fulminanten Einleitung über die Begriffe aus dem Titel “Anti”, “Media”, “Ephemera”, “Speculative”, “Arts” – und stellt die These auf: “1. There is art, and there is anti-art. 2. If that is so, there must also be anti-media. 3. ‘Media’ as a term is as fuzzy as ‘art’. 4. Both ‘art’ and ‘media’ refuse to go away. Anti-media is what remains if one debunks the notion of media but can’t get rid of it.” Die schwächeren Teile sind die Aufsätze über Computerliteratur (bzw. vielleicht liegt es auch an meinem persönlichen Desinteresse) und das ständige Rezitieren der eigenen Code-Poesie. Aber dafür gibt es große Gedanken zur Medienkunst, zum Popdiskurs, zur Kulturkritik und darin finden sich Sätze wie: “One ought to think that it´s a waste of time to give “interactive media” and “interactive art” any more serious thought; that there`s a broad consensus that these were false promises and sunken big budget ships of late 1980s and early 1990s institutional laboratory art founded on such wacky ideas as – in the case of the German ZKM – “the Bauhaus of Second Modernism”. We should be only a couple of years away from a time where these monstrosities will be turned into pop culture and celebrated as period kitsch, with the installations of Jeffrey Shaw and company representing 1990s retro kitsch next to Star Trek props for the 1960s, flokati rugs for the 1970s and Commodore home computers for the 1980s.” Und die stammen aus dem Jahr 2008. Danke dafür! Das Buch hält nicht ganz was es im Titel verspricht und es ist schade, dass es sich vor allem “nur” um eine Aufsatzsammlung aus den letzten Jahre handelt – aber die Essays sind natürlich trotzdem alle extrem lesenswert! Ich hoffe, dass bald neue Texte von Cramer zum Thema “Anti-Media/Anti-Art” gibt. Wir brauchen einfach mehr solcher knallharter Kritiker, es bringt einfach Niemanden voran, wenn man sich immer nur mit Wattebällchen bewirft. Achja: Régine hat´s auch gefallen – und hier kann man das Buch für 19,50 Euro bestellen.

Sumo-Hocke, Netzkunst und künstliche Intelligenz: Helga Wretman trifft Constant Dullaart

Fitness For Artists von Helga Wretman, Folge 5: In dieser Folge trifft Helga Wretman den niederländischen Künstler Constant Dullaart. Zwischen Sumo-Hocke und ein Paar Stretching-Übungen, reden sie über Google, Amazon, Facebook, YouTube, Punk-Attitüde, künstliche Intelligenz, die Zukunft und die Unendlichkeit. Zuvor turnten: Pilvi Takala, Edgar Leciejewski, Aleksandra Domanović und Egill Saebjörnsson.

Und sonst so? : 30. 08. 13


Foto: Pilot Pirx. Via

* “Grillen? Gefällt mir!“: “Die Sektion “FLEISCH-DP” hat eine “Aktion für Burgerrechte und die Freiheit der Kantine” gemacht. Als FDPler und Jungliberale verkleidet, gelang es Aktivistinnen und Aktivisten vor der Parteizentrale der Grünen sowohl Polizei wie auch die zahlreich erschienene Hauptstadtpresse zum Narren zu halten.”

* 100 Interventionen an einem Tag: Das Festival 100 in 1 Day in Kapstadt. Via

* Sichtbetong: “In der Peripherie des Dresdner Stadtzentrums entsteht ein temporäres Kunstcamp – ein Freiraum auf einer Freifläche in Dresden-Löbtau. Vom 2. bis 8. September bieten wir euch Vorträge, Workshops, einen Beton Salon, eine OpenAir-Kunstausstellung und Musik im Rahmen eines Camps, an dem jeder kostenlos teilnehmen kann.”

* I ♥ Kunst & Wurst.

* “The Abramovic Method Practiced by Lady Gaga“. Via

* Die Doku von Jason Scott über die DEFCON, die zu den größten Hacker-Konferenzen zählt und seit 1993 jährlich in Las Vegas stattfindet. Via

* Spielen I: Guy Debord als Action Figure

* Spielen II: Das Lego Architecture Studio. Via

* Spielen III: “Wenn Barbie die Maße einer durchschnittlichen Frau hätte…”

* “Urbane Künste Ruhr ist die neue Kunstorganisation in der Kulturmetropole Ruhr. Wir nehmen die einzigartige urbane Landschaft des Ruhrgebiets zum Anlass, gemeinsam mit Künstlern, Netzwerken und Kulturinstitutionen nach dem Kern des Urbanen zu suchen.” Via

* Buchtipp I: “Context Hacking: How to Mess with Art, Media, Law and the Market” von Monochrom

* Buchtipp II: “Anti-Media” von Florian Cramer

* Buchtipp III: “Library of the Printed Web” von Paul Soulellis

“Und Alle so: Yeaahh! Die vulgäre Avantgarde”, Haus für elektronische Künste, Basel


David Horvitz (USA): “241543903″, 2009–heute. David Horvitz ist bekannt für seine Anleitungen zu Do-It-Yourself-Projekten. 2009 startete er über Tumblr die Aktion Head in the Freezer, die sich rasant über soziale Netzwerke verbreitete. Horvitz forderte dazu auf, seinen Kopf in ein Gefrierfach zu stecken, sich dabei fotografieren zu lassen, und das Foto ins Internet zu laden – versehen mit dem Tag „241543903“. Gibt man diese Zahl bei der Google-Bildersuche ein, erscheinen nun hunderte von Imitationen dieser künstlerisch initiierten Performance, die zum Internet-Mem geworden ist.


Evan Roth (USA): “Cache Rules Everything Around Me”, 2010. In Cache Rules Everything Around Me arrangiert Evan Roth im Internet vorgefundenes Bildmaterial spielerisch zu Musik von „Girl Talk“ aus dem Album Nightripper – selbst ein Mashup-Album, das verschiedene Musikstücke kombiniert. Bekannte Szenen aus Kinofilmen, aus Fernsehserien oder YouTube-Videos werden mit den populärsten Internet-Memen und animierten .gifs zusammengewürfelt und demonstrieren auf amüsante und beeindruckende Weise, wie sich im Internet auch künstlerische Produktions- und Distributionsformen verändern.


Helene Dams
(DE): “I Can Has History?“, 2010. Kein anderes Tier scheint im Netz derart beliebt zu sein wie Katzen. Sogenannte „Lolcats“ (Lol = laut lachen) bilden seit ca. 2006 ein beliebtes und weit verbreitetes Internet-Phänomen, bei dem Katzenbilder mit (orthografisch fehlerhaften) Sprüchen versehen und über soziale Netzwerke geteilt werden. Doch woher kommen bloß all diese Katzen? Dams betrieb Ahnenforschung und präsentiert in ihrer animierten Netzkunst-Arbeit I Can Has History? den Familienstammbaum der „Lolcats“.


Alex Von Bergen (USA): “Self Portrait with Tail”, 2008 / “Ongoing Collaboration with My Cat to Create an Image that Hopefully Becomes an Internet Meme”, 2010–heute / “Tan Line Gradient Study”, 2013. Alex von Bergen greift immer wieder Gebrauchsgegenstände oder aus dem Alltag vertraute Phänomene auf. Geschickt bewegt er sich dabei zwischen Netzwelt und physischer Welt, zwischen Kunstproduktion und Kommerz. So auch in Ongoing Collaboration with My Cat to Create an Image that Hopefully Becomes an Internet Meme und Tan Line Gradient Study, welche mitunter die Frage nach der Funktion von Kunst und Kultur im Internetzeitalter stellen. Was hat mehr Einfluss: ein Bild in einem Museum, ein Kino-Blockbuster, oder ein sich viral verbreitendes Internet-Mem? Als Postkarte zum Mitnehmen werden wir aufgefordert Von Bergens Internet-Meme auch außerhalb des Netzes zirkulieren zu lassen.


Mathieu Tremblin (FR) mit Aurélie Fourel, Marinka Limat: “Ink Geyser”, 2013. Mathieu Tremblin ist berüchtigt für seine Interventionen im städtischen Raum. Meist sind diese minimal, vielfach von einer gewissen Absurdität gezeichnet und bilden ein Gegengewicht zur reglementierten (rechtlichen, repräsentativen, symbolischen) Öffentlichkeit. Ink Geyser ist ein künstlerisches Re-enactment des Mentos-Cola-Internet-Mems: Durch die chemische Reaktion, das Hinzufügen von Farbe und die installative Anordnung entsteht ein künstlerisches Wandgemälde, das seine Spuren für eine kurze Zeitdauer an Wänden, Decke und Boden hinterlässt.


Matthias Fritsch (DE): “Technoviking Transmedia”, 2007–2011 / “We, Technoviking”,
2010. Mit über 40 Millionen Klicks und mehr als 4000 Videoreaktionen auf YouTube gehört Matthias Fritschs Technoviking – im Jahr 2000 unter dem Namen Kneecam No. 1 ins Netz gestellt – zu den weltweit populärsten Internet-Memen. In den präsentierten Videos recherchiert Fritsch die Geschichte seines Kunstvideos, von der Produktion bis zum populären Internet-Mem, wo der Technoviking sich wie genetisches Material im Netz fortgepflanzt und ständig in neue Variationen und Formen mutiert. Während Technoviking Transmedia User-Reaktionen sammelt, die den Technoviking in virtuellen Welten (z.B. World of Warcraft, Minecraft) inszenieren oder in ein anderes Medium übersetzen, präsentiert We, Technoviking ein Zusammenschnitt von über 50 Reenactment-Videos, welche von Fritsch im Netz gesammelt und zu einem musikclipartigen Video zusammengemixt wurden.


Kent Rogowski (USA): “There is a Rainbow”, 2012. Kent Rogowski greift in seinen Arbeiten Klichees und Stereotypen auf und schafft über das scheinbar Vertraute vielfach ein Gefühl der Befremdung. There is a Rainbow ist Teil der Serie Everything that I wish I could be, in welcher der Künstler Selbsthilfe-Bücher nach einer bestimmten topografischen Anordnung arrangiert und in Lebensgröße abfotografiert. Durch eine gezielte Linienführung der Regebogen deutet Rogowski vage eine Herzform an – und inszeniert so fast unscheinbar kulturell kodierte kommunikative Muster, die auch den Internet-Memen eigen sind. Und nach dem Double Rainbow von Hungrybear9562 gehört der Regenbogen (nach den Katzen) zum zweitliebsten Pop-Phänomen der Internetkultur.


Jonas Lund (SE): “Paint Your Pizza“, 2013. „Realität ist da, wo der Pizzamann herkommt“ ist ein beliebter Geek-Spruch. Was macht die Pizza zur Leibspeise der Internet-Generation? Vielleicht liegt es daran, dass man bei Pizza Hut bereits seit 1993 die erste Pizza im Internet bestellen konnte – lange Jahre vor der Gründung von Amazon, Google oder Ebay. Paint Your Pizza ist eine Webseite von Jonas Lund, über welche man mittels der Grafiksoftware MS Paint seine ganz individuelle Pizza malen, bestellen und verkaufen kann. Macht mit, malt eure Pizza, druckt sie aus und holt euch euer ofenfrisches Kunstwerk für CHF 12 draußen am Pizza-Stand!


Tracky Birthday & Hasi International™ feat. Cindy Sizer (DE): “Tricks 10″, 2013. Bereits neun Folgen der ARTE Creative Webserie Tricks haben Tracky Birthday und International™ souverän gemeistert: witzige und unberechenbare Shows, die uns mit auf eine Reise durch die Popgeschichte nehmen und unter anderem auch demonstrieren, wie sich mit Gemüse musizieren lässt. In der zehnten und letzten Folge von Tricks inszenieren die zwei Künstler zusammen mit ihren Freunden Cindy Sizer eine kollektive Jamsession, bei der die Besucher zur Band werden – und natürlich wird auch diese Folge live ins Netz gestreamt.

Für alle die es am 24. August nicht zur Oslo Night 2013 nach Basel geschafft haben: Ein paar Impressionen der Ausstellung “Und Alle so: Yeaahh! Die vulgäre Avantgarde” im Haus für elektronische Künste in Basel. “In Zeiten von NSA, Urheberrechtsklagen und Datenspeicherfragen kommt das Internet eher als Produkt des Bösen daher. Basel kehrt nun aber die fröhlichen Inhalte nach außen, und zeigt, wie positiv das Netz auch sein kann”, schrieb das ART-Magazin, und Dirk von Gehlen hat mich dazu für das SZ-Blog Phänomeme interviewt: “Die Netzkultur ist die neue Popkultur. Sie hat eine eigene Sprache (ROFL, <3), eine eigene Ästhetik (z.B. Seapunk), und ihre eigenen Stars (Grumpy Cat, Technoviking)." Und darum ging es: Internet-Meme sind die Popkultur des Internets: Bilder, Videos, Texte, Links, Tondateien und Webseiten, die sich viral und rasend schnell online verbreiten. Die Masse tanzt zu „Harlem Shake“ und „Gangnam Style“ und lacht über den „Techno Viking“ und „Lolcats“. Die Grenzen zwischen Hoch- und Populärkultur verschmelzen im Netz – aber was sind die Folgen? Führt die memetische Kreativität im Netz zu einer kollektiven Intelligenz? Kann auch Kunst viral werden? Oder ist ein Mem vielleicht sogar Konzeptkunst? Wie verändern diese Netz-Phänomene unser Verständnis von Kunst? Und woher kommen bloß all die Katzen? Die Ausstellung „Und alle so yeah“, kuratiert von Alain Bieber, präsentiert die vulgäre Avantgarde, ist Spektakel und Kritik, zeigt Netzkunst und Trashkunst, lädt zur Partizipation ein und wird selbst zum Kunstwerk.

Internet-Meme (QR Codes) & Meme Generator: Mit dem Internet ist die Produktion und Verbreitung von Bildern unvorstellbar rasant angestiegen. Nicht nur zeitgenössische Künstler, sondern auch Amateure nutzen das Internet und digitale Tools, um Bildmaterial zu produzieren, zu manipulieren, und zu teilen – und erzeugen dadurch Internet-Meme. Vom animierten „Dancing Baby“, über die Keyboard spielende Katze bis hin zum doppelten Regenbogen sind deshalb auch populäre Internet-Meme aus der Amateurkultur in der Ausstellung vertreten, die sich auf die jeweiligen anderen Werke beziehen – auf dem Smartphone/Tablet abrufbar über den angebrachten QR-Code. Und natürlich hat auch jeder Ausstellungsbesucher die Möglichkeit mit dem Meme Generator sein eigenes Internet-Mem zu gestalten und direkt ins Netz zu laden.

Literatur zum Thema „Kunst & Meme“:
- Domenico Quaranta: „Internet Semiotics“, 2012
- Brad Troemel: „The Accidental Audience“, 2013
- Michele Knobel & Colin Lankshear: „Online Memes, Affinities and Cultural Production“, 2007
- Kate Miltner: „SRSLY Phenomenal: An Investigation into the appeal of Lolcats“, 2011
- Helene Dams: „I think you got cats on your internet“, 2008

EL SCHREIBT ÜBER GRAFFITI #8: “Silberne Buchstaben in goldenem Licht”

In unregelmässigen Abständen schreibt el für rebel:art eine Kolumne zum Thema Graffiti (#1: “Stylewriting und die globale soziale Plastik”; #2: “Alleine“, #3: “Mythos Writing“, #4: “An die Wände“, #5: “Gesichter und Buchstaben, #6: “Graffiti als Soziales Medium”), #7: “Graffiti und Gentrifizierung” und hier folgt #8: “Silberne Buchstaben in goldenem Licht”:

Ich ertappe mich manchmal dabei, Kratzbuchstaben einfach toll zu finden, weil alle sie hassen. So ein beschützender Reflex. So ein ritterliches Dazwischengehen, während alle rufen “Auf den Scheiterhaufen mit den Scheibenkratzern”, trocken zu erwidern: “Lassen sie mich durch, ich bin Kunsthistoriker, ich habe hier einen Essay bei mir, der ihnen nahe legt diese Kratzbuchstaben nicht als die übelste, gemeinste, sich ins Bild drängende Frechheit, brutal, gemeingefährlich, nur übertroffen von Ätzbuchstaben die mit Flursäure gemacht wurden und die darauf warten dass sie jemand anfasst und sich diejenige Person dann verätzt, zu betrachten, sondern sie einlädt, sich ganz geruhsam zurückzulehnen in den dahingleitenden öffentlichen Verkersmitteln: Draußen rauscht der Dschungel der Stadt vorbei, der Blick oszilliert und zwischen ihnen und dem Gewirr des Betons und des Grüns, zum Glühen gebracht durch die Sonnenstrahlen, sehen sie Kratzbuchstaben im Glas, silberne Buchstaben in goldenem Licht.”

Sie sind zart und leicht wie Spinnweben, eine ganz eigene Form, abgegrenzt von den ausstaffierten Buchstaben in der ganzen Stadt und von den bonbonfarbenen aufgeplusterten Sprühbildern, die manchmal kaum noch den Buchstabenstil erkennen lassen, so sehr ist er in der Dekoration untergegangen. Sicher gibt es grandios tanzende Buchstabengruppen an den Wänden zu sehen, Schriftzüge die einen unwiderstehlichen Groove innehaben, doch sind auch solche zu sehen, die eben nicht funktionieren würden ohne das bunte Kleid und allerlei Schatten, überstrahlende Lichteffekte und Pfeile, Wolken und sonstiges Tragwerk. Es ist eine Herausforderung es ohne alle Dekoration hinzubekommen, zurück zu den Wurzeln, zur lebhaften Energie der Handschrift. So wie in den Tags. Die Kratzbuchstaben sind aber noch reduzierter als die geschriebenen Tags, die ihnen ja noch am ähnlichsten wären, denn sie haben keine Farbigkeit. Sie erinnern mich an grelle weiße Neonbuchstaben oder auch die wilden Lichtbilder von Picasso. Sie sind nur in das Glas gegeben, als Brechung der Oberfläche. Pur, eine Hand hat Linien gezogen, im Dunkeln vielleicht, und wir als Betrachter fangen die Lichtreflexe am Tag.

Die Kratzbuchstaben sind fragil und doch fest. Hinter ihnen zieht das in der Durchreise flüchtige Chaos der Stadt vorbei oder das Rauschen der Bäume. Sie sind im Fenster, und damit sind sie in einem Nichts, in einem leeren Zwischenraum. So wie Graffiti aus Flächen Bilder macht, hängen die Kratzbuchstaben sich in das Nichts und machen ein Bild im Nichts. Sie fallen aus der Zeit, sind wüste mikroskopische Verwurzelungen in der großen schnellen Bewegung des Nahverkehrs. Sie stören die Computergeneration wie Flecken auf dem Bildschirm. Ich frage mich manchmal wer sie wirklich liest. Da ich recht viel zu allen möglichen Zeiten Bahn fahre, merke ich schon, wie stark sie Teil des Bahnlebens sind. Ein älterer Herr in Berlin Neukölln klappt nachts sein Taschenmesser auf und kratzt versonnen etwas in die das Fensterglas schützende Folie. Ein Vorschulkind fragt seinen Papa wie die das machen mit diesen Buchstaben und er erzählt was von Schraubenziehern. Kann sogar sein, denn seit der Einführung dieser transparenten Folien in der S-Bahn und denen mit dem frech perspektivisch falschen Brandenburger Tor in der U-Bahn, ist es eh viel einfacher geworden die Oberfläche zu brechen, Plastik kratzt sich leichter als hartes Glas.

Die Technik fordert durch ihre Deutlichkeit und Klarheit die kalligrafischen Fähigkeiten eines Taggers heraus, eigentlich. Und doch werden sie vielfach viel gröber und das Schriftbild weniger elegant als die gesprühten Straßentags. Weil die Sprühdose nicht aufsetzt und mit mehr gestischer Leichtigkeit schreiben kann als jeder Pinsel, und die Kratzwerkzeuge nicht auf dem Glas gleiten wie ein Marker, sondern sich hineinfressen müssen. Die schleifenden Werkzeuge, zu erkennen an der Breite der Buchstaben, die teilweise eine plastische Wirkung hervorruft (wie unten als Beispiel in einem Ausschnitt eines KS Scratchings zu sehen), scheinen gegenüber den spitzen kratzenden Werkzeugen einen gestalterischen Vorteil zu bringen, einen leichteren Schreibfluss zu ermöglichen.

Jedenfalls dachte ich vor einigen Jahren, dass ich diese Buchstaben dokumentieren will, denn, wie gesagt, sie sind von einer bedrängenden Klarheit, einer filigranen Reduziertheit, einem kalligrafischen Glanz, der so losgelöst im Nichts schimmert. Sie sind nicht so einfach zu fotografieren, alles rumpelt und wackelt, und die Züge sind voll mit Publikum das vor den Schriftzügen sitzt und auf deren Gesichtern die Buchstaben als Schatten stehen. Und welches Bild könnte ihnen überhaupt gerecht werden, wie sie vor immer wechselnder sich bewegender Kulisse durch die Gegend fahren? Am Ende hab ich sie ganz unmittelbar aufgenommen, wie sie blind zu betasten, von der Umgebung zu abstrahieren, sie im Nichts des Glases zu erfassen. Ich habe sie mit einem Handscanner eingelesen, sie sind nun da im Schwarz des Tunnels oder der Nacht, springen einen ganz alleine an, so wie sie es leicht und unscheinbar im Alltag eigentlich nicht tun. Sie einzuscannen, oder zu fotografieren würdigt einen Aspekt an ihnen, den Aspekt der reduzierten dekorationslosen Graffitischrift, und streicht andere Aspekte, wie beispielsweise des Verhältnisses zum Trägermedium Glas, eher durch, dieses ist nur noch ein schwarzer Pixelbrei den die Kratbuchstaben durchpflügen. Es ist ein genaues Hinsehen auf die Buchstaben, es wirkt wie eine Vergrößerung – auch wenn die Schriftzüge wirklich meist in die Scannerbreite passen – es ist eine Isolierung, eine Stilstudie. Das wollte ich noch kurz zeigen: