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Taryn Simon & Aaron Swartz: “Image Atlas”

Fantastisches Projekt der Künstlerin Taryn Simon und dem im Januar 2013 verstorbenen Hacker und Netzaktivisten Aaron Swartz: “Image Atlas“. Image Atlas versucht kulturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten aufzuzeigen, indem es die indexierten Top-Ergebnisse der Bildersuche lokalisierter Versionen von Suchmaschinen vergleichbar macht. “Image Atlas investigates cultural differences and similarities by indexing top image results for given search terms across local engines throughout the world. Visitors can refine or expand their comparisons from the 57 countries currently available, and sort by Gross Domestic Product (GDP) or alphabetical order.” Via

SPIELSALON: Art & Arcade


Remmy Canedo, Sergej Maingardt, Tobias Hartmann: “cage was a n00b” (Soundinstallation/Kicker). Alle Klangereignisse werden direkt durch das Spiel generiert oder durch den Spielverlauf gestaltet.

SPIELSALON: Art & Arcade
16. Januar bis 16. März 2014; Vernissage: Mittwoch, 15. 1, 19h
Gruppenausstellung mit: Evan Roth, JODI, Hussein Chalayan, //////////fur//// art entertainment interfaces (Tilman Reiff, Volker Morawe), Djeff, Andreas Ullrich, Ivan Kozenitzky, Frederico Lazcano, Mobileskino (David Pfluger, Florian Olloz, Gilbert Engelhard, Roland Schmidt), Remmy Canedo, Sergej Maingardt, Tobias Hartmann, Marie Wellershoff, Benedikt Haas & Marius Fietzek.
Haus für elektronische Künste, Basel

Arcade-Automaten sind Kult. In den 1970er-Jahren eröffneten die ersten Spielhallen, sogenannte “Penny Arcades”, in den USA und Europa. In der Blütezeit der Automaten erschienen Spieleklassiker wie Pong, Space Invaders, Pac-Man, Mario Bros, Tron oder Donkey Kong. Viele erfolgreiche Spiele wurden später als PC- und Videospielkonsolen umgesetzt und setzten so den Grundstein für den Erfolg von Homecomputern. Arcade-Spiele haben Ikonen der Popkultur hervorgebracht. Auch zahlreiche Künstler haben sich dem Thema angenommen und nutzen Arcade-Maschinen als künstlerisches Medium. Dabei programmieren sie nicht einfach nur ein künstlerisches Computerspiel, sondern ihre Automaten sind gleichzeitig auch Kunstobjekte und Rauminstallationen. Die Künstler bauen die Maschinen um, ergänzen sie um neue Funktionalitäten, erschaffen neue Spielwelten, spielen mit der 8-Bit-Ästhetik und übersetzen die Spielkultur in die Kunst.

Vom 15. Januar bis 16. März verwandelt sich das Haus für elektronische Künste Basel in einen Spielsalon in dem die besten Arcade-Automaten von Künstlern aus aller Welt zu sehen und natürlich auch spielbar sind.
Unter anderem baut das Schweizer Künstlerkollektiv MOBILESKINO ihren “Racer” exklusiv für die Ausstellung in eine Weltraum-Edition um. Der französische Medienkünstler Djeff ist mit dem Spiel “Pentapong” vertreten und Fur Art Entertainment Industries aus Deutschland bringen ihre “Painstation”. Die Ausstellung wurde kuratiert von Alain Bieber.


“Tesla Arcade” von Marie Wellershoff, Benedikt Haas & Marius Fietzek


“Painstation” von //////////fur//// art entertainment interfaces (Tilman Reiff, Volker Morawe)


JODI: “Sod”


“PetaPong” von Djeff

Und sonst so? : 13. 11. 2013


“Auf dem Holzweg sein” – die Redewendung in der Realität umgesetzt? Kunst, Photoshop oder “Versehen”? Scheinbar ein Schnappschuß aus Russland, aber es gibt auch eine historische Vorlage: Ein Gemälde von Max Liebermann.

* Pflichtlektüre: The F.A.T. Manual (Available online for free + Print on Demand Edition)

* Guter Essay: Art Criticism in the Age of Yelp

* Buchtipp I: “Top Secret: Images from the Stasi Archives” von Simon Menner

* Buchtipp II: “Street Art-Karrieren” von Heike Derwanz ist erschienen – hier eine erste Besprechung

* Virtuelle Botschaften an seine Stadt (bzw. Wunschstadt) hinterlassen: DearCity! Via

* How To create a Fake-Identity for Art in the Deep Web. Via

* “Border Check“, a software that lays out the physical and political realities behind the internet. Via

* Love it: Minigolf auf einem Parkplatz

* Rethinking the relationship between art and the new media: Post Digital Cultures, Symposium, 6-7.12., Lausanne

* Nicht verpassen: transmediale 2014 afterglow findet vom 29. Januar bis 2. Februar 2014 im Haus der Kulturen der Welt in Berlin statt

* Kostenlose Graffiti-App der Schirn (mit Video-Interviews von Herbert Baglione, Gais, Rimon Guimarães, Jana Joana &Vitché, Nunca, Onesto, Alexandre Orion, Speto, Fefe Talavera, Tinho, Zezão)

* Coming soon: Graffiti-Porträts von Norman Behrendt “Burning down the house“. Bald bei Seltmann & Söhne.

Und sonst so? : 07. 10. 2013


Foto: Spencer Keeton Cunningham

* “Reverse logos of competing brands“. Via

* “100 Urban Trends” (PDF) nach dem Berliner BMW Guggenheim Lab. Via

* “Speculations on Anonymous Materials” – die erste (Postinternet)-Ausstellung von Susanne Pfeffer im Fridericianum Kassel (bis 26. Januar), u.a. mit Pamela Rosenkranz, Kerstin Brätsch & Debo Eilers, Oliver Laric, Michele Abeles uva.

* Tagger-Historie als GIF: “Des histoires de taguers” von Mathieu Tremblin

* WAV macht einen Ausflug nach Berlin und es gibt ein Tagebuch

* “Das neue Graffitti-Gadget für eisige Tage: der erste Train der Traintapes-Reihe ist als Endlos-Papierklebeband fertig! Ihr könnt diese Bänder mit wasserbasierten Pigmentmarkern wie Edding 3000 oder Uni Posca bemalen und auf fast jede Oberfläche kleben, jeder Kleiderschrank wird damit zur Instant-Traingalerie. Wir werden nach dem Klassiker DB-Silberling nach und nach weitere Trainmodelle releasen, stay tuned. Wir arbeiten auch an einer Smartphone App, mit welcher ihr eure Trains fotografieren und die Pix direkt auf unsere Traintape Seite hochladen könnt.”

* “Letzte woche habe ich in berlin die erste mediale plastik installiert. das ist eine webseite die nur an einem ganz bestimmten ort geöffnet werden kann. einweihung war letzte woche. bilder findest du hier.”, schreibt mir Florian Kuhlmann.

* Das Stickermag Klebstoff #6 geht in Druck! Am besten gleich vorbestellen…

* Drei neue Werke in der Netzkunst-Galerie des Jeu de Paume, kuratiert von Alessandro Ludovico (“Neural”): “Random Shopper” von Darius Kazemi (How programming code can radically transform our consumer habits, avoiding any marketing-oriented “modus operandi”?), “The Art of Google Books” von Krissy Wilson (Wilson is questioning between the lines the digitalization as an industrial apparatus. So, she’s documenting the fragments of materiality lost in this gigantic digitalization process…), “a series of unfortunate events” von Michael Wolf (Michael Wolf uses his photographic skills to “shoot” pictures within the world of Google Street View, where city streets are viewable in a weird digital and photographic continuum.)

* Eine Mini-Ausstellung von Hans-Ulrich Obrist: “He’s organized exhibitions just about everywhere under the moon, and now he’s curating a tiny exhibition at the virtual gallery Water McBeer, a 300 square inch space run by artist Henry Gunderson that’s accessible only through the gallery’s website. For the upcoming exhibition, Obrist will revive a version of his Nano Museum, an exhibition space hosted on a 2 x 3 inch picture frame. That original museum went missing in the 1990s, lost in a bar by artist Douglas Gordon.”

* Buchtipp: “This Will Have Been: Art, Love, and Politics in the 1980s

Watchlist: Addie Wagenknecht


“Waiting A5″, 2013


“Optimization of Parenting, ABB Robot Arm, Digital Fabrication Laboratory, (dFab), CMU School of Architecture”, 2012


“Art Wars”, 2012


“Asymmetric Love Number 2″, Single Produced Sculpture (Steel, CCTV cameras and DSL internet cables), 2012


Anonymity, 2007

I ♥ Addie Wagenknecht! Und Régine hat auch gerade ein Interview mit ihr geführt.

Florian Cramer: “Anti-Media. Ephemera on Speculative Arts”

Florian Cramer hat ein neues Buch geschrieben. Naja, eigentlich ist es kein neues Buch, sondern eher eine Sammlung diverser Texte, die zum Teil bereits veröffentlicht waren bzw. noch einmal aktualisiert wurden. Wer Florian Cramer nicht kennt, er ist: “programme director at the applied research center Creating 010 at Hogeschool Rotterdam, The Netherlands; dean of the Parallel University of WORM, Rotterdam’s Institute of Avant-gardistic Recreation.” Und: Er ist ein Nörgler, Besserwisser, Postneoist und radikaler Kritiker. Und das ist gut so. Denn solche radikalen Kritiker gibt es leider, leider nicht mehr allzu viele – in Cramers Aufsatzsammlung geht es um Nazis, Pornos, Aktivisten, Medienkunst, Postinternet, Internetliteratur, Popkultur, Hacking – und eigentlich bekommt alles ordentlich sein Fett ab. Das Buch beginnt mit einer fulminanten Einleitung über die Begriffe aus dem Titel “Anti”, “Media”, “Ephemera”, “Speculative”, “Arts” – und stellt die These auf: “1. There is art, and there is anti-art. 2. If that is so, there must also be anti-media. 3. ‘Media’ as a term is as fuzzy as ‘art’. 4. Both ‘art’ and ‘media’ refuse to go away. Anti-media is what remains if one debunks the notion of media but can’t get rid of it.” Die schwächeren Teile sind die Aufsätze über Computerliteratur (bzw. vielleicht liegt es auch an meinem persönlichen Desinteresse) und das ständige Rezitieren der eigenen Code-Poesie. Aber dafür gibt es große Gedanken zur Medienkunst, zum Popdiskurs, zur Kulturkritik und darin finden sich Sätze wie: “One ought to think that it´s a waste of time to give “interactive media” and “interactive art” any more serious thought; that there`s a broad consensus that these were false promises and sunken big budget ships of late 1980s and early 1990s institutional laboratory art founded on such wacky ideas as – in the case of the German ZKM – “the Bauhaus of Second Modernism”. We should be only a couple of years away from a time where these monstrosities will be turned into pop culture and celebrated as period kitsch, with the installations of Jeffrey Shaw and company representing 1990s retro kitsch next to Star Trek props for the 1960s, flokati rugs for the 1970s and Commodore home computers for the 1980s.” Und die stammen aus dem Jahr 2008. Danke dafür! Das Buch hält nicht ganz was es im Titel verspricht und es ist schade, dass es sich vor allem “nur” um eine Aufsatzsammlung aus den letzten Jahre handelt – aber die Essays sind natürlich trotzdem alle extrem lesenswert! Ich hoffe, dass bald neue Texte von Cramer zum Thema “Anti-Media/Anti-Art” gibt. Wir brauchen einfach mehr solcher knallharter Kritiker, es bringt einfach Niemanden voran, wenn man sich immer nur mit Wattebällchen bewirft. Achja: Régine hat´s auch gefallen – und hier kann man das Buch für 19,50 Euro bestellen.

Geraldine Juárez, Raquel Meyers & Bigup2Dance: “The Data Klubb”

Party/Performance-Projekt von Geraldine Juárez, Raquel Meyers & Bigup2Dance in Kopenhagen: “Google gives you “free” services in exchange of your private data. The data collected is exploited in many ways, mostly for target you with advertising and in the most extreme situations can be turned over spy agencies from governments with way too much computing-power and the wrong dose of paranoia. All your data are belong to U.S. Obviously, serious business intelligence services know that data can produce a lot of sociability; The Data Klubb – just like they do it (really)- is a party where you can exchange your pieces of data and personal information for a free beer. Just that.” Via

Kim Asendorf, Ole Fach, Kyle McDonald & Jonas Lund: “Where is Obama?”

Wo ist Obama?” anstatt Wo ist Walter?: Endlich die Antwort auf den NSA-Skandal – von Kim Asendorf, Ole Fach, Kyle McDonald & Jonas Lund. “The position of the president is a state secret. The White House website shows only Barack Obama’s schedule from the current day, but never dates beyond. The accuracy of this information is controversial. Obama, on the other hand, knows your entire calendar… Every person in the world can now participate in the supervision of the President.”

Und sonst so? : 30. 08. 13


Foto: Pilot Pirx. Via

* “Grillen? Gefällt mir!“: “Die Sektion “FLEISCH-DP” hat eine “Aktion für Burgerrechte und die Freiheit der Kantine” gemacht. Als FDPler und Jungliberale verkleidet, gelang es Aktivistinnen und Aktivisten vor der Parteizentrale der Grünen sowohl Polizei wie auch die zahlreich erschienene Hauptstadtpresse zum Narren zu halten.”

* 100 Interventionen an einem Tag: Das Festival 100 in 1 Day in Kapstadt. Via

* Sichtbetong: “In der Peripherie des Dresdner Stadtzentrums entsteht ein temporäres Kunstcamp – ein Freiraum auf einer Freifläche in Dresden-Löbtau. Vom 2. bis 8. September bieten wir euch Vorträge, Workshops, einen Beton Salon, eine OpenAir-Kunstausstellung und Musik im Rahmen eines Camps, an dem jeder kostenlos teilnehmen kann.”

* I ♥ Kunst & Wurst.

* “The Abramovic Method Practiced by Lady Gaga“. Via

* Die Doku von Jason Scott über die DEFCON, die zu den größten Hacker-Konferenzen zählt und seit 1993 jährlich in Las Vegas stattfindet. Via

* Spielen I: Guy Debord als Action Figure

* Spielen II: Das Lego Architecture Studio. Via

* Spielen III: “Wenn Barbie die Maße einer durchschnittlichen Frau hätte…”

* “Urbane Künste Ruhr ist die neue Kunstorganisation in der Kulturmetropole Ruhr. Wir nehmen die einzigartige urbane Landschaft des Ruhrgebiets zum Anlass, gemeinsam mit Künstlern, Netzwerken und Kulturinstitutionen nach dem Kern des Urbanen zu suchen.” Via

* Buchtipp I: “Context Hacking: How to Mess with Art, Media, Law and the Market” von Monochrom

* Buchtipp II: “Anti-Media” von Florian Cramer

* Buchtipp III: “Library of the Printed Web” von Paul Soulellis

“Und Alle so: Yeaahh! Die vulgäre Avantgarde”, Haus für elektronische Künste, Basel


David Horvitz (USA): “241543903″, 2009–heute. David Horvitz ist bekannt für seine Anleitungen zu Do-It-Yourself-Projekten. 2009 startete er über Tumblr die Aktion Head in the Freezer, die sich rasant über soziale Netzwerke verbreitete. Horvitz forderte dazu auf, seinen Kopf in ein Gefrierfach zu stecken, sich dabei fotografieren zu lassen, und das Foto ins Internet zu laden – versehen mit dem Tag „241543903“. Gibt man diese Zahl bei der Google-Bildersuche ein, erscheinen nun hunderte von Imitationen dieser künstlerisch initiierten Performance, die zum Internet-Mem geworden ist.


Evan Roth (USA): “Cache Rules Everything Around Me”, 2010. In Cache Rules Everything Around Me arrangiert Evan Roth im Internet vorgefundenes Bildmaterial spielerisch zu Musik von „Girl Talk“ aus dem Album Nightripper – selbst ein Mashup-Album, das verschiedene Musikstücke kombiniert. Bekannte Szenen aus Kinofilmen, aus Fernsehserien oder YouTube-Videos werden mit den populärsten Internet-Memen und animierten .gifs zusammengewürfelt und demonstrieren auf amüsante und beeindruckende Weise, wie sich im Internet auch künstlerische Produktions- und Distributionsformen verändern.


Helene Dams
(DE): “I Can Has History?“, 2010. Kein anderes Tier scheint im Netz derart beliebt zu sein wie Katzen. Sogenannte „Lolcats“ (Lol = laut lachen) bilden seit ca. 2006 ein beliebtes und weit verbreitetes Internet-Phänomen, bei dem Katzenbilder mit (orthografisch fehlerhaften) Sprüchen versehen und über soziale Netzwerke geteilt werden. Doch woher kommen bloß all diese Katzen? Dams betrieb Ahnenforschung und präsentiert in ihrer animierten Netzkunst-Arbeit I Can Has History? den Familienstammbaum der „Lolcats“.


Alex Von Bergen (USA): “Self Portrait with Tail”, 2008 / “Ongoing Collaboration with My Cat to Create an Image that Hopefully Becomes an Internet Meme”, 2010–heute / “Tan Line Gradient Study”, 2013. Alex von Bergen greift immer wieder Gebrauchsgegenstände oder aus dem Alltag vertraute Phänomene auf. Geschickt bewegt er sich dabei zwischen Netzwelt und physischer Welt, zwischen Kunstproduktion und Kommerz. So auch in Ongoing Collaboration with My Cat to Create an Image that Hopefully Becomes an Internet Meme und Tan Line Gradient Study, welche mitunter die Frage nach der Funktion von Kunst und Kultur im Internetzeitalter stellen. Was hat mehr Einfluss: ein Bild in einem Museum, ein Kino-Blockbuster, oder ein sich viral verbreitendes Internet-Mem? Als Postkarte zum Mitnehmen werden wir aufgefordert Von Bergens Internet-Meme auch außerhalb des Netzes zirkulieren zu lassen.


Mathieu Tremblin (FR) mit Aurélie Fourel, Marinka Limat: “Ink Geyser”, 2013. Mathieu Tremblin ist berüchtigt für seine Interventionen im städtischen Raum. Meist sind diese minimal, vielfach von einer gewissen Absurdität gezeichnet und bilden ein Gegengewicht zur reglementierten (rechtlichen, repräsentativen, symbolischen) Öffentlichkeit. Ink Geyser ist ein künstlerisches Re-enactment des Mentos-Cola-Internet-Mems: Durch die chemische Reaktion, das Hinzufügen von Farbe und die installative Anordnung entsteht ein künstlerisches Wandgemälde, das seine Spuren für eine kurze Zeitdauer an Wänden, Decke und Boden hinterlässt.


Matthias Fritsch (DE): “Technoviking Transmedia”, 2007–2011 / “We, Technoviking”,
2010. Mit über 40 Millionen Klicks und mehr als 4000 Videoreaktionen auf YouTube gehört Matthias Fritschs Technoviking – im Jahr 2000 unter dem Namen Kneecam No. 1 ins Netz gestellt – zu den weltweit populärsten Internet-Memen. In den präsentierten Videos recherchiert Fritsch die Geschichte seines Kunstvideos, von der Produktion bis zum populären Internet-Mem, wo der Technoviking sich wie genetisches Material im Netz fortgepflanzt und ständig in neue Variationen und Formen mutiert. Während Technoviking Transmedia User-Reaktionen sammelt, die den Technoviking in virtuellen Welten (z.B. World of Warcraft, Minecraft) inszenieren oder in ein anderes Medium übersetzen, präsentiert We, Technoviking ein Zusammenschnitt von über 50 Reenactment-Videos, welche von Fritsch im Netz gesammelt und zu einem musikclipartigen Video zusammengemixt wurden.


Kent Rogowski (USA): “There is a Rainbow”, 2012. Kent Rogowski greift in seinen Arbeiten Klichees und Stereotypen auf und schafft über das scheinbar Vertraute vielfach ein Gefühl der Befremdung. There is a Rainbow ist Teil der Serie Everything that I wish I could be, in welcher der Künstler Selbsthilfe-Bücher nach einer bestimmten topografischen Anordnung arrangiert und in Lebensgröße abfotografiert. Durch eine gezielte Linienführung der Regebogen deutet Rogowski vage eine Herzform an – und inszeniert so fast unscheinbar kulturell kodierte kommunikative Muster, die auch den Internet-Memen eigen sind. Und nach dem Double Rainbow von Hungrybear9562 gehört der Regenbogen (nach den Katzen) zum zweitliebsten Pop-Phänomen der Internetkultur.


Jonas Lund (SE): “Paint Your Pizza“, 2013. „Realität ist da, wo der Pizzamann herkommt“ ist ein beliebter Geek-Spruch. Was macht die Pizza zur Leibspeise der Internet-Generation? Vielleicht liegt es daran, dass man bei Pizza Hut bereits seit 1993 die erste Pizza im Internet bestellen konnte – lange Jahre vor der Gründung von Amazon, Google oder Ebay. Paint Your Pizza ist eine Webseite von Jonas Lund, über welche man mittels der Grafiksoftware MS Paint seine ganz individuelle Pizza malen, bestellen und verkaufen kann. Macht mit, malt eure Pizza, druckt sie aus und holt euch euer ofenfrisches Kunstwerk für CHF 12 draußen am Pizza-Stand!


Tracky Birthday & Hasi International™ feat. Cindy Sizer (DE): “Tricks 10″, 2013. Bereits neun Folgen der ARTE Creative Webserie Tricks haben Tracky Birthday und International™ souverän gemeistert: witzige und unberechenbare Shows, die uns mit auf eine Reise durch die Popgeschichte nehmen und unter anderem auch demonstrieren, wie sich mit Gemüse musizieren lässt. In der zehnten und letzten Folge von Tricks inszenieren die zwei Künstler zusammen mit ihren Freunden Cindy Sizer eine kollektive Jamsession, bei der die Besucher zur Band werden – und natürlich wird auch diese Folge live ins Netz gestreamt.

Für alle die es am 24. August nicht zur Oslo Night 2013 nach Basel geschafft haben: Ein paar Impressionen der Ausstellung “Und Alle so: Yeaahh! Die vulgäre Avantgarde” im Haus für elektronische Künste in Basel. “In Zeiten von NSA, Urheberrechtsklagen und Datenspeicherfragen kommt das Internet eher als Produkt des Bösen daher. Basel kehrt nun aber die fröhlichen Inhalte nach außen, und zeigt, wie positiv das Netz auch sein kann”, schrieb das ART-Magazin, und Dirk von Gehlen hat mich dazu für das SZ-Blog Phänomeme interviewt: “Die Netzkultur ist die neue Popkultur. Sie hat eine eigene Sprache (ROFL, <3), eine eigene Ästhetik (z.B. Seapunk), und ihre eigenen Stars (Grumpy Cat, Technoviking)." Und darum ging es: Internet-Meme sind die Popkultur des Internets: Bilder, Videos, Texte, Links, Tondateien und Webseiten, die sich viral und rasend schnell online verbreiten. Die Masse tanzt zu „Harlem Shake“ und „Gangnam Style“ und lacht über den „Techno Viking“ und „Lolcats“. Die Grenzen zwischen Hoch- und Populärkultur verschmelzen im Netz – aber was sind die Folgen? Führt die memetische Kreativität im Netz zu einer kollektiven Intelligenz? Kann auch Kunst viral werden? Oder ist ein Mem vielleicht sogar Konzeptkunst? Wie verändern diese Netz-Phänomene unser Verständnis von Kunst? Und woher kommen bloß all die Katzen? Die Ausstellung „Und alle so yeah“, kuratiert von Alain Bieber, präsentiert die vulgäre Avantgarde, ist Spektakel und Kritik, zeigt Netzkunst und Trashkunst, lädt zur Partizipation ein und wird selbst zum Kunstwerk.

Internet-Meme (QR Codes) & Meme Generator: Mit dem Internet ist die Produktion und Verbreitung von Bildern unvorstellbar rasant angestiegen. Nicht nur zeitgenössische Künstler, sondern auch Amateure nutzen das Internet und digitale Tools, um Bildmaterial zu produzieren, zu manipulieren, und zu teilen – und erzeugen dadurch Internet-Meme. Vom animierten „Dancing Baby“, über die Keyboard spielende Katze bis hin zum doppelten Regenbogen sind deshalb auch populäre Internet-Meme aus der Amateurkultur in der Ausstellung vertreten, die sich auf die jeweiligen anderen Werke beziehen – auf dem Smartphone/Tablet abrufbar über den angebrachten QR-Code. Und natürlich hat auch jeder Ausstellungsbesucher die Möglichkeit mit dem Meme Generator sein eigenes Internet-Mem zu gestalten und direkt ins Netz zu laden.

Literatur zum Thema „Kunst & Meme“:
- Domenico Quaranta: „Internet Semiotics“, 2012
- Brad Troemel: „The Accidental Audience“, 2013
- Michele Knobel & Colin Lankshear: „Online Memes, Affinities and Cultural Production“, 2007
- Kate Miltner: „SRSLY Phenomenal: An Investigation into the appeal of Lolcats“, 2011
- Helene Dams: „I think you got cats on your internet“, 2008