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Und sonst so? : 27. 03. 14


Foto: Euromillions

* Nicht verpassen: 4. Month of Performance Art in Berlin. “MPA-B is a 31 day, city-wide and artist-run platform for independent performance art practices, running annually in May, that connects and brings together hundreds of artists, spaces, networks and initiatives who collectively contribute to a unique and radical month-long programme, featuring: indoor and outdoor performances, site-specific interventions, talks, workshops, screenings, public encounters and interactions, dinners, durational and days-long actions and other formats and projects which do not have, or reject, any definition.”

* Buchtipp: “Can Jokes Bring Down Governments? Memes, Design and Politics

* Tolles Graffiti-Fanzine: “ZUGRIFF! – Schriften zum visuellen Ungehorsam

* “Er näht sich den Mund zu oder nagelt seine Hoden an den Roten Platz: Pjotr Pawlenski provoziert mit seiner Performancekunst Putins Russland.”

* Hans Ulrich Obrist & Co: the art of curation. Via

* Brad Downey was here: Die Einzelausstellung “Sculpture, Leftovers and Documentation” im Haus am Lützowplatz’s Studio Galerie, Fördererkreis Kulturzentrum e.V. (HaL), Lützowplatz 9, 10785 Berlin, läuft noch bis zum 27. April.

* ilovegraffiti & ARTE Creative präsentieren in der Serie 5Min diesmal “Jenseits von Photoshop und Werbelügen: Unterwegs mit dem urbanen Guerrillero Vermibus

* Einchecken: “Das größte Hotel der Stadt: HOTEL HAMBURG. Eine Stadt besucht sich selbst. Im Sommer 2014 lädt das HOTEL HAMBURG zwei Wochen lang Hamburgerinnen und Hamburger ein, in ihrer eigenen Stadt zu reisen und in einer fremden Wohnung Urlaub zu machen. Die Teilnahme ist einfach und steht jedem offen. Ein Schlüssel für einen Schlüssel: Für die Bereitstellung eines Zimmers oder einer Wohnung kann ein fremdes temporäres “Hotelzimmer” kostenfrei gebucht werden. Von Blankenese bis Bergedorf, von Poppenbüttel bis Wilhelmsburg, ob WG, Penthouse, Loft oder Bungalow das HOTEL HAMBURG erstreckt sich über alle Stadtteile und hat Zimmer jeder Hamburger Art.”

* NetArt Girls Trading Cards. Via

* Wildsytle: Strange Public Art from Russia 1 & 2. Via: Igor, спасибо!

* “Tag Audio Loops“: Audio-Tags von Jean-Philippe Renoult. Via

* “Anti-Social Network” Provides An Incognito Mode For Real Life: Cloak

* Livr: Die Community für Betrunkene ist ein Fake

* The Art Place, noch eine neue Kunst-Community im Netz

* DE:BUG (sniff, ade) hat Diedrich Diederichsen im Interview

* Ausstellungstipp: “Smart New World” (5. April – 10. August 2014) in der Kunsthalle Düsseldorf mit Xavier Cha (US), Simon Denny (1982, NZ), Aleksandra Domanović (1981, SI), Omer Fast (1972, IL), Christoph Faulhaber (1972, D), Kenneth Goldsmith (1961, US), International Necronautical Society, Korpys/Löffler (1966/1963, DE), Trevor Paglen (1974, US), Laura Poitras (1964, US), Tabor Robak (1986, US), Santiago Sierra (1966, ES), Taryn Simon (1975, US): “In der digitalen Gesellschaft ist Information zum Rohstoff geworden und die Menschen zum konsumierenden Datenpaket. Dabei wird, wie wir mittlerweile wissen, jede unserer Spuren aufgezeichnet, ob wir wollen oder nicht. Die Ausstellung Smarte Neue Welt untersucht die Auswirkungen des „Datenkapitalismus“ auf unser tägliches Leben. Dazu gehören die permanente Überwachung jedes einzelnen ebenso wie die Verschiebung von Privatheit und Öffentlichkeit, die Berechenbarkeit und Kontrolle durch Datenerhebung, veränderte Strukturen von Identitätsbildung oder der Zwang zur permanenten Selbstoptimierung, aber auch Fragen nach Macht und Zensur im Internet und einer demokratischen Verteilung von Wissen. Die Schau versammelt Arbeiten von internationalen Künstlerinnen und Künstlern einer jüngeren Generation, welche die rasanten technologischen Entwicklungen der digitalen Welt nicht nur als Inspiration für ihre Bildwelt oder als formalen Referenzrahmen nutzen, sondern vor allem deren kulturelle, gesellschaftliche und politische Dimension reflektieren.”

* “Die Wirkungsmacht der Klobürste“. Via: Mail, thx Steffen!

* Andrew H. Shirley: “Wastedland” – four friends paint graffiti in a post-apocalyptic purgatory. While on the hunt for beer and weed they encounter a dead baby, and invite him along for the party… Via

“Art Hack Day Talks”: Transmediale 2014

Erlebt den #afterglow: Der #Arthackday der #transmediale hat begonnen: http://bit.ly/M9WekR! Rund 75 Künstler und Hacker haben 48 Stunden Zeit um die diesjährige Ausstellung zu realisieren…

Und übrigens: Am Donnerstag, 30.1, moderiere ich die Art Hack Day Talks – ein Interview-Marathon von 14 bis 19.30 Uhr mit Geraldine Juarez (14:00-14:30), Johannes P Osterhoff & Sebastian Schmieg (14:30-15:00), Kim Asendorf (15:00-15:30), Helga Wretman & Dafna Maimon (15:30-16:00), Justin Blinder (17:00-17:30), Jonah Brucker-Cohen (17:30-18:00), Dennis De Bel (18:00-18:30) und Emilie Gervais (19:00-19:30). Kommt vorbei: Ich mach mich zum Deppen ein Fitness-Workout mit Helga, meine letzten privaten Notizen für Johannes öffentlich – und bestimmt gibt´s noch ein paar weitere Überraschungen…

5 MINUTES über die “Urban Hacking Academy” / CityLeaks Festival Cologne

5 Minutes/ILG über meine “Urban Hacking Academy” (mit Allan Gretzki, Katze & Krieg, The Wa & Brad Downey) im Rahmen des Kölner Festivals CityLeaks. Mehr auch hier, französische Version hier, CityLeaks-Beitrag hier & alles via: AC, thx!

Werkleitz Festival 2013: Utopien vermeiden!

Die Werkleitz Gesellschaft feiert ihren 20. Geburtstag mit einem Jubiläumsfestival: 12-27. Oktober 2013, Holtzplatz 1/Technikhalle, Halle (Saale). Und ich freue mich riesig darauf, weil ich zwei Filmprogramme und vier Künstler/innen einladen durfte! Meine Programme laufen am 18. Oktober im Festivalkino – kommt unbedingt vorbei!

“Werkleitz ist 1993 in einer Zeit großer Umbrüche gegründet worden. Durch den Fall der Mauer und den Zusammenbruch der Diktaturen in Osteuropa entstand eine euphorische Hinwendung zur Demokratie, die weit über Europa hinaus strahlte. Zur gleichen Zeit begann der Aufstieg des World Wide Web zur zentralen, zukunftsweisenden Technologie, die eine offene Kommunikation für alle Menschen zu versprechen schien. Diese Aufbruchstimmung spiegelt sich auch in der Gründung von Werkleitz als Kollektiv mit flachen Hierarchien, kollektivem kuratorischen Ansatz und europaweiten Kooperationen. Anfang der 1990er Jahre wurden aber auch die Finanzmärkte dereguliert. Der Nationalstaat als zentraler Souverän der Gesellschaft zieht sich seitdem durch verordnete Sparzwänge aus der gesellschaftlichen Gestaltung zurück. Ökonomischer Druck und die damit verbundenen Ängste führen in vielen Ländern Europas zu antidemokratischen Bewegungen, der Traum der europäischen Einigung ist verschwunden. Werkleitz nimmt sein 20-jähriges Bestehen zum Anlass, diese gegenläufigen Prozesse zu reflektieren. 20 Kuratoren sind eingeladen, jeweils eine neu entwickelte Arbeit in einem Ausstellungsparcours, in Film- und Performanceprogrammen sowie einem Symposion in Halle zu präsentieren und zu diskutieren. Der Titel Utopien vermeiden basiert auf der gleichnamigen Neonleuchtschrift Martin Conraths aus der ersten Werkleitz Ausstellung von 1993 und steht für die Ambivalenz dieser letzten 20 Jahre.”

Freitag, 18.Okt, Festivalkino, 18:00: Streetism!
Vor Ort: Mathieu Tremblin & Vladimir Turner. Und Filme von Akay, Love & Security, Sebastian Haslauer, Nug & Pike, Ivan Argote, Brad Downey, Jaroslav Kysa, Vojtěch Fröhlich, Ondřej Mladý, Jan Šimánek, Messieurs Delmotte, Leopold Kessler, Francis Alÿs, The Cleaning Unit.

Liebe Künstler, verbrennt die Manifeste! Liebe Kuratoren, hört endlich auf immer neue Fragen zu stellen, die doch nie jemand beantworten kann. Und liebe Besucher und Zuschauer, lasst uns Utopien und immer neue Versprechungen vermeiden und konkretes Handeln favorisieren. Das Filmprogramm „Steetism!“ stellt deshalb Künstler vor, die anpacken. Künstler, die raus auf die Straße gehen, dorthin wo das Leben tobt, und versuchen, die Welt im Kleinen zu verändern. Es werden 18 Dokumentationen aus ganz Europa von Performances, Interventionen und Skulpturen im öffentlichen Raum gezeigt, 18 individuelle Strategien, die mit viel Spaß und Spiel, eine künstlerische Formen des Widerstands darstellen. Denn Kultur entsteht durch Spiel – den Spaß daran und die daraus entstehende Spannung. „Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt“, schrieb Friedrich Schiller. Und der niederländische Kulturhistoriker Johan Huizinga prägte den Begriff „Homo ludens“, der spielende Mensch, der für die Streetart-Künstler so beschreibend ist. Die Stadt selbst wird dabei zum Kunstwerk, das frei gestaltet wird und quasi als Laboratorium für eine spielerische Revolutionierung des Alltags dient. Matthieu Tremblin, Vladimir Turner, Brad Downey, Messieurs Delmotte, Francis Alys, Rémi Gaillard und Ivan Argote dekorieren Überwachungskameras mit Früchten, köpfen Rosen, bemalen die U-Bahn mit ihrem nackten Körper, zweckentfrenden eine Werbefläche zu einem Kettenkarussel und barrikadieren mit Tauben die Einkaufsläden. Die Künstler spielen dabei nicht nur mit dem Stadtraum und den Bewohnern, sondern mit der gesamten Kunstgeschichte: Ein Schuss Spontaneität der Situationisten, ein paar choreografische Fluxus-Elemente, ein bisschen Land-Art, eine Dosis Dada-Absurdität, verquirlt mit Ready-Mades und Minimalismus – fertig ist das Street-art-Œuvre. Das Filmprogramm soll nicht nur Aktionen präsentieren, sondern auch den Zuschauer anstiften und aktivieren. Denn Kunst sollte nicht in Museen weggesperrt werden oder temporär auf Festival zu sehen sein, sondern zur Alltäglichkeit werden.

Freitag, 18.Okt, Festivalkino, 21:00: Gefangen im Paradies
Vor Ort & Filme von: Barbara Visser (“C.K.”), Alain della Negra (“How much is the rain”)

“Was mich fasziniert, ist die Tatsache, dass Freiheit im Grunde genommen eine Illusion ist. Und das gilt für Künstler, Buchhalter oder Kriminelle“, sagt die niederländische Künstlerin Barbara Visser. Und Alain della Negra, ein französischer Künstler, spürt in seinen Filmen stets manische Utopisten auf, von den obsessiven Schamanen, über Furry-Fans bis zur Regenbogen-Sekte. Das Filmprogramm „Gefangen im Paradies“ präsentiert zwei wahre Begebenheiten, dokumentiert von zwei Künstlern. Clemens K., langjähriger Buchhalter der niederländischen Kunst- und Kultustiftung, bucht 16 Millionen Euro auf sein eigenes Konto und verschwindet danach komplett von der Bildfläche. Visser verfolgt in ihrer spannenden und preisgekrönten Dokumentation den Betrüger bis nach Thailand, seinem selbstgewählten Zufluchtsort. Ihre akribische Recherche blickt mit künstlerischen Mitteln auf die Beweggründe und interviewt Freunde und Kollegen, die geschockt, verwirrt, beschämt und wütend zurück bleiben. Und della Negra hat für seinen neusten Film „How much rain“ die Regenbogen-Sekte nach Mexiko begleitet. Die Regenbogen-Krieger kleiden sich in einer einzigen Regenbogenfarbe, schlafen in einer solch monochromen Hütte und essen auch nur Nahrungsmittel in derselben Farbe. Sie wechseln die Farbe je nach Stimmung, manche jeden Monat, manche nur ein paar Mal im Jahr. Della Negra nimmt uns mit in eine Welt, deren vermeindliche Freiheit auch hier zu einem selbstgewählten Gefägnis wird.

Und sonst so? : 21. 09. 13


Foto: SpY ist in Köln beim CityLeaks-Festival. Danke, René!

* Save the date: The Influencers 2013 findet am 8 und 9. November in Barcelona statt, diesmal u.a. mit dabei ist Aram Bartholl

* Für alle Hamburger: Das Symposium “The Making of (Digital) Urban Interventions” sind vielversprechend, mit dabei sind Régine Debatty, Christopher Dell und Medienkünstler Chris Bruckmayr; Donnerstag, 26. September, Reeperbahn Festival

* Neue Street-Art-Webdoku bzw. virtuelle Museum aus Frankreich: Tour Paris 13. Merci, Laurence!

* Es gibt endlich eine neue Ausgabe meines Lieblings-Stadtmagazin: Der Wedding!

* OMG, it’s a double rainbow: Regenbogen-Stifte!

* Régine hat die Ausstellung “Disobedience Archive” besucht: “a video collection which explores four decades of social disobedience: from the uprising in Italy in 1977 to the anti-globalization protests and to the insurrections in the Middle East.”

* “Jetzt wollten wir Dir nur kurz Bescheid sagen, dass gerade das Video zur Prozession fertig geworden ist”, schreiben Various & Gould. “Wir hoffen, er gefällt Dir!” Ja: http://vimeo.com/74108078!

* Das neue Projekt von Friedrich von Borries: RLF – das richtige Leben im Falschen! Die Mission: Der Kapitalismus soll mit seinen eigenen Waffen geschlagen werden.

Sumo-Hocke, Netzkunst und künstliche Intelligenz: Helga Wretman trifft Constant Dullaart

Fitness For Artists von Helga Wretman, Folge 5: In dieser Folge trifft Helga Wretman den niederländischen Künstler Constant Dullaart. Zwischen Sumo-Hocke und ein Paar Stretching-Übungen, reden sie über Google, Amazon, Facebook, YouTube, Punk-Attitüde, künstliche Intelligenz, die Zukunft und die Unendlichkeit. Zuvor turnten: Pilvi Takala, Edgar Leciejewski, Aleksandra Domanović und Egill Saebjörnsson.

Honet über die Pariser Katakomben…

… und seine aktuelle Ausstellung in Köln (bis 14. Juli, bei Ruttkowski68). Honet: “French street artist Honet taps into both creativity and curiosity to produce his works. The former graffiti writer-turned-artist is intrigued by the remnants of former generations. His pursuit of artifacts and bio-facts, and his hunger for architecture and cultural landscapes has led him down tunnels, up on roofs, and through every other level in between. Honet records his experiences figuratively, creating illustrations that thrill the art world and provide a legacy for urbanity’s undiscovered corners. His works are like history books that tell of places forgotten, neglected or underestimated.” Via: Laurence, merci!

Augmented Sticker Reality: Cynetart Festival & virtuelle Stickersafari

Cynetart Festival & Stickeraward-Stickersafari: “Im Rahmen des AR-Parcours wird die Dresdner Innenstadt im November 2012 um eine virtuelle Schicht aus künstlerischen, gleichzeitig spielerischen sowie kritischen als auch informativen Projekten erweitert. Der Gang durch die Stadt wird zu einem multisensuellen Erlebnis, der Spaziergang durch die Straßen zu einer Entdeckungstour. Ganz selbstverständlich nutzen wir heute unsere mobilen technischen Geräte, die den wirklichen Raum mit zusätzlichen Informationen oder Kreationen bereichern. Doch wem gehört der virtuelle öffentliche Raum? Wer darf ihn gestalten? Wie bewegen wir uns in mehreren, sich überlagernden und sich ergänzenden Realitäten? Die CYNETART Pop-up City Dresden, ein Kooperationsprojekt mit den Studierenden aus den Fachbereichen Mediengestaltung und Informatik der TU Dresden setzt sich zum Ziel diese Fragestellungen zu erforschen.” Via

Watchlist: FEMEN – supporting Pussy Riot

FEMEN ist ein Kollektiv ukrainischer Aktivistinnen, die mit provokanten Aktionen in der Öffentlichkeit Aufsehen erregen. 2008 in Kiew gegründet, kämpfen sie vor allem für die Selbstbestimmung der Frauen in ihrem Heimatland. Unter der Maxime “Our God is woman, our mission is protest, our weapons are bare breasts!” protestieren sie barbusig gegen Sextourismus, Heiratsagenturen und politische Intoleranz. Die jungen Frauen wollen zur international bedeutendsten feministischen Bewegung werden und planen auch als Partei aktiv zu werden. Femen solidarisierten sich mit den Protesten gegen Mubarak oder Putin und setzten sich zuletzt auch für die Freilassung von Pussy Riot ein.” Mehr Bilder zur neuen FEMEN-Aktion hier, die begleitende Webserie “Creative Resistance” der kommenden ARTE-Doku “Everyday Rebellion” hier: Srđa Popović, Waging Nonviolence, John Jackson, YesMen 1 und 2 und FEMEN.

“Der Enthüllungskünstler”: Interview mit Trevor Paglen


Salt Pit“, 2010

Der US-Künstler und Geograf Trevor Paglen deckte Flugzeugentführungen von Terrorverdächtigen und eine komplette CIA-Infrastruktur voller Tarnfirmen, geheimen Operationen und gefälschten Identitäten auf, er fotografierte Spionagesatelliten und “Black Sites”, geheime Militärgefängnisse, die angeblich gar nicht existieren, und sammelte kryptische Aufnäher militärischer Sondereinheiten. 1974 in Maryland geboren, studierte Paglen zunächst Religionswissenschaft und Komposition in Berkeley, danach Kunst und Technologie in Chicago und promovierte 2008 in Geografie. Seitdem spürt er, von wissenschaftlichem Ehrgeiz getrieben, die letzten weißen Flecken auf Landkarten auf, hinterfragt den dokumentarischen Wert der Fotografie – und bekämpft dabei immer auch noch ein paar Mythen. Dieses Interview erschien erstmals im Oktober 2011 im Magazin “Opak“.

Alain Bieber: Es wäre schön, wenn nicht nur Prominente von Paparazzi verfolgt werden, sondern auch Regierungen, Politiker und das Militär, soll Julian Assange von Wikileaks gesagt haben. Sind Sie so eine Art CIA-Paparazzi?

Trevor Paglen: Paparazzi schaffen Bilder nur um der Bilder willen. Das interessiert mich nicht wirklich. Obwohl wir schon eine Gemeinsamkeit haben: Paparazzi gehen sehr weit, sie überschreiten Grenzen, um diese Bilder zu beschaffen. In diesem „Gonzo“-Stil ähneln wir uns vielleicht.

Was fasziniert Sie so an Geheimnissen und Mythen? Werden Sie von einem wissenschaftlichen Entdeckergeist in der Tradition von Alexander von Humbolt oder Galileo Galilei getrieben?

Meine Herangehensweise ist künstlerisch wie auch sozialwissenschaftlich. Mich interessieren vor allem zwei Fragestellungen: Wie funktionieren unterschiedliche Infrastrukturen von Geheimnissen? Ich möchte verstehen, wie geheime Infrastrukturen es schaffen, in der Welt zu existieren und was für Auswirkungen und auch Widersprüche für die Welt dabei entstehen. Das ist eher eine sozialwissenschaftliche Fragestellung. Und dann interessiert mich aber auch die Ästhetik von Geheimnissen. Das ist eher eine künstlerische Frage. Wie sehen Dinge eigentlich aus, von denen wir nichts wissen. Wie sehen die Grenzen unserer eigenen Wahrnehmung aus? Und wie entstehen diese Grenzen überhaupt? Das sind alles sehr alte, künstlerische Fragen, das geht zurück auf die antike Mythologie – und vielleicht sogar zurück bis zur Höhlenmalerei. Künstler haben immer versucht zu verstehen, was die Grenzen ihres eigenen Verstandes sind. Kunst gehörte immer schon zur Speerspitze, wenn es darum ging, solche Fragen zu stellen.
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